1.33. Wasserspringen
Grundidee, Bedeutung, soziale Werte
Das Springen ins Wasser aus unterschiedlichen Höhen und unter verschiedenen Absprungbedingungen (federndes Brett, starre Plattform) ist ein eigenständiges Spezialgebiet des Schwimmsports. Man unterscheidet volkstümliches (ohne Vorschriften bezüglich Sprunganlagen und Körperhaltung) und sportliches (mit Ausführungsvorschriften und Wettkampfregeln) Wasserspringen. Da die komplizierten Bewegungstechniken jedes Sprunges in ungefähr eineinhalb Sekunden (3 m-Brett und 10 m-Plattform) zu bewältigen sind, erfordert und schult diese publikumswirksame Sportart Mut, Körperbeherrschung, Konzentration, Entschlossenheit und Reaktionsschnelligkeit.
Ursprung, Geschichte, Verbreitung
Felszeichnungen aus dem Altertum weisen auf den frühen Ursprung des Wasserspringens hin. Aus einfachen Brauchformen des volkstümlichen Springens, welches bereits in der ersten Hälfte des 19. Jh. im Gebiet um Halle verbreitet war, wurde durch Salzwirker (Halloren) das wettkampfmäßige Wasserspringen entwickelt. Erste Sprungbeschreibungen und Wertungstabellen stammen aus dem Jahre 1843* . Um 1880 begann die Zeit nationaler und internationaler Wettkämpfe.
Seit 1904 ist das Wasserspringen olympische Sportart. Erst seit 1973 werden Weltmeisterschaften ausgetragen. Obwohl volkstümliches Wasserspringen unter den Kindern und Jugendlichen sehr beliebt ist, gehört es nicht zu den Massensportarten. Interessenvertreter der deutschen Wasserspringer ist der Deutsche Schwimmverband (DSV gegr. 1886), der zu den 129 Mitgliederverbänden der Internationalen Amateur-Schwimm-Föderation (FINA) gehört, die 1908 gegründet wurde.
Wettbewerb, Regeln, Technik
Wettbewerb
Olympische Wettkampfdisziplinen sind das Turmspringen von der 10 m-Plattform und das Kunstspringen vom 3 m-Brett. Das Kunstspringen vom 1 m-Brett ist seit 1989 offizielle Disziplin internationaler Meisterschaften.
Regeln
Die Bewertung der Sprünge erfolgt auf der Grundlage der internationalen Wertungsbestimmungen und der Sprungtabelle der FINA, welche die Schwierigkeitswerte festlegt. Wettkampfsprungserien, die vor Wettkampfbeginn dem Sprunggericht bekanntzugeben sind, umfassen eine bestimmte Anzahl von Sprüngen aus jeweils unterschiedlichen Sprunggruppen sowohl mit begrenztem als auch mit unbegrenztem Schwierigkeitsgrad. Das Wettkampfgericht besteht aus 5 bzw. 7 Sprungrichtern, die Technik und Ausführung mit einer Differenzierung von halben Punkten zwischen 0 und 10 bewerten. Die Wertung für einen Sprung ergibt sich aus der Summe der drei mittleren Sprungrichternoten, die mit dem Schwierigkeitsgrad multipliziert wird. Sieger ist der Springer, der im Endkampf die höchste Gesamtpunktzahl erreicht.
Technik
Die Sprünge mit den möglichen Ausführungsarten gehockt, gehechtet (gebückt), gestreckt oder in beliebiger Körperhaltung (d<|>h. Kombination der genannten Ausführungsarten) werden in 5 (Brett) bzw. 6 (Turm) Sprunggruppen eingeordnet:
1. Vorwärtssprünge
2. Rückwärtssprünge
3. Auerbachsprünge
4. Delphinsprünge
5. Schraubensprünge
6. Handstandsprünge (nur vom Turm möglich)
Im volkstümlichen Wasserspringen unterscheidet man Fußsprünge, Abfaller, Kopfsprünge, Stützsprünge (Abdruck von Händen auch über Hindernisse), Rollen und Salti sowie Paar- und Gruppensprünge.
Weiterführende Literatur
(siehe auch neue Literaturhinweise im IAT-Literaturservice)
Lehmann, C.: Schule des Wasserspringens. Leipzig 1897.
Lewin, G.: Schwimmsport. Berlin 1982.
Putzke, G./Wiesel, F.: Wasserspringen. Leipzig und Zürich.
Walz, G.: Die Kunst des Wasserspringens in Wort und Bild. Stuttgart 1912.
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