2.8. Sportakrobatik

Grundidee, Bedeutung, soziale Werte

Die Disziplinen der Sportakrobatik* haben enge Bezüge zur Zirkus-und Varietéartistik. Sie bestehen aus Elementen des Bodenturnens, des Tanzes, der Rhythmischen Gymnastik und aus schwerathletischen Kraft-und Halteteilen. Die sportliche Leistung entsteht aus dem Zusammenwirken mehrerer Akrobaten meist verschiedenen Alters und unterschiedlicher Körperkonstitution. Deshalb erfordert und entwickelt die Sportakrobatik Teamgeist und Verantwortungsbewußtsein. Weitere markante Fähigkeiten, die die Sportart voraussetzt und ausprägt, sind Kraft, Beweglichkeit, Körperbeherrschung, Gleichgewichtsgefühl, Bewegungsausdruck und Musikalität.

Geschichte, Ursprung, Verbreitung

Als olympische Disziplin des Altertums in Vergessenheit geraten, erlebten die Vorläufer der heutigen Sportakrobatik Ende des 19. Jh. als Kunstkraftsport eine Renaissance. Anleihen nahm man aus der Schaustellerei und Zirkusartistik. Enge Bindungen bestanden zunächst zur Schwerathletik (Gewichtheben, Ringen, Rasenkraftsport), bis sich die Sportakrobatik als eigenständige Sportart etablierte. Erst 1973 wurde die Internationale Föderation für Sportakrobatik (IFSA) gegründet. Die ersten Weltmeisterschaften fanden 1974 statt, die in jährlichem Wechsel mit dem World Cup (seit 1975) ausgetragen werden. EM finden seit 1979 statt. Sportakrobatik ist zwar vom IOC anerkannte Sportart, stand aber bei den modernen Olympischen Spielen bisher noch nicht auf dem Programm. Während die Weltspitze dieser publikumswirksamen Sportart in Osteuropa (UdSSR, Bulgarien) und Asien (China, Nordkorea) zu Hause ist, zeugt die Zahl der im Deutschen Sportakrobatik-Bund (DSAB, gegr. 1971 als Kunstkraftsport-Verband) organisierten Mitglieder von einer relativ geringen Verbreitung hierzulande.

Wettbewerb, Regeln, Technik

Wettbewerb

Die internationalen Disziplinen der Sportakrobatik sind:

Paar weiblich, Paar männlich, gemischtes Paar, Dreiergruppe weiblich, Vierergruppe männlich.

Wettkämpfe werden als Mehrkämpfe durchgeführt, die aus einer Balanceübung (statisch) mit Pyramiden, Hebe-, Kraft- und Gleichgewichtsteilen, einer Tempoübung (dynamisch) mit Schwung-, Sprung- und Wurfteilen sowie einer kombinierten Übung (Gleichgewichts- und Tempoelemente) bestehen. In den Teildisziplinen Balance-und Tempoübung werden Finalsieger ermittelt. Zusätzliche nationale Disziplin ist in Deutschland das Podest (1,25 m Höhe, handbreite Stützen) für Solisten. Der DSAB fördert auch den Breitensport, indem er für Schüler, Jugendliche und Erwachsene erleichterte Wettkämpfe mit reduzierten Anforderungen an die Übungsinhalte ausschreibt.

Regeln

Die Übungen beinhalten sowohl frei wählbare Elemente als auch Schwierigkeitsteile vorgeschriebener Kategorien (Grundanforderungen). Sie werden in einer Zeitdauer von zweieinhalb bzw. drei Minuten unter Ausnutzen der Bodenfläche (12 x 12 m) nach Instrumentalmusik choreographiert (außer der Balanceübung der Vierergruppe). Die Übungsabläufe sind vor Wettkampfbeginn beim Kampfgericht einzureichen. Bewertet werden: Schwierigkeit, Zeitdauer der Halteteile, Ausführung, Choreographie und allgemeiner Eindruck mit maximal 10 Punkten von jedem der 5-7 Kampfrichter. Die Wertung für eine Übung ergibt sich aus dem arithmetischen Mittel, nachdem die höchste und tiefste Note gestrichen worden ist.

Technik

Der Bewegungsvielfalt und dem Einfallsreichtum der Sportakrobaten sind keine Grenzen gesetzt. Im Kürkatalog sind alle bisher bekannten Elemente verschiedener Schwierigkeitsgruppen zugeordnet. (A-Teile = 0,1 Pkt., B-Teile = 0,2 Pkt., C-Teile = 0,4 Pkt.). Das Übungsrepertoire läßt sich grob in Balanceteile und Tempoteile mit Interaktion der Partner sowie in individuelle Bodenteile (ohne Zusammenwirkung mit Partner) einteilen.

Zur letzteren Gruppe gehören die Elementekategorien:

- langsame akrobatische Überschläge,

- Stände als Gleichgewichts-und Krafthalten,

- gesprungene Elemente in Stände oder Posen,

- akrobatische Sprungreihen,

- choreographisch-gymnastische Elemente.

Weiterführende Literatur

(siehe auch neue Literaturhinweise im IAT-Literaturservice)

Groth, L.: Die starken Männer - eine Geschichte der Kraftakrobatik. Berlin 1987.

Sachs, S.: Betrachtung zur Entwicklung körperlicher Fähigkeiten in der Akrobatik. Leipzig 1978 (DHfK, Diplomarbeit).


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