1.9. Eisschnellauf

Idee und Werte

Eisschnellauf ist die Schnelligkeits- und Ausdauerdiszplin im Eissport, in der auf Schlittschuhen um die kürzeste Laufzeit auf einer festgelegten Strecke gekämpft wird. Bei Mehrkämpfen wird der Sieger durch ein Additionsverfahren der 500 m-Durchschnittszeiten ermittelt. Es starten jeweils 2 Läufer gegeneinander nach einem Auswahlmodus.

Eisschnellauf stellt höchste Anforderungen an die speziellen Ausdauerfähigkeiten entsprechend der Wettkampfstrecke bzw. die Kraftfähigkeiten zur Sicherung der aerodynamisch günstigen Laufhaltung.

Durch ausdauerfördernde Bewegungen unter winterlichen Bedingungen und die Anforderungen an koordinative Fähigkeiten, besitzt Eisschnellauf (in Form des Schlittschuhlaufens) einen hohen gesundheitlichen Wert im Freizeit- und Familiensportbereich.

Geschichte

Das Eislaufen hat eine lange Geschichte und ist etwa über 3000 Jahre zurückzuverfolgen (Eislauf auf Knochen).

1763 - erste Wettkämpfe in England; die Verbreitung erfolgte weiter über die Niederlande, Skandinavien, USA, Kanada

1880 - Wettkämpfe in den USA

1891 - erste „Deutsche Meisterschaften“

Olympische Sportart seit 1924 in Männerdisziplinen und ab 1960 in den Frauendisziplinen.

Der Internationale Verband ist die ISU (International Skating Union), die 1892 gegründet wurde.

Hohe Verbreitung erfährt Eisschnellauf in den Niederlanden, den skandinavischen Ländern und Kanada als Massensport.

Durch den Bau von Eisschnellaufhallen wird die Disziplin zur Ganzjahressportart.

Wettkämpfe und Regeln

Während die Mehrkampf-Weltmeisterschaft der Damen und Herren getrennt stattfinden, werden die Weltmeisterschaften im Sprin-Mehrkampf zur gleichen Zeit am gleichen Wettkampfort ausgetragen. Im Unterschied zur Mehrkampf-Weltmeisterschaft findet die Mehrkampf-Europameisterschaft (gleiche Streckenlängen wie bei der Weltmeisterschaft) der Damen und Herren gleichzeitig statt und dauert 3 Tage. Eine Europameisterschaft im Sprint-Mehrkampf existiert (noch) nicht.

Im Saisonverlauf finden darüber hinaus diverse Weltcup-Veranstaltungen mit disziplinspezifischer Punktwertung statt. Am Saisonende jedes Jahres wird das Weltcup-Finale der Punktbesten ausgetragen - ein Wettbewerb, der künftig zu einer Einzelstrecken-Weltmeisterschaft werden könnte.

Weitere bedeutende und traditionsreiche Wettbewerbe sind:

- Eis-Marathon über 100 Runden (40 km), vorwiegend in Finnland, Norwegen, Schweden, Rußland, Estland, Niederlande und Österreich mit Massenstart gelaufen,

- 100- und 200 km-Rennen vor allem in Finnland und den Niederlande (Elf-Städte-Lauf auf den Grachten mit Dauer von über 7 Stunden und mit bis zu 20 000 Aktiven).

- Die Länge der Laufbahn darf zwischen 333 1/3 m und 400 m schwanken. Die 2 Bahnen haben je eine Breite von 4 - 5 m. Die Laufbahn besteht jeweils aus einer Start- und Wechselgeraden. Der Bahnwechsel hat sich so zu vollziehen, daß der von außen kommende Sportler das Vorfahrtsrecht hat, wenn sich beide Läufer auf gleicher Höhe befinden.

Seit 1982 werden Weltmeisterschaften und seit 1992 Olympische Spiele im Short Track, d.h. Eisschnellauf auf Kurzbahnen von 110 m Länge ausgetragen. Es erfolgt ein Start für 4 - 6 Sportler gleichzeitig. Zur Siegerermittlung wird die Plazierung innerhalb der Gruppen herangezogen. Im Sinne von Ausscheidungsrennen qualifizieren sich die Punktbesten für die nächste Runde. Die erreichten Zeiten spielen keine Rolle. Daher ist der Wettkampf auch von taktischen Gesichtspunkten geprägt. Besonder attraktiv sind die Staffelwettbewerbe in denen pro Mannschaft 4 Läufer beteiligt sind.

Training

Hauptziele im Training sind:

- ein hoher allgemeiner athletischer Zustand (bedingt durch die bei einer aerodynamisch günstigen Laufhaltung notwendige statische Haltearbeit der Oberschenkel- und Rumpfmuskelatur),

- Schnelligkeit, Schnellkraft und Schnelligkeitsausdauer für den Startabschnitt,

- ein sehr hohes Niveau der spezifischen Kraftausdauerfähigkeit und der Wettkampfausdauerfähigkeit, als direkt leistungsbestimmender Faktor für die Langstreckendisziplinen und eine gute Ausdauerfähigkeit zur Tolerierung hoher Trainingsbelastungen,

- eine - möglichst bis zur Vollendung gelangende - eingehende Lauftechnikschulung.

Im Trainingsprozeß werden ganzjährig Hallenbedingungen bzw. Natureis unter Höhenbedingungen genutzt. Im Jahrestrainingsaufbau wird auch eine methodische Reihung von Lauftraining, Radtraining (teilweise gleiche Belastung der leistungsrelevanten Muskelgruppen wie beim Eisschnellauf), von Rolltraining (Spezialrollschuhe) und Eistraining angewandt.

Anschrift der Verbände

International Skating Union (ISU)

Geschäftsstelle:

Promenade 73/Postfach

7270 Davos-Platz

Schweiz

Tel.: 00 41 81/43 75 77-8

Fax: 00 41 81/43 66 71

Tlx: 85 31 23

Deutsche Eisschnellauf-Gemeinschaft

Geschäftsstelle:

Menzinger Str. 68

80992 München 50

Tel.: 089/8 11 10 55

Fax: 089/8 14 44 77

Literatur

(siehe auch neue Literaturhinweise im IAT-Literaturservice)

Letzelter, H. u. M.: Leistungsdiagnostik: Beispiel Eisschnellauf. Niedernhausen/Taunus 1983 (Schors-Verlag).

Malz, J.: Grundprinzipien und Lösungswege für die Vervollkommnung und den wirkungsvollen Einsatz einer leistungstrukturorientierten KLD zur Steuerung und Regelung des Hochleistungstrainings im Eisschnellauf. Leipzig 1985 (FKS, Diss.).


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