1.3. Trainingskennzeichnende Merkmale

Zu den trainingsrelevanten Faktoren in den Ausdauersportarten gehören u. a.:

- allgemeine Trainiertheit (allgemeine Ausdauer-, Kraft- und Motorikgrundlagen, Beweglichkeit, Dehn- und Entspannungsfähigkeit),

- die spezielle Trainiertheit (disziplinspezifische Ausprägung von Ausdauer-, Kraft- und Schnelligkeitsfähigkeiten in Einheit von konditionellen, technisch-koordinativen und psychoregulatorischen Leistungsmerkmalen),

- die wettkampfspezifische Leistungsfähigkeit (streckenspezifische Ausprägung der Schnelligkeits- und wettkampfspezifischen Ausdauer einschließlich zielgeschwindigkeitsorientierter Entwicklung leistungsbestimmender Kraft-und Technikkomponenten der Bewegungsleistung, stabiles Niveau psychischer Wettkampfeigenschaften) und

- Sportgerät/Sportbekleidung (individuell und den äußeren Bedingungen angepaßt).

In der internationalen Literatur wird dem Problem der allgemeinen Trainiertheit, auch als allgemeine Konditionierung bezeichnet, außerordentliche Beachtung geschenkt. In allen Disziplingruppen soll durch deutliche Fortschritte im Aufbau und Erhalt eines hohen Niveaus der allgemeinen Trainiertheit über das gesamte Trainingsjahr eine Verbesserung der Belastungsverträglichkeit der Sportler gegen die spezifischen Belastungen der Sportart erreicht werden. Im Ergebnis wird ein günstigerer Übertragungseffekt des Leistungspotentials auf die spezielle Trainiertheit und ein Rückgang in der Verletzungsanfälligkeit erwartet. Das gipfelt also in der Konsequenz, ein deutlich höheres disziplinspezifisches Potential von Ausdauer, Kraft und Motorik zu entwickeln und zudem auch dessen Ausnutzungsgrad durch wirkungsvolle, individuell zugeschnittene sporttechnische Lösungen zu steigern. Erfahrungen und Erkennnisse aus den Sportarten Eisschnellauf, Sportschwimmen und dem leichtathletischen Lauf belegen, daß damit vor allem auch bei trainingsälteren Sportlern neue Anpassungsreserven erschlossen werden können.

(Vgl. auch Neumann, G.: Sportmedizinische Position zu Leistungsreserven in den Ausdauersportarten. In: Theorie und Praxis Leistungssport, Berlin 26 (1988) 5/6, S. 138-146).

Das Stütz-und Bewegungssystem langjährig trainierender Ausdauersportler kann durch die fortwährende mechanische Beanspruchung zum Handikap werden. Aufgrund dieser Tatsache sind durch eine Kräftigung gelenkstabilisierender Muskelgruppen, durch ausreichende Beweglichkeit und Dehnfähigkeit und die Ausprägung eines arthromuskulären Gleichgewichts der Hauptmuskelgruppen des Körpers wichtige Voraussetzungen für eine bessere Belastbarkeit zu schaffen.

Schließlich kann im Ergebnis eines höheren Niveaus der allgemeinen Trainiertheit auch eine größere Infektresistenz der Sportler und eine Verringerung der Trainingsausfälle durch Verletzungen erreicht werden.

Als entwicklungsbestimmende Tendenz in der speziellen Trainiertheit der Ausdauersportler ist vor allem die kraft-, technik- und geschwindigkeitsorientierte Entwicklung der Grundlagenausdauer und der Kraftausdauer zu nennen. Damit soll ein höherer Grad der Transformation dieser Fähigkeiten in die wettkampfspezifische Leistungsfähigkeit erreicht werden. Durch eine engere Verknüpfung von energetischen, biomechanischen, bewegungsregulatorischen und psychischen Komponenten im Aufbau der Fähigkeit wird eine hohe Strukturübereinstimmung mit der Wettkampfleistung angestrebt. Diese äußert sich u. a. auch in einem höheren Niveau der Bewegungsleistung der Sportler unter aeroben oder aerob/anaeroben Stoffwechselbedingungen. Grundlage dafür ist eine ausgeprägtere Komplexität in der Entwicklung von disziplinspezifischer Ausdauer, Kraft und Schnelligkeit. Als nachweisbare physiologische Veränderungen sind eine deutliche Vergrößerung der mitochondrialen Funktionskapazität und der kontraktilen Proteine in den Hauptmuskelgruppen zu nennen, die die sportartspezifische Bewegungsleistung vorrangig gewährleisten.

Letzten Endes wird die Steigerung der Wettkampfgeschwindigkeiten in den Ausdauerdisziplinen durch ein höheres Niveau der Schnelligkeitsausdauer und der Wettkampfausdauer bestimmt. Das äußert sich in einer größeren Bandbreite der Leistungen der Sportler im Unterdistanz- und Überdistanzbereich, in der Ausprägung stabiler Kraft- und Schnelligkeitsreserven über die Anforderungen mittlerer Wettkampfgeschwindigkeiten hinaus und in einer variablen Verfügbarkeit verschiedener Wettkampfpraktiken.


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