2.1. Faustball

Bedeutung/Geschichte

Faustball ist eine zu den Rückschlagspielen zählende Mannschaftssportart, die Kondition, Ausdauer, Kraft (insbesondere Schnellkraft), Athletik, spezielle Gewandheit, Beweglichkeit und Reaktions- und Konzentrationsfähigkeit erfordert. Das Spiel ist fair - weil ohne Körperkontakt und daher mit geringem Verletzungsrisiko.

Erstmals erwähnt Plautus (3. Jh. v. Chr.) einen „Follis pugliatoris“, d. h. „ein mit der Faust geschlagener Ball“. Eine römische Denkmünze des Kaisers Gordinaus III. um 240 n. Chr. zeigt drei Männer mit wuchtigen Faustbällen. Eine Weiterentwicklung vollzog sich im Mittelalter als Italienischer Faustball, der „Mutter der heutigen Spielweise“. So ist Italien als Ursprungsland des Faustballs anzusehen. Die älteste genaue Beschreibung stammt von Antonio Scaino (1524-1612), der 1555 in Venedig die Regeln zum „Ballonspiel“ im „Trattore del glace della palla“ niederschrieb.

Einen besonders guten Nährboden aber fand das Faustballspiel später in den deutschsprachigen Ländern bzw. Gebieten als „Hohlball mit Prellen“, auf die sich andererseits seine Verbreitung beschränkt. Deutsche Auswanderer exportierten es nach Südamerika und Südwestafrika. Das heutige Faustballspiel wird in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts in München entwickelt und seither organisiert gespielt.

Faustball ist sowohl Spitzen- und Wettkampfsport wie Breiten- und Freizeitsport. Faustball kann von den Aktiven als ein schönes, interessantes Turnspiel und echte lebensbegleitende Sportart von allen Altersgruppen und gleichermaßen von Damen und Herren, Mädchen und Jungen hervorragend betrieben werden. Daher eignet sich Faustball für das Kinderturnen ebenso wie für Jedermannsportgruppen und Seniorenriegen.

Deutschland ist heute unumschränkt führend und gewann bislang alle ausgespielten Welt- und die meisten Europameistertitel.

Als Besonderheit ist festzustellen, daß alle Aktiven einschließlich der zirka 50 Personen, die Faustball als Hochleistungssport betreiben, uneingeschränkt echte Amateure sind. Die Tabelle der 1. Faustball-Bundesliga führt z. B. Mannschaften aus Käfertal, Eibach oder Wünschmichelbach auf. Das Dopingproblem existiert hier nicht.

Ausgewählte geschichtliche Daten

1893 - erste Regelveröffentlichung durch G. H. Weber (1834-1913) gemeinsam mit Dr. H. Schnell

seit 1913 - erste eigene Meisterschaften der Herren, Veranstalter: Deutsche Turnerschaft

seit 1921 - erste eigene Meisterschaften der Damen, Veranstalter: Deutsche Turnerschaft

1960 - Gründung des Internationalen Faustball-Verbandes (IFV) mit Sitz in Frankfurt am Main als internationalem Dachverband. Mitgliedsverbände sind zur Zeit Argentinien, Brasilien, Chile, Dänemark, BRD, Österreich, Italien, SWA-Namibia, Schweiz, Uruguay

seit 1965 - Europameisterschaften

seit 1968 - Weltmeisterschaften

seit 1966 - Europapokal in der Europaliga

seit 1983 - Nationencup

Spielgedanke

Faustball ist ein Mannschaftsspiel mit Punktwertung, bei dem 2 gegnerische Mannschaften mit je 5 Spielern (und drei Auswechselspielern) den vom Gegner zugespielten Ball über ein in 2 m Höhe zwischen ihnen gespanntes Band zurückschlagen. Die Grundidee des Spieles ist, den luftgefüllten Hohlball in der gegnerischen Spielhälfte so zu plazieren, daß der Geger diesen nicht oder nur schwer erreichen kann. Dabei kann der Ball bis auf beachtliche 140 km/h beschleunigt werden.

Der Ball wird beim Schlag über das Band nur mit geschlossener Faust ohne gespreizten Daumen (Angriffsschlag), sonst beliebig, aber nur mit einer Hand oder einem Unterarm (Abwehr und Aufbau) geschlagen.

Der Ball darf von jeder Mannschaft dreimal direkt oder indirekt gespielt werden. Im Spiel stellt sich (nach dem erfolgten Angabeschlag) ein wiederholter Zyklus aus Abwehr (Ballaufnahme), Zuspiel (Aufbau des eigenen Angriffs) und (Rück-) Schlag her.

Dies alles zeigt schon, daß ein grundlegendes Techniktraining vonnöten ist.

Spielvoraussetzungen

Faustball:

320-380 g schwerer Hohlball mit weicher Lederhülle und 62-68 cm Umfang.

Spielfeld:

Das Spielfeld mißt 50 x 20 m und wird durch eine Mittellinie, über der in 2 m Höhe ein 3-5 mm breites Band angebracht ist, in zwei Hälften geteilt. 3 m von der Mittellinie entfernt befinden sich beiderseits Angabelinien. Beim Hallen-Faustball mißt das Spielfeld 20 x 40 m.

Kampfgericht:

1 Schiedsrichter, je 2 Linienrichter, Anschreiber.

Spielregeln:

Punkte:

Wird der Ball mehr als einmal von demselben Spieler berührt, wird er mehr als dreimal von einer Mannschaft geschlagen und berührt er mehr als einmal vor jedem Schlag den Boden, gibt es einen Fehler, der für den Gegner als Punkt gewertet wird. Als Fehler wird ferner gezählt, wenn Ball oder Spieler das Band berühren, wenn der Ball unter dem Band oder aus dem Spielfeld herausspringt. Die Mannschaft, die einen Fehler verursachte, gibt den Ball wieder an.

Spielbeginn/Spielende:

An- und Abpfiff durch den Schiedsrichter.

Spielzeit: 2 x 15 min, bei Länderspielen 2 x 20 min; bei Unentschieden kann um 2 x 5 min verlängert werden. Die Spielzeit in der Halle beträgt 2 x 10 min. In Deutschland wird in der Halle nicht mehr nach Zeit, sondern nach Sätzen bis 15 Punkte - bei 1-Punkte-Vorsprung bis höchstens 20:19 - gespielt (2 Gewinnsätze).

Technik/Taktik

Abwehr und Zuspiel: Ein „Heben“ des Balles wird mit dem Körpereinsatz durch Hocke, Lauf, Sprung und die ruhige Winkelstellung der Arme erreicht. Bei der Abwehr mit dem Unterarm bestimmt der feste Armwinkel den Flugwinkel des Balles, die Laufrichtung des Spielers bestimmt die Flugrichtung des Balles und die Schnelligkeit des Laufes bestimmt die Flugweite des Balles.

Angriff: Die Angriffsschläge werden meistens als Sprungschläge ausgeführt (Hoch- und Weitsprung). Dabei ist die Stellung zum Ball die Blickgerade.

Schlagtechniken im Faustball

Rundschlag: Er entwickelt sich nur aus dem Schultergelenk mit vollkommen gestrecktem Arm. Die Faust trifft den Ball mit der Daumen-Zeigefinger-Seite (Dieser kann aber auch mit der Faustinnenseite oder sogar mit dem Handgelenk geschlagen werden.) Er eignet sich besonders, um Bälle, die nach dem Zuspiel weit von der Leine entfernt sind, zu spielen. Der Rundschlag wird nur von sehr wenigen Schlagleuten als Hauptangriffsschlag angewandt. Wenn die Technik des Rundschlags beherrscht wird, ist er eine erfolgreiche „Angriffswaffe“, da der Ball nach dem Aufspringen nur sehr schwer zu berechnen ist. Die meisten Angreifer benutzen diese Schlagart als Variante bzw. um ihre Schultermuskulatur zu entlasten.

Kernschlag (Schmetterschlag): Jeder Schmetterschlag erfolgt aus dem Schulter- und Ellbogengelenk aus einer Hüft-Schulter-Drehung heraus. Beim Kernschlag trifft die Breitseite der Faust (Finger, Knöchel und Handballen zeigen nach vorn) den Ball. Da die Schlagfläche der Hand dabei groß ist, wird der Ball meist voll getroffen. Diese Schlagart erlaubt genaue und plazierte Schläge.

Hammerschlag (Schmetterschlag): Beim Hammerschlag trifft eine der Schmalseiten der Faust, meist die Kleinfingerseite, auf den Ball. Der Hammerschlag erlaubt Schläge mit größter Härte. Er wird zur Zeit von den meisten Schlägern bevorzugt. Im Gegensatz zum Kernschlag ist diese Schlagart ungenauer. Dennoch ist ein guter Schläger meist in der Lage, den Ball durch den Hammerschlag in die gewünschte Richtung zu befördern.

Die Mannschaft als Einheit

Kernstück der Mannschaftstaktik ist ein ausgeprägtes und einwandfreies Stellungs- , Deckungs- und Angriffsspiel. Deren Ziele sind : Immer rechtzeitig am Ball zu sein, unnötige Eigenfehler zu vermeiden, einen guten Aufbau einzuleiten , um einen Angriff so durchzuführen, daß ein Rückschlag des Gegners nicht mehr möglich ist.

Deckungsspiel: Die Maßnahmen der Mannschaft richten sich in erster Linie darauf, den Ball in ihre Mitte zu bekommen. Der Ball wird eingekreist. Dies setzt ein mit der Annahme des Balles und endet erst mit dem Schlag ins gegnerische Feld. Gedeckt wird immer der Spieler, der den Ball annimmt.

Stellungsspiel: Es geschieht in der Zeit, in der der gegnerische Angriff sich aufbaut und muß im Augenblick des Angriffsschlages stellungsmäßig abgeschlossen sein. Die Grundstellung ist ähnlich der Verteilung der fünf Punkte einer 5 auf einem Würfel, wobei die Vorderspieler weiter zum Spielfeldrand auseinanderrücken, und die Hinterspieler die Lücke zwischen ihnen und dem Mittelspieler schließen. Eine richtungsmäßige Verlagerung der Aufstellung erfolgt derart, daß die Flugbahn des vom Gegner ankommenden Balles nach vorraussichtlichen Überlegungen durch die Mitte des Aufstellungsbildes der Mannschaft verlaufen müßte. Das Stellungsspiel richtet sich ganz allein nach dem Mittelmann der Mannschaft. Der Mittelmann deckt den kürzesten Weg von der Schlagstelle des Gegners zur Mitte der eigenen Grundlinie.

Die unterschiedlichen Spielabläufe erfodern auf jeder der fünf Spielpositionen Spezialisten, die entsprechend ihrer Veranlagung eingesetzt werden. Die Mannschaft differenziert sich in:

- Hinterspieler/Verteidiger (2 Personen) - Aufgaben: die Abwehr des gegnerischen Angriffs, das Vorspielen des Balles zum Zuspiel in die vordere Spielhälfte, das Abdecken der Vorderspieler und des zweiten Hinterspielers.

- Mittelspieler (1 Person) - Aufgaben: die Abwehr solcher Bälle, die unmittelbar in seiner Reichweite liegen, die Abwehr von kurzen Bällen, ein sauberes, technisch einwandfreies Zuspiel das Abdecken der Mitspieler und ein eventueller Rückschlag, wenn die Angriffsspieler angespielt werden.

- Vorderspieler/Schlagmann/Angreifer (2 Personen) - Aufgaben: das Durchführen des Angriffsschlages, die Unterstützung der Hinterleute und des Mittelspielers durch Einkreisen des Balles, die Abwehr von kurzen, halblangen oder diagonalen Bällen und das Zuspiel, wenn der Mittelspieler ausgespielt wird oder nicht mehr rechtzeitig zum Ball gelangen kann.

Verwendete Literatur:

(siehe auch neue Literaturhinweise im IAT-Literaturservice)

Ellermann, R.: Das Faustball-Lehrbuch. Schondorf 1980 (Verlag Karl Hofmann).

Lautenschlager, B., Kalb, G., Holzheuer, M.: Die Praxis des Faustballspiels - Vom Schulsport zum Leistungstraining. Celle 1975 (Pohl-Verlag).

Link, L., Fahner, K., Schmitt, B., Schwander, P., Neuner, R.: Faustball - Training Technik Taktik. Karlsruhe 1985 (Eigenverlag BTB).

Türk, H.: faustball modern - Lehrbuch für Schule und Verein. Celle 1973 (Pohl-Verlag).


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