2.9. Sporttauchen
Charakteristik und Disziplinen
Das Sporttauchen entwickelte sich in den letzten Jahren zu einer der beliebtesten Freizeitsportarten. Davon profitiert auch der noch relativ junge Wettkampfsport. Erste sportliche Vergleiche wurden Anfang der 50er Jahre durchgeführt. Heute umfaßt das Sporttauchen die Disziplinen Flossenschwimmen (FS) und Streckentauchen (ST), Orientierungstauchen (OT) sowie Unterwasserrugby (UW-Rugby).
Der internationale Dachverband des Wettkampfsports ist die CMAS (Confédération Mondiale des Activités Subaquatiques). Der Dachverband des Wettkampfsports in Deutschland ist der VDST (Verband Deutscher Sporttaucher).
Geschichtliche Entwicklung des Wettkampfsports
Entwicklung des Tauchens im Altertum vor allem aus ökonomischen und militärischen Aspekten.
Tauchen nach Schätzen bereits im 5. Jahrhundert v.Chr.
Erste Flossenzeichnungen durch Leonardo da Vinci im 15. Jahrhundert - Veröffentlichungen und Filme von Hans Hass und Jacques Cousteau führen Anfang der 50er Jahre zu einer starken Verbreitung des Tauchens vor allem in Europa.
1954 - Gründung des VDST
1959 - Gründung der CMAS
1967 - 1. EM im FS und OT (Italien)
1973 - 1. WM im OT (Jugoslawien)
1976 - 1. WM im FS/ST (Hannover)
1978 - 1. EM im UW-Rugby (Schweden)
1980 - 1. WM im UW-Rugby (Mülheim)
1986 - Anerkennung des Flossenschwimmens als olympische Disziplin durch das IOC
Flossenschwimmen
Beim Flossenschwimmen erfolgt die Fortbewegung an der Wasseroberfläche mittels Schwimmflossen. Geschwommen wird vorwiegend mit einer Monoflosse (Abb. 1) im Delphinstil ohne Armbewegung. Die Arme werden in Strecklage vor dem Körper geführt.
Da die Nutzung von Monoflossen aus medizinischen Gründen erst im Alter von 12 Jahren gestattet ist, finden vor allem im Nachwuchsbereich auch Stereoflossen (zwei Einzelflossen) Verwendung. Hierbei erfolgt die Vorwärtsbewegung durch die vom Schwimmen bekannte Kraultechnik. Um den Kopf zur Atmung nicht ständig anheben bzw. drehen zu müssen, verwendet man einen Schwimmschnorchel, der strömungsgünstig in der Mitte des Kopfes getragen wird. Ergänzt wird die Ausrüstung durch eine spezielle Maske, die der Form des Gesichtes angepaßt ist oder durch eine Schwimmbrille.
Wettkämpfe im Flossenschwimmen werden in der Schwimmhalle und im Freiwasser durchgeführt. Überregionale Meisterschaften (z.B. DM, EM, WM) müssen in 50-m-Becken stattfinden. Im Freiwasser wird der zu schwimmende Kurs durch Bojen gekennzeichnet.
´ Wettkampfbestimmungen
(Auswahl)
- Material und Abmessungen der Flossen sind freigestellt. Der Schnorchel darf eine Länge von max. 48 cm und einen Innendurchmesser von max. 23 mm aufweisen.
- Die Verwendung von Neoprenanzügen ist bei Wettkämpfen in der Schwimmhalle nicht gestattet, im Freiwasser bei einer Wassertemperatur unter 14 Grad vorgeschrieben.
- Der Schwimmstil ist jedem Wettkämpfer freigestellt.
- Nach dem Start und nach jeder Wende dürfen maximal 15 m getaucht werden.
- Außerhalb dieses Bereiches muß sich ständig ein Körperteil über Wasser befinden, wobei das Schnorchelende als Körperteil gilt.
Wettkampfstrecken
a) Schwimmhalle (Damen und Herren): 50 m, 100 m, 200 m, 400 m, 800 m, 1500 m, 4x100 m, 4x200 m
b) Freiwasser (Damen): 3000 m - 8000 m (Meisterschaften: 6000 m)
Freiwasser (Herren): 3000 m - 25 000 m (Meisterschaften: 8000 m)
Streckentauchen
Unter Streckentauchen versteht man die Vorwärtsbewegung unterhalb der Wasseroberfläche mittels Schwimmflossen bei angehaltenem Atem oder mit einem Drucklufttauchgerät (DTG).
Wie beim Flossenschwimmen findet auch hier überwiegend die Monoflosse Anwendung. Beim Tauchen mit DTG wird dieses in gestreckter Armhaltung vor dem Körper geführt.
Durch die günstigeren Abdruckbedingungen unter Wasser werden beim Streckentauchen höhere Geschwindigkeiten und damit bessere Zeiten als beim Flossenschwimmen erzielt.
Wettbewerbe im Streckentauchen werden nur in Schwimmbädern durchgeführt, deren Bahnlänge bei überregionalen Meisterschaften 50 m betragen muß.
Wettkampfbestimmungen
(Auswahl)
- der Schwimmstil und die Art des Transportes der Taucherflasche ist freigestellt.
- Die Ausrüstung darf während des Wettkampfes nicht gewechselt werden.
- Beim Streckentauchen mit DTG muß während der gesamten Wettkampfstrecke das Gesicht des Wettkämpfers untergetaucht bleiben - mit Ausnahme der Rollwende.
- Beim Streckentauchen mit angehaltenem Atem muß das Gesicht ständig untergetaucht bleiben, ein Schnorchel darf nicht verwendet werden.
- Die Taucherflaschen dürfen nur mit Druckluft gefüllt werden, eine Anreicherung mit Sauerstoff ist nicht gestattet.
- Das Mindestvolumen der Flaschen ist entsprechend der Wettkampfstrecke vorgeschrieben (100 m: 0,7 l, 400 m: 3 l, 800 m: 7 l).
Wettkampfstrecken
(Damen und Herren)
a) Ohne DTG (mit angehaltenem Atem): 50 m
b) Mit DTG: 100 m, 400 m, 800 m
Orientierungstauchen
Orientierungstauchen wird im Freiwasser durchgeführt. Das Ziel besteht darin, unter Wasser einen festgelegten Kurs in der durch die Wettkampfbestimmungen vorgeschriebenen Art und Weise zu absolvieren. Sieger ist der Sportler, der den jeweiligen Kurs in der schnellsten Zeit bzw. mit der geringsten Abweichung vom Zielpunkt zurücklegt.
Die Ausrüstung des Orientierungstauchers setzt sich zusammen aus dem Orientierungsgerät (bestehend aus einem Drucklufttauchgerät, an dem ein Kompaß, ein Entfernungsmesser und ein Tiefenmesser angebracht sind), Mono- oder Stereoflossen, einer speziellen Tauchermaske, einer Sicherheitsboje und einem Tauchermesser. Bei niedriger Wassertemperatur dienen ein Neoprenanzug bzw. eine Neoprenhose als Kälteschutz.
Wettkampfdisziplinen
(Damen und Herren)
1. 5-Punkte-Kurs (Orientierungstauchen mit Orientierungspunkten)
Bei diesem Wettbewerb müssen von einem Startpunkt aus in vorgeschriebener Reihenfolge fünf Orientierungspunkte (OP), bestehend aus senkrecht im Wasser verankerten Lattenkreuzen, gefunden werden. Ein OP gilt als erreicht, wenn er für die Kampfrichter sichtbar bewegt wird.
Die Wettkampfstrecke beträgt etwa 650 m, wobei die fünf Abschnitte ca. 100 bis 200 m lang sind (Abb. 2). Sieger ist der Sportler, der den fünften OP in der schnellsten Zeit erreicht.
2. M-Kurs (Orientierungstauchen ohne Orientierungspunkte)
Hierbei besteht der Kurs aus einem Startpunkt, drei Wendebojen (W1 bis W3) und einer Ziellinie mit einem Zentrumsbereich (Abb. 3). Nacheinander sind die Wendebojen in festgelegter Reihenfolge und in vorgeschriebener Richtung zu umrunden und die Ziellinie zu durchtauchen.
Es ist nicht gestattet, den Kurs 50 m vor dem Ziel zu verändern. Die Wettkampfkampfstrecke beträgt ca. 550 m, die Abschnitte zwischen den Wenden sind 100 bis 200 m lang.
Sieger ist der Wettkämpfer, der die Ziellinie in der schnellsten Zeit und mit der geringsten Abweichung vom Zentrum erreicht.
3. Sternkurs
Dieser Wettbewerb ist eine Kombination aus M-Kurs und 5-Punkte-Kurs. Von einem Startpunkt aus müssen im Wechsel fünf Wendebojen in vorgeschriebener Art und Weise umrundet und fünf Orientierungspunkte in festgelegter Reihenfolge gefunden werden. Diese Markierungspunkte sind sternförmig angeordnet (Abb. 4).
Die Streckenlänge beträgt ca. 600 m, die einzelnen Teilstrecken sind zwischen 50 und 100 m lang. Sieger ist, wer den fünften Orientierungspunkt in der schnellsten Zeit erreicht.
4. MONK-Wettbewerb (Mannschafts-Orientierung nach Karte)
Diese Disziplin kann als die hohe Schule des Orientierungstauchens bezeichnet werden.
Zu einer Mannschaft gehören zwei Sportler. Es werden aber auch Einzelwettkämpfe durchgeführt.
Die Wettkampfstrecke besteht aus einem Startpunkt, vier über Wasser nicht sichtbaren Kontrollpunkten (Lattenkreuze) und einem auch über Wasser zu sehenden Orientierungspunkt, der das Ziel darstellt.
Zur Ausrüstung gehören zusätzlich eine MONK-Platte, die mit einem speziellen System aus Winkelmesser und Lineal ausgestattet ist und mit deren Hilfe die zurückzulegenden Kurse und Entfernungen ermittelt werden.
Mit dem Startsignal erhält der Wettkämpfer bzw. die Mannschaft eine Karte, auf der das Wettkampfgebiet maßstabgerecht abgebildet ist und die aufzusuchenden Kontrollpunkte eingezeichnet sind. Die Berechnung der Maßzahlen für die einzelnen Teilstrecken muß unter Wasser erfolgen.
Der Sportler oder die Mannschaft führt außerdem Plastikplättchen mit sich, die in an den Kontrollpunkten angebrachte Behälter gesteckt bzw. mit einer an den Orientierungspunkten befestigten Prägezange markiert werden müssen. Dies dient der Kontrolle, daß die MONK-Punkte gefunden wurden.
Sieger ist, wer in der schnellsten Zeit den fünften Punkt erreicht und zuvor an den anderen vier Punkten die entsprechende Markierung hinterlassen hat.
5. Mannschaftstreffübung (MTÜ)
a) Herren
Eine Mannschaft besteht aus vier Wettkämpfern, die mit dem Startsignal gleichzeitig abtauchen und sich zunächst paarweise an zwei Orientierungspunkten (A1, A2) treffen, um sich danach an einem weiteren Kontrollpunkt (B) als Mannschaft zusammenzufinden. Das Ziel, eine Zielleine mit Zentrumsmarkierung, muß gemeinsam erreicht werden. Der zeitliche Abstand zwischen erstem und letztem Taucher darf beim Zieldurchlauf nicht mehr als 20 Sekunden betragen.
Die Gesamtstrecke ist etwa 550 m, die Teilabschnitte sind ca. 150 bis 250 m lang. Gewertet wird die benötigte Zeit und die Genauigkeit des Zieleinlaufes des langsamsten bzw. vom Zentrum am weitesten entfernten Wettkämpfers einer Mannschaft.
b) Damen
Der Ablauf gleicht dem der Herren. Die Mannschaft besteht aus drei Sportlerinnen. Nach dem gleichzeitigen Start trifft sich ein Paar an einem Orientierungspunkt (A1), während eine Wettkämpferin allein einen anderen Kontrollpunkt (A2) erreichen muß. Danach erfolgt der gemeinsame Treff am Punkt B und das Zurücktauchen zur Ziellinie; gewertet wird analog den Herren.
Wettkampfbestimmungen
(Auswahl)
- Die Wettkämpfer dürfen über die gesamte Wettkampfstrecke mit keinem Körper- oder Ausrüstungsteil die Wasseroberfläche durchbrechen. Der einzige Kontakt zur Oberfläche ist die Sicherheitsboje.
- Die Herstellungsart aller verwendeten Ausrüstungsgegenstände ist nicht vorgeschrieben.
@- - O ABS = Die Sicherheitsboje muß mindestens 8 kg Tragfähigkeit und 30 kg Zugfestigkeit aufweisen.
- Das Tauchermesser muß eine mindestens 10 cm lange, feststehende Klinge besitzen.
- Es ist untersagt, Suchhilfsmittel (Funkgerät, Sonargerät, Leinen, Ruten) zu verwenden.
- Das Wasser im Wettkampfgebiet muß mindestens 3 m Tiefe aufweisen, die Sicht unter Wasser sollte mindestens 1 m betragen.
- Bei einer Wassertemperatur unter 14 Grad ist das Tragen eines kompletten Neoprenanzuges vorgeschrieben, bei höheren Wassertemperaturen ist es freigestellt.
- Zu Wettkämpfen werden nur Sportler zugelassen, die das 16. Lebensjahr vollendet haben und eine ärztliche Tauchtauglichkeitsbestätigung vorlegen, die nicht älter als ein Jahr sein darf.
Unterwasserrugby
Unterwasserrugby ist eine dreidimensionale Spielsportart, bei der zwei Mannschaften in einem Schwimmbecken gegeneinander antreten. Die Ausrüstung der Spieler besteht aus Tauchermaske, Flossen und Schnorchel.
Ziel ist es, einen speziellen UW-Rugbyball in das Tor des Gegners zu befördern. Dieser Spielball ist mit Salzwasser gefüllt und muß eine Sinkgeschwindigkeit von 750 bis 1000 mm/s sowie einen Umfang von 520 bis 540 mm aufweisen. Als Tore dienen hierbei zwei Körbe, die jeweils an der Wand auf dem Beckenboden stehen.
Für ein Spiel sind 3 Schiedsrichter verantwortlich. Ein Schiedsrichter, der Spielleiter, beobachtet das Spiel vom Beckenrand aus, während die beiden anderen als Unterwasserschiedsrichter fungieren. Sie sind mit Tauchgerät und Unterwasserhupe ausgerüstet.
Spielregeln
(Auswahl)
- Das Spielfeld ist 12 bis 18 m lang und 8 bis 12 m breit. Die Wassertiefe soll 3,50 bis 5 m betragen.
- An der Seite des Spielfeldes sollen eine Auswechselgasse und ein Auswechselbereich vorhanden sein.
- Eine Mannschaft besteht aus mindestens 6 Spielern, die in fliegendem Wechsel ausgetauscht werden können.
- Das Wechseln darf nur im Auswechselbereich erfolgen.
- Die Spieldauer beträgt 2x15 Minuten effektive Spielzeit, die Pause soll 4 Minuten lang sein.
- Die Ausrüstung der Spieler muß so beschaffen sein, daß dadurch keine Verletzungen anderer Spieler auftreten können.
- Die Flossen dürfen max. 60 cm lang sein, Monoflossen sind nicht erlaubt.
- Regelverstöße werden mit Freiwurf oder Strafwurf geahndet.
Folgendes ist verboten (Auswahl):
- Maske, Schnorchel, Flossen, Badebekleidung des Gegners anzugreifen bzw. festzuhalten,
- den Gegner niederzudrücken, zu schlagen, zu treten, zu klammern oder festzuhalten,
- den Ball über Wasser zu führen oder zu werfen,
- das Tor festzuhalten, zu verschieben oder umzustoßen,
- als Torwart das Tor mit einem Körperteil zu verkeilen.
Literatur
(siehe auch neue Literaturhinweise im IAT-Literaturservice)
Internationale Wettkampfbestimmungen für das Flossenschwimmen. 1989 (VDST).
Internationale Regeln für das Orientierungstauchen. 1983 (VDST).
Internationale Regeln Unterwasserrugby. 1984 (VDST).
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