1.8. Eiskunstlauf und Eistanz

Grundidee, Bedeutung

Das Wesen des Eiskunstlaufens besteht sowohl im Akrobatischen als auch im Künstlerischen. Zuschauerwirksame, attraktive Programme verkörpern die Synthese von Bewegungen, der Musik und auch des Kostüms. Im Eiskunstlaufwettbewerb werden wohl ausgeglichene Programme gefordert, die Sprünge mit Mehrfachdrehungen um die Körperlängenachse, Pirouetten und Schritte (Schrittfolgen) sowie im Paarlauf geworfene Sprünge und Hebungen beinhalten.

Demgegenüber sind im Eistanz Sprünge mit Mehrfachdrehungen und auch Überkopfhebungen nicht gestattet. Daher sind Choreographie, die künsterische Gestaltung mit sehr großer Schrittvielfalt und zahlreicher tänzerischer Körpertechniken Wesensmerkmale dieser Disziplin.

Da neben der sportlichen Seite auch der Kunstaspekt im Eiskunstlauf und Eistanz eine bedeutende Rolle spielt, erfreut sich der Eislauf als Unterhaltungssportart einer weitverbreiteten Beliebtheit.

Showdarbietungen und die hohe Medienwirksamkeit führten zum professionellen Eislaufen.

Ausbildungsinhalte sind neben dem Elemente- und Schritttraining auch die Entwicklung konditioneller Vorausssetzungen (Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit, Flexibilität), eine Ballettschulung und das damit verbundene Erlernen tänzerischen Bewegungsrepertoires.

Geschichte

Archäologische Funde (aus Knochen gefertigte Schlittschuhe) datieren den Ursprung des Eislaufens in die Bronze- und Steinzeit.

Das Kunstlaufen im weitesten Sinne entwickelte sich ab 1300 in Holland, wo bereits Eisenkufen verwendet wurden.

1872 fanden in Wien erste internationale Wettbewerbe statt (Schulfiguren, Spezialfiguren und Kür).

1892 wurde die Internationale Eislauf-Union (ISU) gegründet.

Die ersten Weltmeisterschaften wurden 1896 (Herren), 1906 (Damen) und 1908 (Paare) ausgetragen. Seit 1908 ist Eiskunstlaufen olympisch.

Die Wiege des Eistanzes stand in Österreich und England.

1929 wurde Eistanz in die Wettlaufordnung der ISU aufgenommen.

Die erste Weltmeisterschaft im Eistanz fand 1952 statt und seit 1976 ist Eistanz olympische Disziplin.

Als moderne Hallensportarten sind Eiskunstlauf und Eistanz insbesondere in den Industrienationen und den traditionellen Wintersportländern der Nordhalbkugel verbreitet.

Wettbewerbe, Regeln, Technik

Wettbewerbe

Weltmeisterschaften (auch Jugendweltmeisterschaften) und Europameisterschaften finden jährlich statt. Ab 1994 werden Olympische Spiele um zwei Jahre gegenüber den Sommerspielen versetzt durchgeführt. Zum Wettkampfprogramm gehören Wettbewerbe im Einzellauf (Damen, Herren) sowie im Paarlauf und im Eistanz. Teildisziplinen sind

im Einzellauf: Technikprogramm (früher Kurzkür) und Kür,

im Paarlauf: Technikprogramm und Kür

im Eistanz: Pflichttänze, Originaltänze sowie der Kürtanz.

Um die Teilnehmerfelder auf 24 bis 26 Starter zu begrenzen, müssen die Einzelläufer Vorwettkämpfe bestreiten, in denen die Kür zu zeigen ist.

Im Profi- und auch Amateur-Eiskunstlaufen sucht man nach neuen, attaktiven Disziplinen. In einigen Ländern werden bereits folgende Gruppenwettbewerbe durchgeführt:

1.

Die Fours - 2 Paare

2.

Die precision teams - Laufen in einer Gruppe von 12-24 Läuferinnen und Läufern.

Während bei den zwei Paaren (Fours) nur ein Kürwettkampf vorgesehen ist, soll im Gruppenlaufen (Formationslaufen) sowohl ein Technikprogramm als auch eine Kür gezeigt werden.

Desweiteren stehen Interpretationsprogramme (ohne Doppel- und Dreifachprünge) für internationale Meisterschaften zur Debatte. In 2 1/2 Minuten soll nach Musik ein kreatives, stilvolles und variationsreiches Programm dargeboten werden.

Eingangsvoraussetzungen für die Qualifikation zu nationalen Wettbewerben werden im Klassenlaufen (Bedingungen der DKB-Regeln) überprüft. Qualifikationen der einzelnen Verbände für internationale Meisterschaften ergeben sich je Disziplin aus den Plazierungen der Läufer. Die 3 Erstplazierten der jeweiligen internationalen Meisterschaft nominieren sich namentlich gebunden für das Folgejahr. Kann ein Verband eine Plazierung unter den ersten 10 erreichen, so ergeben sich daraus 2 Startplätze. In jedem anderen Fall darf jeder von der ISU zugelassene Verband 1 Starter nomiernieren. Dieser muß sich aber auch über die Vorwettkämpf vor Ort qualifizieren.

Regeln

Internationale und nationale Meisterschaften werden nach den gültigen „REGULATIONS“ der ISU durchgeführt.

Die Bewertung erfolgt von Preisrichtern in der Skala 0-6:

0 = nicht gelaufen

1 = sehr schwach

2 = schwach

3 = mittelmäßig

4 = gut

5 = sehr gut

6 = perfekt und fehlerlos

Jedes teilnehmende Land (auf Bundesebene) bzw. jeder zugelassene Verband (international) stellt je Disziplin einen Preisrichter. Zum Einsatz kommen jedoch nur 9 Preisrichter, die ausgelost werden. Bei geringerer Preisrichterzahl (nationale Vergleiche) ist zu beachten, immer eine ungerade Anzahl zu wählen, um eindeutige Ergebnisse zu erhalten.

Aus den vergebenen Punktwerten ergibt sich jeweils die entsprechend zugeordnete Platzkennziffer. Für die Rangfolge in den Teildisziplinen ist die mehrheitlich vergebene Platzziffer ausschlaggebend. Durch Multiplikation der Platzkennziffern mit den folgenden Faktoren wird das Wettkampfresultat ermittelt.

Einzellauf/Paarlauf:

0,5 für das Technikprogramm und

1,0 für die Kür

Eistanz:

0,4 für die Pflichttänze

0,6 für den Originaltanz und

1,0 für die Kür.

Für das Technikprogramm der Einzel- und Paarläufer sind Elemente vorgegeben, die in gewisser Weise variabel sind. (Z.B. wird bei den Herren ein Dreifachsprung aus einer Verbindung gefordert. Variabel ist der gewählte Sprung und auch die Verbindung.)

Abzüge für mißlungene Versuche sind:

0,2-0,5 Punkte für die Sprungkombination (0,6 bei Auslassen)

0,1-0,3 Punkte für alle anderen Elemente (0,4 bei Auslassen)

0,1-0,2 Punkte bei Wiederholung eines Elementes

Jeder Preisrichter vergibt 2 Wertungen, die Techniknote (A-Note - technical merit), mit der

- technische Ausführung der Elemente

- Mannigfaltigkeit des Repertoires

bewertet werden und die Note für den Künstlerischen Ausdruck (B-Note <196> artistic impression), die

- Harmonie des Vortrages und seine Übereinstimmung mit der Musik

- räumliche Verteilung des Programmes auf der Eisbahn

- Bewegungsfluß

- Originalität

- Ausgestaltung des Charakters der Musik (Thematische Darstellung - Interpretation der Musik)

repräsentiert.

Bei den Paarläufern und Eistänzern wird das Gleichmaß der Bewegungen beider Partner bewertet und häufiges Trennen voneinander sehen die Preisrichter nicht gern.

Im Eistanz sind im Gegensatz zum Paarlaufen Überkopfhebungen, Wurfsprünge und Sprünge mit mehr als 1/2 Drehung sowie Pirouetten mit mehr als 3 Umdrehungen nicht erlaubt.

Uzulängliche Unter- und Überschreitungen der Zeitvorgaben werden ebenfalls mit Punktabzügen geahndet.

Technik

Die Bestandteile der Wettkampfprogramme sind folgendermaßen zu gruppieren:

- Sprünge mit Mehrfachdrehungen um die Körperlängenachse (Saltodrehungen sind im Wettbewerb nicht gestattet)

- Sprungverbindungen als direkte Sprungkombination, als Sprungsequenz (Schritte oder kleine Sprünge zwischen den Sprüngen)

- Pirouetten

- Schritte und Schrittfolgen

nur im Paarlauf gibt es noch zusätzlich

- Wurfsprünge,

- Twist-Lift (Wurflutz)

- Überkopfhebungen (Lasso, Hebestütz)

- Todesspiralen

- Paarlaufpirouettenkombinationen

Anschrift der Verbände

Deutsche Eislauf-Union Geschäftsstelle:

Betzenweg 34

81247 München 60

Tel.: 089/818242 Fax: 089/818246

International Skating Union (ISU)

Geschäftsstelle:

Promenade 73 Postfach

7270 Davos-Platz

Schweiz

Tel.: 004181/437577-8

Fax: 004181/436671

Tlx: 853123

Weiterführende Literatur

(siehe auch neue Literaturhinweise im IAT-Literaturservice)

Maier, M.: richtig eislaufen, blv sportpraxis, München, 1979

REGULATIONS der International Skating Union, 1992

Eiskunstlauf-Bestimmungen der Deutschen Eislauf-Union e.V. 1991

Huegin,O.: Eiskunstlaufen mit Denis Bielmann, Ott Verlag, Tun, 1988


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