2.7. Rugby

Bedeutung und Geschichte

Rugby ist zweifellos ein hartes Kampfspiel zweier Mannschaften, die sich auf den Gebieten körperlicher Robustheit, aber auch feinkoordinatorischer Handlungen (z. B. sicheres Fangen des Spielgerätes in vollem Lauf) und athletischer Grundvoraussetzungen sportlich fordern. Dabei wird aber die Unversehrtheit des Gegenspielers keineswegs außer acht gelassen: der Rugbyspieler weiß - wie man sagt - auf welchen Sport er sich eingelassen hat, steckt naturgemäß viel ein, spielt ebenfalls hart, mißachtet aber nicht mutwillig die Grenze des Erlaubten. In einigen Ländern ist dieser Kodex fast zur Legende geworden, so daß schon der mit dem Sport Beginnende diese Maximen erlernt.

Die unentwegt auftretenden Belastungen (wie läuferischer Antritt - plötzliches Abstoppen - Kehrtwende - neuerlicher Antritt, Mitagieren und Mitdenken trotz Nichtbesitz des Balles und „Blockieren“ des Gegners, um nur einige essentielle zu nennen) stellen Anforderungen vielfältigster Art an den einzelnen Sportler.

Antike Quellen berichten, daß bereits im alten Rom dem heutigen Rugby vergleichbare Spiele betrieben wurden. Sein Name stammt übrigens von der gleichnamigen englischen Stadt. Im Mittelalter entwickelten dann auch die jetzigen Hochburgen des Rugbysports auf europäischem Boden, nämlich England und Frankreich, langsam frühe Formen des Kampfspieles.

Das moderne Spiel wurde - glaubt man den geschichtsbewußten britischen Annalen - im Jahre 1823 durch einen gewissen William Webb Ellis in England „zum Leben erweckt“ und fand, ausgehend vom britischen „Mutterboden“, seine Verbreitung in aller Welt. Wahrlich professionell wird es jedoch nur in einer Handvoll Ländern betrieben (in Frankreich, Großbritannien, Australien, Südafrika und wenigen anderen Staaten).

Rugby ist längst nicht mehr nur der „Männerwelt“ vorbehalten - auch Frauenteams haben sich mittlerweile in Ligen organisiert. Seine Etablierung in Ländern, die nicht seit jeher als „Rugby-Nationen“ anzusehen sind, nimmt durch intensivere Präsentation in den Medien langsam konkrete Formen an. Auch in Deutschland wird versucht, der steigenden Nachfrage Rechnung zu tragen.

Hier der geschichtliche Überblick:

1823 - der Schüler William Webb Ellis setzt sich über gängige Regeln der bis dahin bekannten Ballsportarten hinweg, nimmt laufend das Sportgerät in beide Hände und kreiert so eine neue Form des Spieles - das heutige Rugby

1871 - Gründungsjahr der englischen Rugby-Football Union

1875 - exakte Regelfestlegung durch die Rugby-Football Union (im großen und ganzen gelten die von dieser Institution aufgestellten Grundsätze noch heute)

1872 - der Heidelberger Flaggenklub integriert als erster Sportverein Deutschlands eine Rugby-Abteilung

1886 - der International Rugby Football Board wird ins Leben gerufen - die Mitglieder sind England, Schottland, Wales, Irland, Australien, Südafrika und Neuseeland

1900 - Gründung des Deutschen Rugby-Verbandes (DRV) in Kassel; Sitz: Hannover

1927 - erstes Länderspiel einer deutschen Mannschaft (in Paris gegen Frankreich)

1935 - Gründung des internationalen Verbandes FIRA (Fédération Internationale de Rugby Amateur)

1950 - Neugründung des DRV

1984 - 28 nationale Verbände sind Mitglieder der FIRA - ausgenommen allerdings die Länder, die sich im International Rugby Football Board (siehe 1886) organisieren

Spielidee und Regeln

2 Teams mit jeweils 15 Spielern versuchen, den ovalen Ball, der im Fachjargon auch als „Ei“ tituliert wird, in das sogenannte Malfeld, das hinter der „Mallinie“ des Gegners liegt, zu befördern, um so der eigenen Mannschaft die zum Sieg notwendigen Punkte zu bescheren. Das kann zum einen durch erfolgreich bestandenen Lauf durch die gegnerischen Reihen mit letztendlichem Ablegen des Balles in das Malfeld (Versuch), zum anderen durch gelungenen Ballkick über die Querstange und zwischen den beiden vertikalen Pfosten des Males hindurch geschehen. Letztere Variante könnte man überspitzt als „Torschuß“ im Rugbysport bezeichnen.

Die oben erwähnten 15 Spieler pro Mannschaft setzen sich aus 8 Stürmern, 2 Halbspielern (Gedrängehalbspieler und Verbinder), 4 Dreiviertelspielern (Angriffsreihe) und 1 Schlußmann zusammen.

Der Beginn jedes Spieles wird als „Antritt“ bezeichnet, der vom Mittelpunkt des Spielfeldes ausgeführt wird und auf jeden Fall die 10 m-Linie in der Hälfte des Gegners erreichen muß. Die gegnerische Mannschaft wiederum muß dabei an oder hinter der eigenen 10 m-Linie Position beziehen (nach einem vom Schiedsrichter verhängten 22 m-Antritt an oder hinter der eigenen 22 m-Linie). Ist die Eröffnung des Spieles vollzogen, so dürfen die Spieler den Ball fangen, tragen, werfen und treten. Interessant dabei ist, daß der ballführende Akteur das Spielgerät nicht an einen Mitspieler, der sich näher am gegnerischen Mal als er selbst befindet, weiterpassen darf. Er muß das „Ei“ entweder an einen nachrückenden oder an einen seitlich neben ihm befindlichen Kameraden abgeben, der dann versucht, möglichst weit auf das „Terrain“ des Kontrahenten vorzustoßen. Die Störaktion erfolgt durch „Fassen“, das heißt durch regulären Griff nach den Beinen des ballbesitzenden Spielers (Tackling). Kommt dieser tatsächlich zu Fall, muß er den Ball unverzüglich freigeben!

Übertritt der Ball die Seitenauslinie, bekommt die Mannschaft, die dies nicht verschuldet hat, einen Einwurf. Vor Ausführung dieser Aktion stellen beide Teams hinter der 5 m-Linie eine „Gasse“, um sich den kommenden Ball zu sichern.

Der Spieler erobert für sein Team einen Freitritt, wenn er das von einem gegnerischen Spieler nach vorne getretene oder geworfene „Ei“ fängt und vernehmlich „Marke“ ruft - von hier aus darf der Ball anschließend getreten werden. Bei Regelwidrigkeiten ahndet das Schiedsrichtergespann (1 Schiedsrichter, 2 assistierende Seitenrichter) diese mit „Gedränge“ (Aktion, bei der die Mannschaften nach Verstößen eine festgelegte Formation stellen und die den zwischen den beiden Stürmern in „Gedrängemitte“ eingeworfenen Ball in die Hände einer der Parteien bringt) oder „Straftritt“. Einzige Ausnahme: die gegnerische Mannschaft würde durch den Verstoß begünstigt. Hat ein Team einen Versuch (erfogreiches Niederlegen des Balles in das Malfeld des Gegners - siehe oben) erzielt, so darf es einen sogenannten „Platztritt“, bei dem der Ball - nach „Golfmanier“ - schußgerecht (hochstehend) auf den Boden „gepflanzt“ wird, ausführen. Eine andere Form ist der „Sprungtritt“ in Richtung gegnerisches Mal.

Schon diese elementaren Dinge verlangen von dem das Spiel leitenden Schiedsrichter samt Seitenrichtern eine einwandfreie Regelauslegung und obendrein ein gutes Auge für Grenzfälle - also das nötige Timing. Die Spieler müssen sich in jedem Moment bewußt sein, welche Aktion zu welchem Ergebnis führt, denn: Aussetzer geistiger Art Einzelner ziehen zwangsläufig Konsequenzen für die gesamte Mannschaft nach sich. Die aktiv am Rugbyspiel Beteiligten sind keineswegs - wie von Kritikern nicht ganz vorurteilsfrei behauptet wird - „ein Haufen rauflustiger Rabauken“, sondern zum genauen Mitdenken aufgeforderte Mosaiksteinchen innerhalb eines Fünfzehner-Teams. (Es gibt auch das Siebener- , Achter- und Dreizehner-Rugby: diese Varianten unterscheiden sich jedoch nur marginal von der besprochenen Wurzel).

Um abschließend zur Punkteverteilung beim Rugby zu kommen, sei gesagt, daß Punkte per Handspiel (Versuch) oder Fußspiel (Tritt) erzielt werden können. In der Werteskala drückt sich das wie folgt aus:

6 Punkte für einen Versuch mit Treffer durch Tritt (erhöhter Versuch)! 4 Punkte für einen Versuch! 3 Punkte für Treffer durch Frei- , Straf- oder Sprungtritt!

Spielvoraussetzungen

Ball:

ovale Form („Ei“) mit „Außenmantel“, der nicht aus Leder zu sein braucht, aber ein Risiko für die Spieler ausschließt.

Länge: 28-30 cm

Umfang der Länge: 76-79 cm

Umfang der Breite: 58-62 cm

Gewicht: 400-440 g

Spielfeld:

ein durch die „Marklinien“ (Mal- und Seitenauslinien) begrenzter Rasenplatz, der nicht länger als 100 m und nicht breiter als 69 m sein darf. Er ist in 2 Spielhälften gegliedert, von denen jede nochmals durch 10 m- und 22 m-Linie ihre Unterteilung findet (siehe Abbildung).

Torähnliche Male:

diese befinden sich in der Mitte der Mallinien und setzen sich aus 2 Pfosten (Malstangen), die 5,60 m voneinander entfernt stehen und einer verbindenden Querstange (vom Spielfeldboden bis zu ihrer Oberkante sind es 3 m) zusammen.

Spieldauer:

2 x 40 min mit einer Pause von lediglich 5 min. Effektive Spieldauer, das heißt: die durch Unterbrechungen verlorengegangene Zeit wird durch „Verlängerung“ der davon betroffenen Halbzeit wieder eingeholt.

Spielbekleidung:

im Grunde vergleichbar mit der der Fußballspieler. Alle Ausrüstungsgegenstände müssen die Unversehrtheit der Spieler gewährleisten. Trikots in Ringelmustern sind seit eh und je „en vogue“; das bedeutet nicht, daß unifarbene Garnituren gänzlich gemieden werden.

Technik/Taktik

Wichtig für das erfolgreiche Ineinandergreifen aller Zahnräder im Rugby-Sport ist die Feinabstimmung innerhalb der Mannschaft. Rugby stellt eine diffizile Mischung individueller Fertigkeiten (das schnelle Fangen und Passen, Fuß- und Handspiel) und dem Team dienlicher „Handarbeit“ (Gasse, Gedränge usw.) dar. Daher ist es unabdingbar, die für das Spiel entscheidenden Komponenten immer wieder im Training zu üben und auch die nicht zu der „Stamm-Fünfzehn“ gehörenden Spieler dem eigenen System so praxisnah wie möglich anzupassen - so werden unliebsame Überraschungen während des Spieles leichter kompensiert. Gerade bei Standardsituationen (z. B. Gedränge) kommt es darauf an, durch geordnete Aufstellung der gegnerischen Mannschaft keinen „Zentimeter Boden zu schenken“ - so martialisch das auch klingen mag. Dies ist aber nur durch reibungslose Einfügung jedes Einzelnen, durch den „Dienst“ in der Mannschaft, erreichbar.

Weiterführende Literatur

(siehe auch neue Literaturhinweise im IAT-Literaturservice)

Barbu, A.: Rugby für Jedermann. Sinsheim o. J.

Behrends, G.: Rugby, ein Spiel für Raufbolde - oder was kann man dabei über Sportspiele lernen?. In: Sportunterricht 5/1981.

Behrends, G./Himmer, V.: Rugby - Einführungsmodell für Rugby an der Schule. O. J. (DRV).

Behrends, G./Schander, G.: Konzept eines Vermittlungsmodells „Rugby“. In: Lehrhilfen für den Sportunterricht 8/1979.

DRV: Deutsches Rugby-Jahrbuch. O. J. (DRV).

Lachat, K.: Moderne Rugbyschule. Dossenheim o. J.

Meister, H.: Erziehung zum Rugby. Heidelberg o. J.

Müller, H.: Die Vorbereitung des Rugbyspiels im Sportunterricht durch kleine Spiele. In: Sportunterricht (Lehrhilfen) 7/1977.

Müller, H.: Einführung in das Rugbyspiel mit einer Darstellung schüler- und jugendmäßiger Spielformen. In: Sportunterricht 5/1981.

Müller, H.: Rugby in der Schule (Schriftenreihe zur Praxis der Leibeserziehung und des Sports, Band 145). Schorndorf o. J. (Verlag Hoffmann).

Rohr, H.: Regeln des Rugbyspiels. O. J. (DRV).


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