4. Technisch-akrobatische Sportarten

4.1. Rhythmische Sportgymnastik

4.1.1. Zum Stand der Weltspitzenleistungen und zu Entwicklungstendenzen

In der Sportart Rhythmische Sportgymnastik (RSG) vollzog sich in den letzten Jahren ein enormer Leistungszuwachs. Bedingt ist diese Entwicklung zum einen durch die Aufnahme der Sportart in das Programm der Olympischen Spiele seit 1984 sowie auch das größer werdende Zuschauerinteresse an der Sportart. Zum anderen bewirkten die neuen Wertungsbestimmungen schwierigere, risikoreichere, originellere und virtuosere Wettkampfübungen.

In der RSG sind, wie auch in den anderen technisch-akrobatischen Sportarten, die Weltspitzenleistungen an die Ausprägung der Leistungsmerkmale der Wettkampfleistung (siehe Abb.1) in komplexer Form gebunden, d.h.:

- Darbietung von schwierigen Elementen und Verbindungen eng verknüpft mit einem hohen Grad an Risiko und Originalität,

- technisch virtuose Ausführung aller Elemente und Verbindungen,

- hoher Ausprägungsgrad bei der choreographischen Gestaltung der Wettkampfübung und Umsetzung bei Einbeziehung des individuellen Stils der Gymnastin,

- stabile Darbietung des gesamten Wettkampfprogrammes.

Mängel bei einem Merkmal können nicht durch Stärken bei einem anderen ausgeglichen werden. Weltspitzenleistungen sind gekennzeichnet durch die komplexe Ausprägung aller leistungsbestimmenden Merkmale der Wettkampfübung. So ist es z.B. nicht möglich, daß Mängel bei der stabilen Darbietung durch eine höhere Anzahl schwieriger Elemente kompensiert oder eine unzureichende choreographische Gestaltung durch technisch exzellente Darbietung der Elemente und Verbindungen ausgeglichen werden kann.

4.1.1.1. Anforderungen an den Inhalt der Wettkampfübung

Laut Wertungsbestimmungen in der RSG werden mindestens 4 Elemente mit höherer und 4 mit mittlerer Schwierigkeit pro Wettkampfübung gefordert, ansonsten erfolgt ein Punktabzug.

Für Weltspitzenübungen ist charakteristisch, daß bedeutend mehr Elemente mit höherer wie auch mittlerer Schwierigkeit angeboten werden. Die Darbietung von 10 und mehr höheren Schwierigkeiten und in gleicher Anzahl von mittleren ist Standard.

Nachdem zuerst nur die Anzahl der Schwierigkeiten stieg, ist gegenwärtig eindeutig die Entwicklungstendenz zu erkennen, daß die Schwierigkeiten an eine risikovolle und originelle Ausführung gebunden sind. Gleichzeitig ist die Kopplung von Höchstschwierigkeiten, d.h. direkte Ausführung von zwei oder drei höheren Schwierigkeiten hintereinander, als Tendenz zu erkennen.

Steigendes Risiko bedeutet:

- das Gerät wird nicht mit der Hand, sondern mit anderen Körperteilen (z.B. Fuß, Schulter u.a.) gesteuert,

- die Flugdauer nach einem Wurf des Gerätes ( oder Rollen oder Prellen) liegt über den durchschnittlichen Werten,

- die Steuerung des Gerätes ist erschwert durch eine ausgeschlossene oder eingeschränkte Sichtkontrolle (z.B. Fangen des Gerätes hinter dem Rücken),

- zwei Gerätbewegungen werden unmittelbar in direkter Folge ausgeführt (z.B. Fangen und sofortiges Rollen über Körperteile).

Originalität kann zum einen erzielt werden, wenn neue Körper- oder Gerätbewegungen, neue Kombinationen der Körper- und Gerätbewegung kreiert werden und zum anderen, wenn bereits bekannte Elemente in neuartiger Form gekoppelt werden (siehe Abb.2).

Tendenziell werden Originalitäten in der Mehrzahl über die Kombination erzielt. Einen hohen Originalitätswert besitzen jedoch neuartige Gerät- oder Körperbewegungen.

Die Wettkampfübungen der weltbesten Gymnastinnen weisen mindestens ein (in bestimmten Fällen sogar bis zu 3) originelle Elemente und Verbindungen auf.

4.1.1.2 Anforderungen an die technische Ausführung

Die technisch virtuose Ausführung der Elemente und Verbindungen bezieht sich auf die Körperbewegungen und auf die Gerätbewegungen, wobei immer die komplexe Betrachtungsweise notwendig ist. Bedingt durch die Wertungsvorschriften werden wie auch bei den inhaltlichen Anforderungen in diesem Bereich Mindestforderungen gesetzt, d.h. bei Ausführung nach den Vorgaben der Wertungsbestimmungen wird kein Abzug vorgenommen. Gymnastinnen der Weltspitze zeichnen sich dadurch aus, daß sie in der technischen Ausführung die geforderten Mindestvorgaben weit überschreiten.

Bei den Körperbewegungen sind tendenzbestimmend:

- weite Amplituden bei allen Körperbewegungsstrukturen (Stände, Sprünge usw.) teilweise bis hin zu den anatomischen Grenzen (z.B. bei der Rückbeuge berührt der Kopf die Kniekehle)

- bei Drehungen - Umdrehungszahl von 3 Umdrehungen und mehr

- Kopplung mehrerer Körperbewegungsstrukturen in einem Element (z.B. Sprung und Rückbeuge, Drehung und Stand)

- Darbietung von „Super“techniken (individuelle Stärken werden besonders augenfällig und mehrfach gezeigt).

Tendenziell ist bei den Gerätbewegungen zu sehen:

- temporeiches Ausführen bei Wahrung der Bewegungsebenen

- Verlängerung der Dauer der Gerätbewegung.

4.1.1.3. Anforderungen an die Gestaltung

Neben der Originalität einzelner Elemente und Verbindungen (vgl.1.1.) ist die Originalität der Wettkampfübung in ihrer choreographischen Gestaltung und ihrer Umsetzung gleichfalls bedeutsam.

Folgende Aspekte sind aufzuführen wie z.B.:

- Musikauswahl,

- Übereinstimmung von Musik und Bewegung,

- Aufbau von Spannungsverläufen in der Wettkampfübung

- Raumwege,

- Anordnung der Elemente und Verbindungen in ihrer zeitlichen Abfolge,

- bewegungsstrukturelle Vielfalt

- Gestik und Mimik bei der Ausführung.

Für die Wettkampfübungen sind Entwicklungstendenzen wie folgt zu sehen:

- Umsetzung von musikalischen Themen entsprechend ihrem Charakter in sportartspezifische Bewegungsformen

- jede Bewegung ist genau auf die Musik abgestimmt, jeder Akzent wird bewegungsmäßig interpretiert, jede Bewegung ist auf optische Wirkung bedacht

- hoher Bewegungsausdruck durch Einbeziehung des gesamten Körpers (Kopf, Rumpf)

- publikumswirksames Darbieten durch räumliche Bezüge und Richtungsänderungen

- variable Vielfalt des Stils im Wettkampfprogramm (modern, klassisch, folkloristisch etc.).

4.1.1.4. Anforderungen an die Stabilität

Insbesondere eine unzureichende Differenzierung bei der Bewertung der Wettkampfübungen läßt die Stabilität zu einem entscheidenden Merkmal werden. Bereits geringe Punktabzüge entscheiden über den Sieg, Medaillengewinn oder den Einzug in das Finale.

Daraus ergibt sich die Forderung nach 100%igen stabilen Wettkampfübungen im gesamten Wettkampfprogramm.

4.1.2. Die Auswahl geeigneter Mädchen für die RSG

Neben der Kenntnis für Anforderungen der Weltspitzenübungen und erkennbarer Tendenzen ergeben sich für den Nachwuchsbereich und für die Auswahl talentierter Mädchen für die Sportart Konsequenzen.

Für die Beurteilungsfähigkeit, ob ein Mädchen für die Sportart geeignet ist, sind neben der Kenntnis der bestimmenden Merkmale der Wettkampfübungen und den Entwicklungstendenzen auch physische und psychische Eigenschaften mit einzubeziehen. Eine Rangfolge wichtiger Faktoren, die das Wettkampfergebnis beeinflussen, ist in Tabelle 1 dargestellt.

Die in der Tabelle 1 genannten physischen Fähigkeiten lassen sich in ihrer Wertigkeit noch weiter aufschlüsseln (siehe Tabelle 2) und sind bei der Auswahl geeigneter Mädchen für die RSG von außerordentlicher Bedeutung.

Bei der Prüfung der Eignung eines Mädchens für die RSG sollte neben dem Test des Standes der physischen Fähigkeiten den körperbaulichen Merkmalen der Gymnastin (siehe Tabelle 1, Pkt. 7) besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden. Kriterien für die Auswahl sollten ein feingliedriger Knochenbau, schlanke Muskulatur und Grad der Auswärtsdrehung der Beine sein.

Als Testübungen für eine erste Beurteilung können beispielsweise

(1) Überwinden einer Hindernisstrecke mit erhöhten koordinativen Anforderungen (siehe Abb.3 ),

(2) Rumpfvorbeuge im Sitz (siehe Abb.3 ),

(3) Rumpfvorbeuge im Stand (siehe Abb.3 ),

(4) Spagatformen (siehe Abb.3 ),

(5) Klatschen und Stampfen zu einer vorgegebenen Musik,

(6) freies Bewegen zu einer vorgegebenen Musik,

(7) Sprünge aus dem Stand (in die Weite und Höhe),

(8) Werfen, Fangen, Prellen mit dem Ball u.a. einbezogen werden.

Bei der Beurteilung der Eignung sollte man sich nicht auf einen einmaligen Test stützen, sondern auch über einen größeren Zeitraum die Lernfähigkeit und den Entwicklungszuwachs physischer Fähigkeiten durch das Training prüfen.

4.1.3 Trainingsbestandteile in der Rhythmischen Sportgymnastik

In der RSG finden sich in allen Alters- und Leistungsbereichen die Trainingsbestandteile:

- Training der Leistungsvoraussetzungen (in den Bereichen der athletischen, der tänzerischen und der musikalisch-rhythmischen Ausbildung)

- technische Vorbereitung

- Übungstraining (siehe Abb.4).

Den größten Anteil dabei hat die technische Vorbereitung, die die Vorbereitung ohne und mit Handgeräten und das Training der Elemente und Verbindungen beinhaltet.

Insbesondere in den unteren Altersbereichen ist jedoch auf ein ausgewogenes Verhältnis der Trainingsbestandteile Training der Leistungsvoraussetzungen und technische Vorbereitung zu achten. Gesteigerte Trainingsumfänge in den Bereichen technische Vorbereitung und Übungstraining werden bei mangelnden Leistungsvoraussetzungen langfristig zur Leistungsstagnation führen.

Die Aufsplittung des Trainings in der RSG in die genannten einzelnen Bestandteile heißt nicht, daß immer eine ganz klare Trennung gezogen werden kann. In der praktischen Umsetzung kann und wird es Überschneidungen geben, die in bestimmten Fällen auch so geplant werden können. So sind sehr enge Beziehungen z.B. zwischen der Vorbereitung ohne Handgerät und der tänzerischen Ausbildung gegeben. Mit Mitteln des klassischen Tanzes läßt sich die Ausbildung von Drehungen, Sprüngen und Ständen verknüpfen. Oder Kürübungen mit reduzierten Schwierigkeitsanforderungen lassen sich zur Schulung der Ausdauer einsetzen.

4.1.3.1. Training der Leistungsvoraussetzungen

Diesem Trainingsbestandteil mit den beiden Hauptinhalten athletisches Training und tänzerische Ausbildung und seiner Wirkung im Gefüge der Trainingsbestandteile sollte größte Aufmerksamkeit geschenkt werden. Mangelhafte Leistungsvoraussetzungen spiegeln sich bei der technischen Vorbereitung und im Übungstraining wider. Vielfach wird versucht, mit erhöhtem Übungstraining eine Leistungsverbesserung/Stabilität zu erzielen, ursächlich müssen jedoch zuerst die Leistungsvoraussetzungen geschaffen werden.

4.1.3.1.1. Athletisches Training

Beweglichkeit

Die Beweglichkeit hat wie in keiner anderen Sportart in der RSG einen besonderen Stellenwert. Eine Gymnastin zeichnet eine außergewöhnlich hohe Beweglichkeit im Bereich des Schulter- und Beckengürtels sowie der Wirbelsäule aus. Bedingt wird das durch die Anforderungen der Wertungsbestimmungen zur Anerkennung bestimmter Elemente als mittlere oder höhere Schwierigkeiten. Hinzu kommt das Bestreben durch außergewöhnlich hohe Beweglichkeit (bis in Grenzbereiche der anatomischen Möglichkeiten), die Aufmerksamkeit der Kampfrichter und Zuschauer zu erregen.

Die Beweglichkeitsanforderungen sind in die Teilbereiche :

- passive Beweglichkeit

- aktive Beweglichkeit und

- Mischformen der aktiven und passiven Beweglichkeit zu untergliedern.

Die passive Beweglichkeit ist definiert als größtmögliche Beweglichkeit in einem Gelenk, die die Gymnastin mit Nachhilfe (Partner, Geräte, eigenes Körpergewicht) erreichen kann. Als älteste Methode ist in der RSG wohl das federnde Dehnen, wobei das eigene Körpergewicht oder Partnerhilfe benutzt wird, bekannt.

Diese Methode, die häufig zu Verletzungen führen kann und bei Kindern, weil schmerzhaft, nur geringe Bereitschaft findet, sollte durch eine bessere abgelöst werden. Bestimmte Formen des Stretchings, die für die hohen Beweglichkeitsanforderungen erweitert werden können, eignen sich aus folgenden Gründen sehr viel besser:

- schmerzfrei (Stretching wird so ausgeführt, daß ein Dehnungszug vorhanden ist, aber nicht in Schmerzbereichen, die auch zu Verkrampfungen führen, trainiert wird),

- die Verletzungsgefahr durch ruckhafte („Schwung-“bewegungen wird vermieden),

- bei bestimmten Formen des Stretchings können gleichzeitig die Muskelgruppen des Gegenspielers gekräftigt werden,

- Stretching kann in gleicher Weise zur Verbesserung und zum Erhalt der Beweglichkeit genutzt werden,

- mit Stretching erfolgt gleichzeitig eine nervale Entspannung (ganz im Gegensatz zu althergebrachten schmerzhaften Beweglichkeitsanstrengungen möglichst noch mit Partnereinwirkung).

Bei richtiger Anleitung können auch Kinder in jüngeren Jahren einfache Methoden des Stretchings erlernen und auch selbständig anwenden.

Zur Entwicklung der Wirbelsäulenbeweglichkeit darf auf keinen Fall Partnerhilfe genutzt werden. Zur Vorbeugung von Verletzungen und Dauerschäden darf die Gymnastin in diesem Bereich nur mit der eigenen Körperkraft trainieren. Ein sehr wichtiger Aspekt ist das Schulen der technisch richtigen Ausführung von Rückbeugen. Das heißt, nicht locker in die Rückbeuge „hineinfallen“, sondern erst die Rückenmuskulatur anspannen und dann die Rückbeuge ausführen.

Die aktive Beweglichkeit als größtmögliche Beweglichkeit in den Gelenken, die die Gynmnastin selbständig ohne Nachhilfe anderer, allein durch die Tätigkeit der Muskeln erreichen kann, bereitet in der Praxis oft größere Schwierigkeiten. Vielfach sind Gymnastinnen hervorragend im Bereich der passiven Beweglichkeit trainiert, vermögen allerdings nicht, diese in die aktive umzusetzen. Die Ursachen sind dann in einer mangelhaften Haltekraft der Muskulatur und möglicherweise auch in einer ungenügend schnellkräftigen Ausführung zu suchen.

Die Schulung der aktiven Beweglichkeit beinhaltet in der RSG die Entwicklung der Haltekraft für Stände, Beugen, Halten in Drehungen und in Bodenlagen und die der Schnellkraft für die Ausführung der Sprünge.

Mischformen der aktiven und passiven Beweglichkeit ergeben sich aus den Anforderungen der Elemente und Verbindungen der Wettkampfübungen (z.B. Stand mit Vorhalte des Beines - aktiv/ Fassen des Beines mit den Händen und heranziehen bis zu einer noch größeren Amplitude - passiv). Sind die entsprechenden Leistungsvoraussetzungen in den Bereichen der passiven und aktiven Beweglichkeit geschaffen worden, ist es ausreichend, diese Form ohne spezielles Training in der Vorbereitung ohne Gerät mit einzubeziehen.

Die Beweglichkeit ist am besten bei Kindern im Alter von 6-10 Jahren entwickelbar. Das heißt nicht, daß die Steigerung der Beweglichkeitsfähigkeiten in höheren Altersklassen nicht möglich ist. Es wird dazu nur vergleichsweise mehr Zeit benötigt.

Faustregel zur Häufigkeit des Beweglichkeitstrainings in der RSG:

- zum Erhalt der Beweglichkeit mindestens dreimal wöchentlich (20-30 Minuten)

- zur Verbesserung der Beweglichkeit mindestens fünfmal wöchentlich trainieren, d.h., die Gymnastinnen sollten an trainingsfreien Tagen zu Hause bestimmte Übungen ausführen

z.B. Strecksitz und Rumpfvorbeuge

z.B. Stand und Rumpfvorbeuge (Kopf soll die Knie berühren) z.B. Grätschsitz und Rumpfvorbeuge z.B. Grätschsitz, stützeln bis zur Bauchlage und zurück z.B. weite Ausfallschritte z.B. Spagatformen (Seit- und Querspagat)

Ein entsprechendes Übungsprogramm einschließlich notwendiger Erwärmungsformen kann im Training öfter zur Anwendung kommen und danach selbständig zu Hause ausgeführt werden.

Generell zu beachten, jedem Beweglichkeitstraining geht eine umfassende Erwärmung voraus.

Kraft

Für die RSG ist besonders das Training der Sprungkraft ( als spezielle Äußerungsform der Schnellkraft) von Bedeutung. Beid- und einbeinige Sprünge in Serien, Hocksprünge mit und ohne Anlauf und Tiefsprünge (reaktive Krafttrainingsmethoden) sind am wirkungsvollsten.

In den unteren Leistungsklassen sollte jedoch auf das Tiefsprungtraining verzichtet werden. Zum einen sind die entsprechend notwendigen Kraftvoraussetzungen bei den Gymnastinnen nicht vorhanden und zum anderen wird die technische Ausführung, die erst eine Wirksamkeit dieses Trainings bedingt , noch nicht beherrscht.

Auf Zusatzlasten kann generell verzichtet werden. Die eigene Körpermasse ist bei Sprungkrafttraining der Gymnastinnen ausreichend.

Wiederholungsanzahl, Pausenlängen usw. können prinzipiell aus der folgenden Tabelle in der dort angebenen Höhe zur Anwendung kommen. Wird mit dem Krafttraining erst begonnen, kann die Wiederholungszahl verringert oder auch die Länge der Pausen erhöht werden.

Eine weitere Komponente des Krafttrainings ist die der Entwicklung der Haltekraft. Dafür sind Elemente der klassischen Tanzausbildung (alle Formen von Ständen und Drehungen mit hohen Spielbeinhalten) sehr gut geeignet.

Ausdauer

Die allgemeine Ausdauer ist durch sportartunspezifische Mittel (Schwimmen, Laufen, Radfahren) zu entwickeln.

Für die sportartspezifische Ausdauer haben sich folgende Methoden bewährt:

- Turnen der Wettkampfübung zweimal ohne Pause bei reduziertem Schwierigkeitsgehalt

- Turnen von Teilen der Wettkampfübung nacheinander ohne Pause mit einer Mindestdauer von 1.30 min

- dreimaliges Turnen der ersten oder zweiten Hälfte der Wettkampfübung ohne Pause.

Kompensation

Das Kompensationstraining hat die Aufgabe, die Gymnastin physisch und psychisch nach Belastungen wieder aufzubauen.

„Gesparte“ Zeit im Bereich des Kompensationstrainings z.B. zugunsten des Übungstrainings zeigt sich später durch erhöhte Verletzungsanfälligkeit, Leistungsstagnation oder sogar Trainingsausfall.

Formen der Kompensation:

- Dehnung (insbesondere der Rücken- und Beinmuskulatur),

- Kräftigung (Bauch- und Rückenmuskulatur, Fußmuskulatur),

- Beseitigung muskulärer Dysbalancen (nur in Absprache mit dem behandelnden Arzt abzuklären),

- Sauna (zur Erhöhung der allgemeinen Widerstandsfähigkeit und zum beschleunigten Abtransport der Stoffwechselprodukte),

- physiotherapeutische Maßnahmen (z.B. Massage),

- freudvolle Spiele,

- Schwimmen und andere Ausgleichssportarten.


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