1.28. Kunstschwimmen

Grundidee, Bedeutung, Soziale Werte

Kunstschwimmen ist ästhetisch darstellendes und choreographisch gestaltetes Schwimmen und Tauchen mit musikalischer Begleitung. Diese Sportart wird überwiegend von Mädchen und Frauen betrieben und besteht aus den Disziplinen Kunstschwimmen und Reigenschwimmen. Voraussetzung für das Kunstschwimmen ist die Beherrschung aller Schwimmstilarten. Es erfordert und entwickelt Teamgeist, Disziplin, Gleichgewichtsgefühl, Orientierungsfähigkeit über und unter Wasser. Des weiteren entwickelt es die Bewegungskultur, kräftigt alle Muskelgruppen und schult eine gesunde Körperhaltung: dabei trainiert es das Herz-Kreislaufsystem, ohne das Stütz- und Bewegungssystem zu überlasten.

Ursprung, Geschichte, Verbreitung

Erste Hinweise zum Ursprung des Kunstschwimmens liefert die griechische und römische Geschichtsschreibung. Die Anfänge in der Neuzeit reichen ins 19. Jh. zurück. Vorläufer des Synchron- und Reigenschwimmens waren u. a. das Figurenschwimmen, Lampion- und Fahnenreigenschwimmen und das Wasserballett. Synchronisiertes Schwimmen entstand in den USA, wo 1945 die ersten Landesmeisterschaften stattfanden. Erst seit 1984 sind die Disziplinen Solo und Duett olympische Disziplinen. Seit 1968 existiert eine eigene Sparte in der Internationalen Amateur-Schwimmföderation (FINA)*, der auch die Synchronschwimmerinnen des Deutschen Schwimmverbandes (DSV) angeschlossen sind.

Wettbewerb, Regeln, Technik

Wettbewerb

Neben den olympischen Disziplinen Solo und Duett werden bei Weltmeisterschaften (seit 1973), regionalen Meisterschaften und weiteren internationalen Wettkämpfen auch Gruppenwettbewerbe ausgetragen, an denen acht bis zehn Schwimmerinnen teilnehmen. Das Reigenschwimmen wird in Deutschland wettkampfmäßig betrieben. Ein internationales Wertungs- und Wettkampfsystem existiert für diese Disziplin bisher nicht.

Regeln

Die Synchronschwimmdisziplinen bestehen aus Vorkampf-Pflicht und -Kür sowie Kür-Finale. Im Pflichtwettbewerb sind aus verschiedenen Kategorien ausgeloste Pflichtfiguren von jeder Schwimmerin separat vorzutragen. Die Kür beinhaltet Pflichtfiguren und -teile, die mit freiwählbaren Schwimmzügen, neuen Figuren und -kombinationen verbunden werden. Sie wird nach freigestellter (meist klassischer) Musik choreographiert und dauert in den Disziplinen Gruppe fünf, Duett vier und Solo dreieinhalb Minuten. Für die Bewertung werden 5 bzw. 7 Wertungsrichter unter Vorsitz eines Schiedsrichters eingesetzt. Die Bewertungsskala für die Vorträge reicht von 0 - 10 Punkten. Bei der Kürleistung werden technischer Wert und künstlerischer Eindruck getrennt benotet.

Technik

Das Kunstschwimmen besteht aus einer Vielzahl spezieller Techniken, die man nach unterschiedlichsten Gesichtspunkten systematisieren kann. Die internationalen Wettkampfbestimmungen des Kunstschwimmens weisen die Kategorien Ballettbein, Delphin, Salto und Verschiedenes aus.

Im Reigenschwimmen unterscheidet man Bilder mit horizontalen, vertikalen und kombinierten Veränderungen. Die Figurenvielfalt des Kunstschwimmens ergibt sich aus der Kombination von Grundpositionen (z. B. Rücken, Bauchlage) mit den möglichen Körperhaltungen (z. B. gestreckt, gehechtet) und den Grundbewegungen (z. B. Drehungen, Schrauben, Salti), die mit speziellen Schwimm- und Tauchtechniken verbunden werden.

Weiterführende Literatur

(siehe auch neue Literaturhinweise im IAT-Literaturservice)

Jones, F. L./Lindemann, J. I.: The components of synchronized swimming. New Jersey 1975.

Lewin, G.: Schwimmsport. Berlin 1982.

Rosmarin, J.: Kunstschwimmen. In: Schwimmsport-Praxis. Reinbeck 1988.


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