1.32. Wasserball

Bedeutung/Geschichte

Wasserball ist ein Mannschaftsspiel im Wasser mit Torwertung. Es vereinigt in sich sowohl die Vorzüge des Sportspiels als auch die des Schwimmens. Es ist sowohl ein Teilgebiet des Schwimmsports als auch der Sportspiele.

Wegen seines kräftezehrenden und rauhen Charakters war es bis in die jüngste Vergangenheit eine Domäne der Männer. Inzwischen hat sich jedoch auch Damen-Wasserball in vielen Ländern etabliert. In der Bundesrepublik Deutschland wird seit 1982 eine Deutsche Damenmeisterschaft ausgespielt.

Es hat allerdings bei weitem noch nicht die Bedeutung der großen Sportspiele Fußball, Handball, Volleyball und Basketball erlangt. In den Schul- und Freizeitsport ist es kaum einbezogen, und im Spitzensport tritt es nur bei Großereignissen in die Öffentlichkeit.

Historisch entwickelte es sich aus dem Baden und Schwimmen.

1876

- erstmals in England gespielt. Anfangs gehörten noch 11 Spieler zu einer Mannschaft. Die ersten Spiele ähnelten einer Rauferei im Wasser, da sie ohne Spielregeln ausgeführt wurden.

1886

- Aufstellung der ersten Spielregeln durch die Engländer

1889

- Gründung der ersten Vereinigung für Waterpolo, Ausbreitung auf den Kontinent in den folgenden Jahrzehnten

1894

- zum 1. Mal Wasserballspiel in Deutschland (Berliner Sportklub Borussia)

1898

- Aufstellung der ersten deutschen Spielregeln

ab 1900

- Aufnahme ins olympische Programm

1906

- erstes deutsches Lehrbuch über Wasserball erschienen

1911

- Internationaler Schwimmverband erklärte die in England entstandenen Spielregeln für die ihn angeschlossenen Verbände für verbindlich

1912

- 1. Wasserballmeisterschaft in Deutschland

ab 1926

- Europameisterschaften

ab 1964

- Austragung des Europapokals

ab 1973

- Weltmeisterschaften

Wasserball ist in den Verbänden des Schwimmsports organisiert. Ungarn, Jugoslawien, Sowjetunion und Italien errangen mehrfach den Titel eines Olympiasiegers bzw. Weltmeisters.

Spielgedanke

Zwei gegeneinander spielende Mannschaften bemühen sich, unter Beachtung der Regeln innerhalb einer abgegrenzten Fläche durch Kampf um den Ball durch Schwimmen und Zuspiel, den Ball möglichst oft in das gegnerische Tor zu werfen, während Tore der gegnerischen Mannschaft verhindert werden sollen. Eine Mannschaft besteht aus 13 Spielern (jeweils 7 im Wasser), davon 2 Torhüter. Die 6 Ersatzspieler können nach einem Spielzeitviertel, bei Verletzungen oder nach einem Torerfolg eingewechselt werden.

Die effektive Spielzeit beträgt 4x7 Minuten, die Pause zwischen den einzelnen Spielabschnitten (Spielvierteln) 2 Minuten.

Spielvoraussetzungen:

Ball:

Hohlball aus Gummi

Gewicht : 400 - 450 g

Umfang: 68 - 71 cm

Spielfeld:

s. Abbildung

Rechteck von höchstens 30x20 m in einem Schwimmbecken

Beckentiefe: 1,80 m

Mittellinie halbiert Spielfeld

Parallel zu den Torlinien sind je eine Zwei- und eine Viermeterlinie an beiden Seiten des Spielfeldes markiert

Auf der Mitte der Torlinie befindet sich das Tor, 3 m breit, 90 cm hoch (oberhalb des Wasserspiegels), nach hinten durch Netz geschlossen.

Schiedsgericht:

2 Schiedrichter leiten das Spiel vom Beckenrand aus mit Pfeife und Flagge (weißes und blaues Tuch jeweils am Ende eines Stabes). Mit Flagge zeigen sie Freiwurf oder Strafwurf an.

1-2 Zeitnehmer (bedient Wasserballuhr, um effektive Spielzeit sowie Ende einer Spielzeit durch Pfiff anzuzeigen). 2 Torlinienrichter und 1 Protokollant unterstützen Schiedsrichter

Spielerkleidung:

Wasserballspieler tragen 2 Badehosen übereinander, weil beim Körperspiel oft eine Hose zerissen wird. Beide Mannschaften tragen farbig unterschiedliche Kappen in Weiß und Blau, Torhüter in Rot. Außerdem sind Spielnummern auf Kappe angebracht. Erlaubt ist das Tragen von Ohrenschützern aus Kunststoff gegen Trommelfellverletzungen.

Spielregeln: (Auswahl)

Zu Spielbeginn befinden sich beide Mannschaften auf ihren Torlinien. Der Ball wird in der Mitte des Spielfeldes von einem Schiedsrichter eingeworfen. Innerhalb von 35 Sekunden muß ein Angriff mit einem Torwurf abgeschlossen sein.

Ein Tor kann mit jedem Körperteil (jedoch nicht durch Faustschlag) erzielt werden, vorausgesetzt, der Ball wurde zuvor von mindestens zwei Spielern gespielt.

Regelverstöße werden in einfache und schwere Fehler unterteilt. Einfache Fehler (werden mit Freiwurf bestraft) sind u.a.: - Fangen mit beiden Händen (gilt nicht für den Torwart),

- Ball unter Wasser drücken,

- Abseitsstellung innerhalb des Zweimeterraumes,

- Behinderung eines nicht im Ballbesitz befindlichen Spielers

Schwere Fehler führen zu Strafwurf oder Herausstellung auf Zeit. Bei 3 schweren Fehlern, groben Verstößen oder brutaler Spielweise kann eine Herausstellung für die restliche Spielzeit erfolgen) sind u.a.: - Wegziehen des Torpfostens zur Vereitelung einnes sonst sicheren Torerfolgs,

- den Gegner treten oder schlagen oder Bewegungen ausführen, die diese Absicht erkennen lassen,

- einen Gegner ohne Ball festhalten, unterlaufen oder zurückziehen.

Technik/Taktik

Wasserball stellt sehr vielseitige Anforderungen an den Spieler hinsichtlich Kondition (Schnellkraft, Kraftausdauer, hohe Grundschnelligkeit), Koordination (z.B. hinsichtlich des einhändigen Ballspiels, das ohne Einfluß auf die Schwimmtechnik erfolgen soll), technischer Vielseitigkeit und Perfektion sowie spieltaktischen Handelns (individuelle Taktik und Mannschaftstaktik).

Um möglichst schnell und beweglich im Wasser agieren zu können, ist das Beherrschen der 4 Schwimmarten erwünscht.

Die überwiegend angewandte Schwimmtechnik ist die Kraultechnik, die beim Wasserball allerdings wie folgt abgewandelt wird: die Kopfhaltung ist so hoch, daß eine frei Sicht nach vorn möglich ist (Spielübersicht), die Armzüge sind kürzer. Eine hohe Frequenz der Armzüge ist wichtig für das Dribbling mit Ball. Der Ball wird vor dem Körper gedribbelt, durch die entstehenden Wellen und durch ein Schieben mit dem Kopf vorwärtsbewegt.

Grundwurfarten sind der Schlagwurf, Schockwurf, Rückhandwurf, Druckwurf und Selbstdoppler.

Doppeln ist das Weiterleiten eines zugespielten Balles nach einer kurzen Berührung in der Luft.

Von Selbstdoppler spricht man, wenn der Ball von einer Hand zur anderen gespielt wird, die ihn dann in die gewünschte Richtung befördert.

Unter Schöpfgriff versteht man die Ballaufnahme im Wasser durch eine schöpfende Bewegung mit der Hand, wonach er dann weitergespielt bzw. aufs Tor geschossen wird.

Bogenwurf ist eine Form zum Überspielen des Torwarts, wenn sich dieser weit vor dem Tor befindet.

Das moderne Wasserballspiel fordert viele Varianten der Aufstellung und auch des Wechsels während des Spiels. Jeder Spieler muß auf jeder Position wirksam spielen können.

Verwendete und weiterführende Literatur

(siehe auch neue Literaturhinweise im IAT-Literaturservice)

Wilke, K. (Hg.): Schwimmsport Praxis. Reinbek 1988.

Der Sport Brockhaus. Herausgegeben von F.A. Brockhaus. Alles vom Sport von A bis Z. Mannheim 1989.

Olympisches Lexikon. Bibliographisches Institut Leipzig. 1987.

Autorenkollektiv (Leitung: Döbler ,H./Schnabel, G./Thieß,G.): Grundbegriffe der Sportspiele. Berlin 1989.


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