2.5. Rhönradturnen
Grundidee, Bedeutung, soziale Werte
Die reifenartigen Rhönräder bestehen aus kunststoffbeschichteten Stahlrohren. Je nach Körpergröße werden Räder mit Durchmessern zwischen 1,30 m und 2,10 m verwendet. Im Gegensatz zum Turnen an stationären Geräten wird das Rhönrad mit Hilfe geeigneter Verlagerungen einzelner Körperteile während der Ausführung akrobatischer Übungen kontrolliert fortbewegt. Das Rhönradturnen stellt hohe Anforderungen an Körperbeherrschung, Gleichgewichtsempfinden, Raumorientierung und Kraftfähigkeiten der Rumpf- und Extremitätenmuskulatur. Diese Sportart ist eine Wettkampfdisziplin für Turnerinnen und Turner und findet vor allem bei Schauveranstaltungen größere Zuschauerresonanz.
Ursprung, Geschichte, Verbreitung
1925 erfand 0. Feick-Schönau das rollende Turngerät. Zur Erinnerung an den Ort der Erfindung - dem Rhöngebiet - erhielt es den Namen Rhönrad. Bereits 1930 fand der erste internationale Wettkampf statt. Zu den Disziplinen in den Anfangsjahren gehörten u. a. Wett-, Hindernis- und Staffelrollen sowie Bergabmutfahren und das Darstellen von Pyramiden. In den 30er Jahren wurden Rhönräder zur sportlichen Ausbildung in Deutschland bei der Polizei und in Lehranstalten für Leibeserziehung eingesetzt. Das Rhönradturnen ist vor allem im deutschsprachigen Raum verbreitet. Die deutschen Rhönradturner gehören dem Deutschen Turnerbund (DTB) an. Gegenwärtig bemüht man sich, eine internationale Organisation, einheitliche Wettkampfregeln und Wettkampfsysteme zu schaffen.
Wettbewerb, Regeln, Technik
Wettbewerb
Übliche Pflicht- und Kürdisziplinen sind das Geradeturnen (auf beiden Reifen rollend) und das Spiraleturnen (auf einem Reifen rollend) für Solisten, aber auch als Partnerturnen und Synchronturnen, sowie der Sprung über das rollende Rad.
Regeln
Die Vorträge im Spiraleturnen bestehen aus 8 bis 14 Übungen und zusätzlichem Abgang. Ein Element wird als Übung anerkannt, wenn es in der großen Spirale (Neigungswinkel > 60 Grad) wärend 2 Radumdrehungen und in der kleinen Spirale (Neigungswinkel <30 grad) mit 3 bis 5 sekunden dauer ausgeführt wird. im geradeturnen werden 4 bis 7 bahnen mit mindestens 8 radumdrehungen und ein abgang verlangt. die rollrichtung ist nach mindestens einer und höchstens zweieinhalb radumdrehungen umzukehren. während die ausführung jeder pflichtübung mit maximal 1 punkt bewertet wird, ermittelt ein zusätzlicher schwierigkeitskampfrichter bei kürwettbewerben die schwierigkeitsnote, die maximal 4 punkte betragen kann und zur wertung für ausführung (maximal 5 punkte) und übungsaufbau (maximal 1 punkt) addiert wird. zu diesem zweck sind alle übungen in gruppen mit geringer schwierigkeit (a-teile), mittlerer schwierigkeit (b-teile) und höchster schwierigkeit (c-teile) geordnet.
Technik
Die vielfältigen Bewegungsmöglichkeiten des Rhönradturnens ergeben sich aus der Variation des Verhaltens zum Gerät, den Griffarten und grundlegenden Körperhaltungen. Man unterteilt die rund 300 verschiedenen Übungen allgemein in zentrale (der Körperschwerpunkt befindet sich im Zentrum des Rades und die Kontaktpunkte des Turners am Rad sind weit voneinander entfernt) und dezentrale (der Körperschwerpunkt bewegt sich vorwiegend am Rande des Rades, wobei die Kontaktstellen zum Rad eng beieinander liegen) Übungen. Zu den Sprüngen und Abgängen gehören Grätsch- und Hocksprünge, Beinschwünge, Unterschwünge, große Sprünge und Überschläge.
Weiterführende Literatur
DTB, Fachgebiet Rhönradturnen: Wertungsbestimmungen 1990.
Niedersächsischer Turnerbund e. V. Fachgebiet Rhönradturnen: Rhönradturnsprache 1988.
Schulz/Sieler: Spielen und Turnen mit dem Rhöni. 1982 (Verlag H. Schiffbauer).
Winkler, J.: Geschichte des Rhönradturnens von den Anfängen bis zur Gegenwart. Magdeburg 1981 (Diplomarbeit).
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