1.30. Tischtennis

Bedeutung/Geschichte

Tischtennis ist ein weitverbreitetes Rückschlagspiel, artverwandt mit Tennis, Badminton und Squash. Es wird als Einzel (2 Spieler) bzw. Doppel (4 Spieler) von Damen und Herren sowie auch als Gemischtes Doppel (Mixed) wettkampfmäßig in der Halle gespielt. Tischtennis ist ein vielseitiges und abwechslungsreiches Sportspiel, das viele Spielveränderungen hinsichtlich Spielgerät, Zählweise und Spielerzahl sowie -idee zuläßt und verschiedensten Zielstellungen angepaßt werden kann. Es steht nahezu jeder Personengruppe offen, auch Versehrten und Behinderten. Der Verbreitung sehr förderlich ist der geringe finanzielle Aufwand, den dieser Sport erfordert. Die Tischtennisplatte findet relativ leicht Platz. An Partnern mangelt es im Freizeitsport kaum.

Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts wird als Gründungszeit für das Tischtennisspiel angesehen, vorgeschichtliche Entwicklungen werden dabei unberücksichtigt gelassen.

1884 - wurde es in England unter „Miniature Indoor Tennis Game“ patentiert.

1890 - wurde der bis dahin benutzte kleine luftgefüllte Gummiball durch einen vom englischen Ingenieur James Gibb „erfundenen“ Zelluloid-Ball ersetzt. Aufgrund des Klanges wurde der Name „Ping-Pong“ geprägt.

1902 - wurde der bis dahin verwandte tennisähnliche Schläger durch einen Noppengummi-Schläger ersetzt.

1900-1910 - nahm Tischtennis einen großen Aufschwung. Vor allem wurde in speziellen Klubs und auch in Kaffeehäusern gespielt.

1907 - 1. inoffizielle Deutsche Meisterschaft (durch den Ersten Weltkrieg wurde der Aufschwung des Tischtennisspiels unterbrochen).

10.1.1925 - 1. offizielle Deutsche Meisterschaften in Berlin

8.11.1925 - Gründung des „Deutschen Tischtennis-Bundes“ (DTB) durch 32 deutsche Vereine

6.12.-11.12.1926 - 1. Weltmeisterschaften im Tischtennis

12.12.1926 - Gründung der „Internationalen Tischtennis-Föderation“ (ITTF) in London durch 9 Nationen

1927/1928 - Herausgabe der ersten Rangliste

1933 - Die Verbände werden aufgelöst. Tischtennis wird dem „Deutschen Tennis- und Hockeyverband“ als Sparte zugeordnet. Durchführung der 1. Deutschen Mannschaftsmeisterschaften

1949 - Offizielle Wiedergründung des „Deutschen Tischtennisbundes“ (DTTB)

1957 - Gründung der „Europäischen Tischtennis-Union“ (ETTU)

1958 - 1. Europameisterschaft

seit 1972 - Europäisches Ranglistenturnier (Top 12)

seit 1980 - Beginn des „World Cup“

seit 1984 - Austragung des Europapokal-Wettbewerbes

seit 1988 - ist Tischtennis olympische Sportart

Tischtennis zählt zu den beliebtesten Sportarten der Welt. Man schätzt die Zahl aller organisierten und nichtorganisierten Spieler der Welt auf etwa 200 Millionen.

Spielgedanke

Jeder Spieler versucht, den Ball mit Hilfe des Schlägers so auf die gegnerische Plattenhälfte zu spielen, daß er vom Gegner möglichst nicht regelgerecht zurückgespielt werden kann. Tischtennis hat keine festgelegte Spielzeit. Ein Spiel ist nach 2 oder 3 Gewinnsätzen beendet. Ein Satz ist gewonnen, sobald eine der beiden Parteien zuerst 21 Punkte bei einem Vorsprung von 2 Punkten erreicht hat. Beim Stande von 20:20 wird solange weitergespielt, bis einer der Spieler den notwendigen 2-Punkte-Vorsprung aufweist.

Spielvoraussetzungen

Ball:

besteht aus Zelluloid oder ähnlichem Plastikmaterial und ist mattweiß oder mattgelb; Durchmesser: zwischen 37,2 und 38,2 mm; Gewicht: 2,40 - 2,53 g.

Schläger:

Die Spielqualität wird stark von der Beschaffenheit des Schlägers bestimmt. Es gibt verschiedene Grundformen von Griffen (gerade, geschweift, konisch, anatomisch). Die Wahl muß der Spieler treffen. Die Schlägerblätter bestehen aus Holz (nur 15 % des Blattes dürfen aus anderen Materialien bestehen). Unterschieden werden, entsprechend den differenzierten Anforderungen: - Hölzer für Abwehr - Hölzer für Angriffsspieler - Hölzer für Halbdistanzspieler. Ähnlich unterschieden wird auch bei den Schlägerbelägen. Die Schlägerseiten können mit Schaumgummischichten belegt werden, die von Noppengummi (Noppen nach innen oder außen) bedeckt werden. Der Belag darf höchstens 4 mm stark sein.

Turniertisch:

Ergänzend zu den aus der Abbildung ersichtlichen Maßen: Die Tischplatte soll 2,55 cm dick sein. Die Bodenfläche um den Tisch (Spielraum) beträgt mindestens 14 m Länge und 7 m Breite und ist von einer 75 cm hohen Bande abgegrenzt. Tisch und Netz sind dunkelgrün und weiß markiert.

Ausgewählte Regeln:

Im Prinzip treffen für Einzel, Doppel und Gemischtes Doppel fast die gleichen Regeln zu: Ausgelost werden erster Aufschlag und Spielfeldseite. Nach jeweils 5 Punkten wechselt der Aufschlag, beim Stand von 20 : 20 nach jedem Punkt. Nach jedem Satz werden die Seiten gewechselt. Bei Netzball wird der Aufschlag wiederholt. Fehler, die als Punkte für den Gegner zählen, sind z. B. fehlerhafter Aufschlag und Rückschlag oder Berührung der Spielfläche mit der Hand.

Technik/Taktik

Kaum ein anderes Rückschlagspiel verfügt über so viele Möglichkeiten, den Ball verschiedenartig in Bewegung zu setzen wie das Tischtennisspiel. Diese Vielfalt der unterschiedlichen Ballbehandlungen ist stark beeinflußt von der des Schlägermaterials. Die einzelnen Beläge erzielen sehr unterschiedliche Balleffekte.

Die verschiedenen Varianten der Ballbehandlung, die meist kombiniert auftreten und sich nahezu in jeder Situation des Spiels einsetzen lassen, werden mit Rotation, Geschwindigkeit, Plazierung, Flugkurve und Flugdauer angegeben. Auf ihnen lassen sich ganze Spielsysteme aufbauen, zumindest hängen sie eng mit ihnen zusammen.

Verwendete bzw. weiterführende Literatur

(siehe auch neue Literaturhinweise im IAT-Literaturservice)

Blum, H. (Red.): 1014 Spiel- und Übungsformen im Tischtennis. Schorndorf 1986.

Gross, B.-U.: Tischtennis Praxis. Reinbek 1987 (Rowohlt).

Horst, H./Giesecke, H./Schlag, J.: Tischtennis. Reinbek 1979.

Michaelis, R./Sklorz, M.: Tischtennis-Lehrplan, Bd. 4. München Wien Zürich 1983 (BLV Verlagsgesellschaft).

Muster, M.: Tischtennis, Bad Homburg 1986 (Limpert Verlag).


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