1.29. Tennis

Bedeutung/Geschichte

Das Rückschlagspiel Tennis ist eine Individualsportart. Früher galt es als eine teure Sportart, die nur privilegierten Schichten vorbehalten war. Inzwischen entwickelte es sich vom Elite- zum Volkssport. Für jedes Alter und Geschlecht geeignet, wird es zur Unterhaltung oder als Leistungssport für Amateure und Profis betrieben. Mit zunehmender Leistungsentwicklung fand es starke Beachtung in den Medien, was wiederum zu seiner Verbreitung beitrug.

Entsprechenden Aufwand treiben die Hersteller zur Vervollkommnung von Tennisschlägern, die u. a. dazu beitragen sollen, Ballgefühl, Treffsicherheit und Armschonung weiterzuführen.

Tennis wird auf der ganzen Welt gespielt. Es findet bereits vor dem 13. Jahrhundert Erwähnung. Verschiedene Quellen weisen vor allem auf die Bedeutung dieses Spiels in vielen Ländern Europas (insbesondere Italien und Frankreich) im 14. und 15. Jahrhundert hin.

Im 15. Jahrhundert

- nimmt Royal Tennis (Real Tennis) einen festen Platz im gesellschaftlichen Leben des englischen Königreichs ein. Das Spiel entwickelte sich vom ursprünglichen Schlagen des Balles mit der Handfläche zu einem Schlägerspiel mit komplizierten Regeln in der Halle. Da die Bälle aus Leder, Kork oder Leinen auf Naturboden nicht sprangen, wurden in Europa Hunderte von Ballhäusern entwickelt.

Im 17. Jahrhundert

- verlor es zunehmend an Bedeutung

1874

- erfand Walter Clopton Winfield ein Spiel mit Schlägern, Netz und mehreren Bällen namens Sphairistike, das von Sachverständigen des Royal Tennis zum Lawn-Tennis verändert wurde.

1877

- 1. Englische Meisterschaften in Wimbledon

1881

- Entstehung des 1. Clubs in Baden-Baden

1892

- 1. Deutsche Meisterschaften für Herren (1896 für Damen)

1896

- Beteiligung an den OS (ab 1925 wieder aus dem Programm gestrichen - wegen Nichteinhaltung des Amateurstatus)

1900

- erstmals Länderkampf zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und England, später Davis-Cup genannt (nach dem Begründer Dwight Filley Davis). Gegenwärtig nehmen etwa 70 Nationen daran teil. Er gilt als bedeutendster internationaler Mannschaftswettbewerb.

1913

- Gründung der Internationalen Tennis-Föderation

1967

- Einführung der World Championship Tennis (WCT). Dieser Vorgang kann zugleich als Beginn des Professionalismus im Tennis betrachtet werden.

1988

- wieder Teilnahme an den OS

seit 1967

- entwickelte sich Profi-Tennis unaufhörlich weiter. Das ganze Jahr über finden Turniere für Profis statt. Bedeutend sind die Internationalen Meisterschaften von England, den Vereinigten Staaten, von Australien und Frankreich (diese 4 Turniere bezeichnet man auch als Grand Slam) sowie auch die Masters-Turniere. Große Mannschaftswettbewerbe sind neben dem Davis Cup der European Cup, Federation Cup, und der World Team Cup.

Spielgedanke

Tennis ist ein Spiel, bei dem als Einzel (zwischen 2 Spielern) oder als Doppel (zwischen 2 Spielerpaaren, auch als Gemischtes Doppel) ein Ball mit Hilfe eines Schlägers über ein Netz hin- und hergeschlagen wird. Ziel dieses Ballwechsels ist es, den Ball regelgerecht so zum Gegner zu spielen (volley oder nach einem einmaligen Sprung auf den Boden), daß dieser ihn möglichst nicht mehr oder nur fehlerhaft zurückspielen kann. Die Dauer eines Tennisspiels ist zeitlich nicht begrenzt. Auch gibt es kein Unentschieden. Dies ist in der Zählweise begründet. Die Wertung erfolgt im Tennis nach Punkten, Spielen und Sätzen.

Zu einem Sieg gehören (abhängig vom jeweiligen Turnierreglement) 2 oder 3 Gewinnsätze. Die Satzhöchstzahl beträgt infolgedessen höchstens 3 bzw. 5 (in der Regel nur Männer - Ausnahme Damen: Finale des Masters-Turniers).

Der Spieler, der zuerst 6 Spiele gewinnt, hat den Satz für sich entschieden, wenn er 2 Spiele mehr als sein Gegner gewonnen hat. Beim Stande von 6:6 wird der sog. „Tie-Break“ gespielt. Hierbei ist für den Satzgewinn lediglich 1 Spiel Vorsprung nötig (das Spiel zum 7:6). Jeder Fehler wird mit einem Punkt gezählt (bis mindestens 7 Punkte); zum Sieg des Spiels ist jedoch ein Vorsprung von 2 Punkten erforderlich. Nach 2 Punkten* wechselt der Aufschlag - wobei im Vergleich zum normalen Turnus von der Reihenfolge her seitenverkehrt aufgeschlagen wird - und nach 6 Punkten werden jeweils die Seiten gewechselt. Der Tie-Break wird bei fast allen Turnieren gespielt (jedoch nicht im entscheidenden 5. Satz bei Davis-Cup und Wimbledon-Turnier).

Die im Verlauf eines Spiels gewonnenen Punkte werden folgendermaßen gezählt:

Nach dem 1. Punkt „15“

Nach dem 2. Punkt „30“

Nach dem 3. Punkt „40“

Nach dem 4. Punkt „Spiel“

* Ausnahme: Derjenige Spieler, der im Tie-Break zuerst aufschlägt, „genießt“ den Vorteil lediglich eines Service.

Der 4. Punkt bedeutet nur dann den Gewinn des Spiels, wenn der Gegner bis dahin höchstens 2 Punkte erreicht hat (also „30“). Wenn beide Spieler 3 Punkte erzielt haben, wird dies als „Einstand" bezeichnet und der nächste von einem Spieler gewonnene Punkt zählt Vorteil zu seinen Gunsten. Erreicht derselbe Spieler den nächsten Punkt, gewinnt er das Spiel; erlangt der andere Spieler den nächsten Punkt, so wird der Spielstand wieder mit Einstand bezeichnet usw.

Spielvoraussetzungen

Schläger:

Besteht aus Kopf und Griff. Der Schlägerkopf hat einen Rahmen aus Kunststoff oder Metall und ist mit Naturdarm- oder Kunststoffsaiten bespannt. Es gibt sehr unterschiedliche Ausführungen im Rahmen der Regelbestimmungen. Der Schläger soll Konstitution und Handgröße entsprechen. (Griffstärke: für Damen 3 - 5, Herren 4 - 7) Stärke, Qualität der Saite sowie die Bespannungshärte beeinflussen die Ballkontrolle erheblich (mit einer zu weichen Besaitung z.B. ist der Ball nur schwer kontrollierbar).

Ball:

Hohlgummiball mit Filzhülle, Farbe: gelb oder weiß Durchmesser: zwischen 6,35 cm u. 6,67 cm Gewicht: zwischen 56,70 g u. 58,50 g Sprunghöhe: der aus einer Höhe von 2,54 m fallende Ball soll mindestens 1,35 m und höchstens 1,47 m hoch springen.

Spielfeld:

Tennis wird auf Plätzen unterschiedlicher Bodenbeschaffenheit (Gras, Asphalt, Beton, Sand, Zement, Lehm, Parkett, Kunststoff, Teppich usw.) gespielt. Jeder Platz hat andere Spieleigenschaften, da die Bälle verschieden springen. Sandplatz: Ist ein Ziegelmehlplatz. Bälle springen „normal“, Platz gilt als langsam, schont Gelenke, Bänder, Sehnen und Muskeln, weil man auf ihm „rutschen“ kann. 90 % aller Freiplätze Europas sind Sandplätze. Hartplatz: pflegeleichte Oberfläche aus verschiedenen Materialien. Ball springt flacher und schneller als auf Sandplatz. Hallenplatz: häufigster Belag ist Teppichboden (Velour, Nadelfilz). Ball springt flach ab. Da man nicht „rutschen“ kann, beansprucht er die Beinmuskulatur außerordentlich.

Technik/Taktik

Die kurzen Ballkontakte, die z. T. enorme Beschleunigung des Balles (bis zu 250 km/h beim Aufschlag), das ständige Agieren unter Zeitdruck bei z. T. sehr langer Spieldauer stellt in physisch-psychischer und geistiger Hinsicht hohe Anforderungen an die Spieler, speziell auch an die richtige Koordination von Schläger, Ball und Körperbewegung. Das Technikrepertoire umfaßt Grundschläge (Vorhandschlag, Rückhandschlag, Aufschlag) und Spezialschläge (wie Slice, Topspin, Volley, Smash, Lob, Stop).

Verwendete bzw. weiterführende Literatur

(siehe auch neue Literaturhinweise im IAT-Literaturservice)

Birkner, D.: Tennisregeln leicht verständlich. München 1987 (BLV Verlagsgesellschaft).

Deutscher Tennisbund: Lehrbuch Tennis. München (BLV Verlagsgesellschaft).

Heß, H.: Siegen lernen im Tennis. Homburg 1985 (Limpert Verlag).

Scholl, P.: Richtig Tennisspielen 1. München 1989 (BLV Verlagsgesellschaft mbH).


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