2.4. Stand der Trainings- und Wettkampfsysteme

- Training und Wettkampf üben als aktivste und dynamischste Elemente den größten und nachhaltigsten Einfluß auf den Prozeß der Entwicklung sportlicher Höchstleistungen aus. Es ist deshalb offenkundig, daß sowohl die Vervollkommnung bzw. Erneuerung der Methoden, Mittel, Prinzipien, Gestaltungs- und Organisationsformen des Trainings als auch die leistungsstimulierende und publikumswirksame Art und Durchführung der Wettkämpfe besondere Aufmerksamkeit verdienen.

- Die Gewinnung, Aufbereitung, schnelle Verbreitung und Verallgemeinerung von Erkenntnissen und Erfahrungen über das Training tragen dazu bei, daß beispielsweise Neuerungen in seiner Konzipierung und inhaltlichen Gestaltung, die Anwendung neuartiger oder weiterentwickelter Trainingsgeräte und Objektivierungsverfahren, ein zeitweiliges Training unter natürlicher oder künstlicher Hypoxie bzw. günstigen klimatischen Bedingungen u.a. nur kurzzeitigen Vorlauf sichern. Dieser ist außerdem noch davon abhängig, wie es gelingt, Neues und Bewährtes miteinander zu verbinden, Innovationen und Risikobereitschaft aller Beteiligten zu fördern und notwendige Veränderungen in der Trainingspraxis konsequent und ohne Zeitverzug durchzusetzen.

- Unter dem Aspekt einer möglichen Verkürzung der Zeitspanne von der Aufnahme des Grundlagentrainings bis zum erstmaligen Erreichen von Anschlußleistungen an die Weltspitze und nachfolgender kontinuierlicher Steigerung sind zwecks weiteren Erkenntnisgewinnes gründliche Analysen der individuellen Verläufe sowohl der Besten als auch solcher Sportler vorzunehmen, die trotz Spitzenleistungen im Juniorenalter nicht weiter steigerungsfähig waren. Durch wissenschaftlich fundierte Begründungen der Konzeptionen vom Grundlagen- bis zum Hochleistungstraining einschließlich nahtloser und die Leistungsentwicklung fördernder Übergänge von einer Ausbildungsetappe zur anderen besteht das Fernziel darin, daß eine größere Anzahl von Sportlerinnen und Sportlern überhaupt die Etappen des Anschluß- und Hochleistungstrainings erreichen. Ansätze zur erfolgversprechenden Bewältigung dieser Problematik werden in einer prognoseorientierten und inhaltlich qualifizierten Planung, Gestaltung, Organisation, Analyse und Wertung des Trainings und seines Umfeldes gesehen. Fragen der Gesundheitserziehung, Belastung, Belastbarkeit, Wiederherstellung, medizinischen Betreuung, Ernährung, der leistungsfördernden Gestaltung des Lebens- und Tagesregimes u.a. sind in diesen Prozeß voll integriert und beeinflussen in ihrem komplexen Zusammenwirken hochgradig seine Wirksamkeit.

Leistungs- und funktioneller Entwicklungsstand, Verhältnis von Trainingsaufwand und Leistungsentwicklung sowie die schulischen und beruflichen Leistungen und die Persönlichkeitsprofilierung müssen als individuelle Führungsgrößen sicherer gesteuert werden /16; 19; 20 /.

- In allen Schnellkraftsportarten bestehen auf internationaler Ebene ausgeklügelte und sich weiter dynamisch entwickelnde Wettkampfsysteme, die von den Föderationen (IAAF, IWF, FIS) überwacht werden. Die nach 1970 einsetzende Ausdehnung der internationalen Vergleichsmöglichkeiten wurde durch die zunehmende Kommerzialisierung des Leistungssports zusätzlich forciert. Neben den „klassischen“ Höhepunkten wie Olympische Spiele, Welt- und Europameisterschaften werden Welt- und Europapokalwettbewerbe, Grand-Prix-Wettkämpfe, Weltcups mit spezifischem Wertungsmodus, Welt- und Europameisterschaften für Junioren u.a. ausgeschrieben und in die internationalen Wettkampfkalender aufgenommen. In der Leichtathletik werden z. B. seit 1983 im Abstand von vier Jahren Weltmeisterschaften ausgetragen, im Skisport wurde die WM-Rhythmik von vier auf zwei Jahre reduziert. Wettkämpfe sind die aussagefähigsten und effektivsten Trainingsmittel bei der Ausprägung und Stabilisierung der sportlichen Form. In allen Abschnitten des Jahreszyklus bestehen Startmöglichkeiten. Die individuelle Beteiligung wird unter dem Aspekt einer kontinuierlichen Leistungsentwicklung langfristig geplant. Die Aufnahme weiterer Meetings und Grand-Prix-Wettbewerbe in die internationalen Terminkalender motiviert und stimuliert zusätzlich.

Damit entwickeln sich zwangsläufig oder bewußt verschiedenartige Varianten für die wirkungsvollere Gestaltung von Phasen der Vorbereitung, Ausprägung und Stabilisierung der sportlichen Form im Jahres- oder Mehrjahresaufbau. Durch „Probieren“ sind die individuellen Optima betreffs der Teilnahme an Wettkämpfen herauszufinden, um die notwendige Sicherheit für die unmittelbare Vorbereitung auf den Wettkampfhöhepunkt zu erlangen. Die „Streubreite“ hinsichtlich der Wettkampfbeteiligung zwischen Spitzenathleten der gleichen Disziplin ist beträchtlich und im Mehrjahresverlauf recht variabel.

- Es ist offensichtlich, daß Neuerungen im internationalen Wettkampfgefüge entsprechende Auswirkungen auf die nationalen Wettkampfsysteme zur Folge haben. Dieser Prozeß der Angleichung bzw. aktiven Beeinflussung dieses Trends hält weiter an. Neben Aufbauwettkämpfen finden Vergleiche, bei denen die von den Föderationen bzw. Nationalen Sportverbänden vorgegebenen Normen als Voraussetzung für eine Nominierung zum Wettkampfhöhepunkt erreicht werden sollen, immer stärkere Verbreitung. Mit der ein- bzw. auch mehrmaligen Abforderung von Leistungsnachweisen wird das Ziel verfolgt, die Aussichten zum Hauptwettkampf abzustecken.

In den führenden Sportländern wird es immer überzeugender verstanden, den Prozeß des Trainings sowohl in der Vielgestaltigkeit der Details als auch in seiner Komplexität zu überblicken und erfolgreich zu gestalten. Alle Inhalte und Elemente des Trainings haben Einfluß auf die sportliche Leistung. Ein komplexes Herangehen verhindert Überbetonung bzw. Vernachlässigung.

Die zeitweilige Akzentsetzung bei der Entwicklung oder Ausprägung nur eines Leistungsfaktors ist kein Verstoß gegen den eben postulierten Grundsatz. Vom Wissen und den Erfahrungen der Trainer hängt es jedoch ab, ständig optimale Synthesen bei der praktischen Realisierung dieser Forderung anzusteuern.


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