1. Ausdauersportarten

Zur Gruppe der Ausdauersportarten gehören mehr als einhundert Wettkampfdisziplinen der Olympischen Spiele. Die Sommersportarten Kanurennsport, Mittel- und Langstreckenlauf (innerhalb der Leichtathletik), Gehen, Rudern, Radsport und Schwimmen mit den einzelnen Disziplinen stellen das Hauptgerüst an Ausdauersportarten bei Olympia. Bei den Wintersportarten sind dies Biathlon, Eisschnellauf und Skilanglauf.

Sie sind im Bewegungsvollzug durch eine zyklische Aufeinanderfolge von Beschleunigungs- und Bremsphasen gekennzeichnet und erstrecken sich in der Wettkampfdauer auf einen Zeitbereich von etwa 35 Sekunden bis zu mehreren Stunden. Zur besseren Einordnung und Vergleichbarkeit erfolgt eine Untergliederung der Ausdauerdisziplinen in

- Kurzzeitdisziplinen (etwa 35 sec bis etwa 2 min),

- Mittelzeitdisziplinen (etwa 2 min bis etwa 10 min) und

- Langzeitdisziplinen (etwa 10 min bis mehrere Stunden).

Die zeitlich kürzeste olympische Ausdauerdisziplin ist der Wettkampf über 500 m Eisschnellauf der Herren und die längste, das „von der Streckenlänge nicht festgelegte“ Einzelstraßenfahren (Straßenradsport) der Herren.

1.1. Leistungskennzeichnende Merkmale

Zur Charakterisierung der Struktur der Wettkampfleistung werden in den Ausdauersportarten folgende Parameter ermittelt und eventuellen Trend- und Prognoseberechnungen zugrundegelegt:

- Gesamtzeit und Teilzeiten auf Streckenabschnitten,

- Dynamik der Bewegungsfrequenz,

- Dynamik der Fortbewegungsgeschwindigkeit,

- Dynamik des Vortriebs/der Schrittlänge pro Bewegungszyklus,

- Herzfrequenz und Blutlaktat nach dem Wettkampf.

Auf der Grundlage von Wettkampfanalysen und Trendberechnungen können für die Streckengruppen folgende Differenzierungen angegeben werden:

Kurzzeitausdauerdisziplinen

Vor allem auf den kürzesten Strecken der jeweiligen Sportart, die auch als Sprintstrecken bezeichnet werden (z. B. 50 m Freistil im Schwimmen, 500 m Eisschnellauf), wird der weitere Leistungsfortschritt von Leistungsverbesserungen in der Start- und Beschleunigungsphase bestimmt. Ein Nachteil in diesem Streckenabschnitt ist durch bessere Ausdauer auf dem nachfolgenden kaum auszugleichen.

Auf den übrigen Wettkampfstrecken (z. B. 100 m Freistil im Schwimmen, 1000 m Zeitfahren im Bahnradsport, 800 m im leichtathletischen Lauf) gewinnt neben der hohen Leistungsbeeinflussung von Start- und Beschleunigungsleistung bei zunehmender Leistungsdichte auf dem Streckenabschnitt die effektive Gestaltung des Endspurtabschnitts an Bedeutung. Darin sind die maximale Mobilisation aller Vortriebskomponenten, die Erhöhung der Bewegungsfrequenz und eine risikobereite Zielannahme eingeschlossen.

Mittelzeitausdauerdisziplinen

Bei Wettkämpfen in solchen Disziplinen wie 400 m Freistil im Schwimmen, 1500 m im leichtathletischen Lauf, 2000 m im Rudern oder 4000 m im Bahnradsport ist neben zunehmend offensiven Renngestaltungen eine größere Variabilität in der Leistungsverbesserung der Teilstreckenleistungen zu erwarten. Das hängt insbesondere vom Ausprägungsgrad der individuellen Stärken der Sportler ab, die um eine Verbesserung der sportlichen Spitzenleistungen kämpfen. Gemeint sind hiermit Stärken im Komplex der Fähigkeiten Schnelligkeit/Schnellkraft/Schnelligkeitsausdauer oder im Komplex der Fähigkeiten Grundlagenausdauer/Kraftausdauer. Auch unter Berücksichtigung unterschiedlicher Varianten der Leistungssteigerung auf den einzelnen Teilstrecken der ersten und zweiten Wettkampfhälfte sind für diese Streckengruppe deutliche Geschwindigkeitssteigerungen im Endspurt leistungsbestimmend.

Langzeitausdauerdisziplinen

Bei Wettkämpfen in solchen Disziplinen wie im Straßeneinzelfahren des Radsports, im 50 km-Skilanglauf der Herren, auf den langen Strecken im Schwimmen (1500 m) ist neben dem durchschnittlichen Niveau der Wettkampfgeschwindigkeit und dem taktischen Vorteil einer relativ frühzeitigen Führung im Wettkampf vor allem die weitere Leistungsverbesserung auf Streckenteilen der zweiten Wettkampfhälfte einschließlich des Endspurts von Bedeutung. Darüber hinaus erhöht sich in Wettkampfdisziplinen mit profilierter Strecke wie im Straßenradsport und im Skilanglauf der leistungsbestimmende Einfluß von Bergan-Teilleistungen.

Aus den Erfahrungen der Sportartengruppe werden die weiteren Leistungssteigerungen in den aufgeführten Wettkampfdisziplinen insbesondere durch folgende in der Struktur der Wettkampfleistung nachweisbare Faktoren beeinflußt:

- größere Vortriebsleistungen im einzelnen Bewegungszyklus,

- höhere Stabilität und Variabilität der Bewegungsleistung unter Ermüdungsbedingungen,

- zuverlässige Regulationsbreite der Bewegungsfrequenz in den Wettkampfphasen,

- Optimierung der Wettkampfanlagen und- geräte.


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