1.27.5 Freestyle

Charakteristik

Das Trickskifahren ist eine Form des alpinen Skilaufs. Es besteht aus den Disziplinen Skiballett, Buckelpistenfahren und Skikunstspringen. Jede Disziplin setzt sicheres und dynamisches Skifahren voraus und stellt hohe Anforderungen an die koordinative Befähigung und an die physischen Fähigkeiten des Sportlers.

Das Trickskifahren ist eine Herausforderung und Abwechslung für anspruchsvolle Freizeit-Skifahrer sowie eine publikumswirksame und für die Medien überschaubare und für Leistungssportler leicht zugängliche Wettkampfform.

Seit 1992 gehört das Buckelpistenfahren zum Programm der Olympischen Winterspiele. 1994 kommt das Skikunstspringen hinzu.

Skiballett

Das Skiballett weist Parallelen zum Eiskunstlauf auf. Nach Musikbegleitung werden während einer Skiabfahrt an einem glatten, flachen (Neigung ca. 11<198>-16<198>) und etwa 200 - 250m langen Hang Elemente aus der Gymnastik, dem Tanz und dem Eiskunstlauf gezeigt. Im Vordergrund stehen die exakte Darstellung der jeweiligen „Figuren“ und deren harmonische und fließende Verbindung im Rhythmus der Begleitmusik.

Typische Bewegungsabläufe sind Kreuzschritte, Drehungen, Pirouetten, eingesprungene Schwünge, Innenski- und Rückwärts-schwünge, Überschläge und Spitzkehren.

Die Leistungen werden durch Wertungsrichter beurteilt.

Für das Skiballett werden leichte und sehr drehfreudige Ski verwendet. Ihre Länge (projektierte Länge) muß mindestens 81% der Körpergröße des Wettkämpfers betragen.

Buckelpistenfahren

Beim Buckelpistenfahren kommt es darauf an, eine steil abfallende Piste (Neigung ca. 28<198>- 38<198>) durch extrem kurze und schnelle Schwünge dicht an der Fallinie zu bewältigen.

Der Wettkämpfer darf nie die Kontrolle über die Ski verlieren. Er muß versuchen, einen schnellen, flüssigen, technisch sauberen und der Piste angepaßten Lauf zu zeigen.

In der Buckelpiste werden vorwiegend Varianten der Tiefentlastung gefahren. Typische Merkmale sind die Antizipation und die schnellen Ausgleichsbewegungen der Beine bei relativ ruhiger Oberkörperhaltung.

Während der Abfahrt am ca. 300 m langen Hang werden zwei Pflichtsprünge gefordert. Sie sollen spontan und ohne lange Vorbereitung mit sofortiger Rückkehr in den Schwungrhythmus ausgeführt werden.

Die Ski sollten eine Länge von 1,70 m - 1,90 m aufweisen.

Skikunstspringen

Das Skikunstspringen wird auf speziell präparierten Sprunganlagen gezeigt. Es handelt sich um sogenannte „Wurf“- oder „Looping“-Schanzen, d.h. der Schanzentisch fällt nicht wie beim traditionellen Skispringen leicht ab, sondern er steigt mehr oder weniger steil nach oben an, je nachdem ob aufrechte Sprünge, Salti vorwärts oder Salti rückwärts vorgesehen sind.

Nach einer relativ kurzen und aufrechten Anfahrt wird der Springer schwungvoll nach oben geschleudert. Dank der enormen Sprunghöhe hat der Aktive Zeit, akrobatische Drehungen und Schrauben während der Flugphase zu zeigen.

Die Landung erfolgt auf einem aufgeschütteten sehr steilen Hang, um den Landedruck möglichst klein zu halten.

Wichtige Trainingsmittel für Skikunstspringer sind das Trampolinspringen und Sprünge von Wasserrampen.

Um Risiken zu vermeiden, unterzieht sich vor Saisonbeginn jeder Wettkampfspringer einer „Sicherheitsqualifikation“. Es werden Sprungprogramme auf Wasserrampen gefordert.

Geschichte

Die Anfänge des Freistil-Skifahrens sind gegen Ende der zwanziger Jahre zu suchen.

Dr. Fritz Reuel versuchte Eiskunstlauftechniken auf Ski zu übertragen. In diesem Zusammenhang kreierte er den noch heute gern gefahrenen Innenskischwung mit weggestrecktem Bein (Reuel-Schwung).

In den dreißiger Jahren zeigte Birger Ruud (Norwegen) erste Salti auf Sprungschanzen. Gleiches vollbrachte Stein Erikson (Norwegen) in den fünfziger Jahren.

Etwas später gelangen dem Österreicher Hermann Göllner Salti mit Schrauben und Arthur Furrer (Schweiz) demonstrierte zahlreiche Grundfiguren des Skiballetts.

Erste Ski-Shows boten Roger Staub (Schweiz) und Hermann Göllner dar.

1971 gründeten Manfred Kastner (Österreich), Bernd Garhammer u.a. einen Skizirkus (IPSA - International Perfekt Ski Artists). Im gleichen Jahr fand in Colorado die erste offizielle Weltmeisterschaft im Freistil-Skifahren statt, bei der Bernd („Fuzzi“) Grahammer siegte.

1973 ist das Gründungsjahr der „International Freestyle Skiers Association“ (IFSA), die zunächst das Ziel verfolgte, Wettkampfregeln und Sicherheitskontrollen zu vereinheitlichen. Der erste „Ski-Freistil-Cup“ in Europa wurde im gleichen Jahr ausgetragen.

1974 erfolgte die Gründung der „Deutschen Akrobatik- und Kunstskilauforganisation e.V.“ (DAKSO) zur Förderung des Kunstskilaufs.

1975 demonstrierten beim X. Internationalen Skikongreß in Strbske Pleso Sportler aus bereits sechs Nationen Trickskiformen.

1981 anerkannte die FIS den Freestyle-Sport. Gleiches erfolgt 1985 durch den Deutschen Skiverband. Damit wurden auch Elemente in das Programm des Skilehrwesens aufgenommen.

Seit 1985 werden regelmäßig nationale und internationale Meisterschaften im Freistil- Skilauf ausgetragen.

Olympische Premiere erlebte Freestyle mit der Disziplin Buckelpiste 1992 in Albertville (Frankreich).

Wettkampfregeln

Skiballett

Beim Skiballett werden die Sieger und Plazierten durch 5 Wertungsrichter ermittelt. Sie schätzen während eines Qualifikations- und Finallaufes zu 50% die technische Ausführung und die Gesamtdarbietung, zu 25% die Virtuosität und Choreographie sowie zu 25% den technischen Schwierigkeitsgrad ein.

Jeder Kampfrichter vergibt Noten zwischen 0 und 10 Punkten. Nach Streichung der niedrigsten und höchsten Note ergibt sich aus dem Durchschnitt der drei verbleibenden das Endresultat.

Stürze und Skiverlust werden mit Punktabzügen bzw. Disqualifikation geahndet.

Die Begleitmusik kann der Wettkämpfer selbst wählen.

Buckelpistenfahren

Beim Buckelpistenfahren gehen die Einschätzungen der Wertungsrichter zu 75% (50% Fahrtechnik und 25% Sprungtechnik) und die elektronisch gemessene Fahrzeit zu 25% in das Gesamtergebnis ein. Die Rangfolge wird in Punkten ausgedrückt.

Ähnlich wie beim Skiballett gibt es Vor- und Finalläufe. Während die Vorläufe immer als Einzelrennen ausgetragen werden, können die Finalläufe auch als Parallelrennen stattfinden. Der Sieger wird dann im K.o.-System ermittelt.

Bei jeder Buckelpistenabfahrt sind mindestens zwei Pflichtsprünge (aber keine Salti) gefordert.

Für Stürze gibt es Strafpunkte. Skiverlust und nicht Erreichen der Ziellinie führen zur Disqualifikation.

Skikunstspringen

Beim Skikunstspringen werden zwei Durchgänge auf drei unterschiedlichen Schanzen gefordert. Der Sprungplan muß vorher beim Kampfgericht angemeldet werden.

In die Wertung fallen die technische Ausführung der Bewegungsphasen Absprung, Flug und Landung. Die erreichte Punktzahl wird mit dem entsprechenden Schwierigkeitsgrad des Sprunges zum Endergebnis multipliziert.

Weiterführende Literatur:

(siehe auch neue Literaturhinweise im IAT-Literaturservice)

Gamma, Karl: Das Ski- Handbuch, Christian Verlag, 1981.

Grahammer, Ernst: Neuer Spaß am Skifahren, Buckelpistentechnik, München, 1991.


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