2.4. Kegeln

Bedeutung/Geschichte

Kegeln zählt seit Jahrhunderten zu den beliebtesten Volkssportarten und wird als Freizeit-, Breiten- und Wettkampfsport betrieben. Über 8 Millionen Menschen kegeln in Deutschland, um vor allem Geselligkeit, Freude und Erholung vom Alltag zu empfinden. Die soziale Komponente spielt dabei eine herausragende Rolle. Etwa 230 000 Sportkegler sind im Deutschen Keglerbund (DKB) organisiert. Das sportliche Kegeln wird in 4 Disziplinen ausgetragen. Die Bahnen dieser 4 Varianten des Kegelns unterscheiden sich in Form, Oberfläche und Ausrüstung (Kegelstand, Kegelform und -zahl sowie die Kugel betreffend; Asphalt-, Bohlen- und Scherenbahn weisen z.B. je 9 Kegel, Bowling 10 Kegel auf). Kegel-Carambol ist eine Mischform aus Kegeln und Billard, die u.a. in Skandinavien gespielt wird, aber auch in der einstigen DDR ihre Verbreitung fand.

„Taucht“ man tief in die vorchristliche Zeit ein (ca. 3200 v. Chr.), so belegen Grabfunde im alten Ägypten eine Spielart des Kegelns. Später führten germanische Stämme ein Stein-Zielwerfen auf 3, 7 oder 9 Kegel aus, um Dämonen zu vertreiben.

In früher Form diente Kegeln im Mittelalter Fürstenhäusern und Klöstern als Zeitvertreib. Da es oft mit Wetten verknüpft war, wurde es wiederholt verboten!

1157 - erstmalige Erwähnung des Kegelspiels in einer Rothenburger Chronik

19. Jh. - Deutsche Einwanderer in den USA begründen durch geschickte Umgehung des wegen Wettunwesens erlassenen Verbots des Kegelspiels das heutige Bowling (Erweiterung der Kegelanzahl von 9 auf 10)

1874 - Bau der 1. Kegelbahn in Wien

1885 - Gründung des Deutschen Keglerbundes (DKB)

1926 - Gründung der Internationalen Bowling Association (17 Nationen aus Europa und Übersee gehörten ihr an)

1934 - 1. offene Weltmeisterschaften im Bowling

1952 - Gründung der Federation Internationale des Quilleurs (FIQ)

1953 - 1. offene Asphalt-Weltmeisterschaften

1973 - beschloß der FIQ-Kongreß in Dublin mit mehr als 60 nationalen Sportkeglerverbänden 2 selbständige Föderationen

Spielgedanke

Der zentrale Gedanke des Kegelns besteht darin, eine Kugel regelgerecht so über die Bahn zu rollen, daß möglichst viele der am Ende der Bahn aufgestellten Kegel umfallen. Gewertet wird nach der Zahl der gefallenen Kegel in Punkten oder Pins (Bowling). Bei Wettkämpfen werden festgelegte Wurfzahlen oder - im Bowling - Spiele ausgetragen, die nach Alter und Geschlecht der Spieler unterschiedlich sein können. Im Kegelsport unterscheidet man zwei Wettkampfarten, den Einzel- und Mannschaftskampf. Im Einzelwettkampf wertet man die Ergebnisse der Spieler getrennt voneinander. Im Mannschaftskampf werden alle erzielten Einzelergebnisse addiert. Die Damen und Herren führen ihre Wettkämpfe getrennt voneinander durch. Nur in der untersten Spielklasse und im Paarkampf sind gemischte Mannschaften zugelassen. Bei Meisterschaftsspielen bestehen die Mannschaften überwiegend aus 6 Personen.

Die Wettbewerbe werden in 3 Formen ausgeführt:

1. Wurf in die Vollen (Bohle): Die 9 Kegel werden nach jedem Wurf wieder aufgestellt, ganz gleich, ob sie alle gefallen sind oder nicht.

2. Reines Abräumen (Bowling): Die Pins (Kegel) werden nach 2 Würfen wieder aufgestellt, auch wenn noch nicht alle 10 gefallen sind.

3. Gemischtes Abräumen (Asphalt und Schere): Die Hälfte der vorgeschriebenen Würfe geht in die Vollen. Bei der anderen Hälfte der Würfe erfolgt eine Wiederaufstellung der neun Kegel erst nach völliger Räumung

Wurfanzahl:

Bei Einzelwettbewerben werfen Herren und Junioren 200 Wurf (beim gemischten Abräumspiel 100 in die Vollen, 100 mit Abräumen). Alle anderen Altersklassen 100 Wurf (50 und 50).

Auf der Bowlingbahn wird nach „Spielen“ gewertet. Die Zahl der Spiele, die der Einzelne zu realisieren hat, hängt von der Art des Wettkampfes ab. Sie beträgt 3 - 8 Spiele ohne Unterbrechung.

Spielvoraussetzungen

Kegelbahnen:

Im Laufe der Jahrhunderte entwickelten sich 4 Bahnarten:

- Asphaltbahn

- Bohlenbahn

- Scherenbahn

- Bowlingbahn

Alle 4 Bahnen bestehen aus Anlauf, Aufsatzbohle (Aufsatzfläche), Lauffläche, Kugelstand und Kugelfanggrube mit Prellpolster. Dazu gibt es einen Kugelrücklauf (mit Auffangkasten), eine meist vollautomatische Kegelaufstellvorrichtung und eine elektrische Bildanzeige. Aus der Abbildung wird ersichtlich, daß sich die Bowlingbahn hinsichtlich der Maße unterscheidet. (s. Abb. 1)

Kegelstand:

Bei der Asphalt- , Bohlen- und Scherenbahn weist die Kegelaufstellung eine rautenförmige, bei der Bowlingbahn eine dreieckige Stellung auf

Kegel:

Die Kegel aller Spielarten bestehen überwiegend aus Kunststoff (früher aus Hartholz). Sie werden beim Bowling Pins genannt. (s. Abb. 2)

Kugel:

Material aus Kunststoff für Asphalt- und Scherenbahn: 0 = 16 cm; Gewicht: 2800-2900 g für die Bohlenbahn: 0 = 16,5 cm; Gewicht: 3050-3150 g

für Bowling:

Kugel (Ball) hat 3 Grifflöcher (für Daumen, Mittel- und Ringfinger) 0 = 21,8 cm; Höchstgewicht: 7257 g

Technik/Taktik

Das Kegeln erfordert hohe Konzentration und außerordentliche Präzision in der Bewegungsausführung, quasi Millimeterarbeit. An Wurfarten unterscheidet man Strahl-, Richtungs-, Seiten-, Kreuz-und Bogenwurf. Am meisten verbreitet ist der Strahlwurf, bei dem die Kugel strahl- oder fächerartig, immer vom Mittelpunkt der Aufsatzfläche aus, über die Bahn läuft. Die Taktik spielt im Kegeln eine untergeordnete Rolle. Taktische Überlegungen erstrecken sich z. B. auf Wechsel des Zieles, Tempowechsel, Wechsel in der Starterfolge beim Mannschaftswettkampf u. a.).

Anschrift der Verbände

Deutscher Keglerbund Fédération Internationale des

Quilleurs (FIQ)

Geschäftsstelle: c/o George Sarahete

Wilhelmsaue 23 Linnustajantie 6, 149

10715 Berlin 31 SF-02940 Espoo 94

Finnland

Tel.: 0 30/87 12 99 Tel.: 0 03 58/59 45 41

Fax: 0 30/87 73 14 Fax: 0 03 58/59 45 41

Verwendete bzw. weiterführende Literatur

(siehe auch neue Literaturhinweise im IAT-Literaturservice)

Bocsai, G.: Fibel für Kegelfreunde. Niedernhausen 1988 (Falken Verlag).

Gromann, G.: Kegeln. Niedernhausen 1988 (Falken Verlag).


Copyright © 1996 by Peter Casper, VWM Verlag GmbH. Alle Rechte vorbehalten.

Die Texte und Grafiken aus dem Kompendium sind urheberrechtlich geschützt und werden für einen begrenzten Zeitraum nur zur Ansicht zur Verfügung gestellt. Speichern, Ausdrucken, Kopieren oder Verbreiten der Texte ist ausdrücklich untersagt.