1.27.3 Nordische Kombination

Allgemeine Charakteristik

Die Nordische Kombination ist eine Zweikampfdisziplin des Skisports, die aus Skisprung und Langlauf besteht und ausschließlich im männlichen Bereich betrieben wird.

Der Skisprung wird auf einer Normalschanze mit einem Normpunkt von 60-70 m ausgetragen. Jeweils 3 Wertungssprünge sind zu absolvieren, von denen die zwei besten in die Wertung gelangen.

Der Kombinationslanglauf erstreckt sich über eine Länge von 15 km, der in der „Freien Technik“ gelaufen wird.

Historische Daten (vgl. auch Skisprung)

Die Nordische Kombination entstand im Zusammenhang mit dem nordischen Skilauf insgesamt (Laufen und Springen wurde von vielen nordischen Skiläufern geübt).

Bereits 1883 wurde anläßlich der Huseby-Spiele (Oslo) ein „Königspokal“ für einen Kombinationswettkampf aus Sprung und Langlauf (18 km) gestiftet.

1892 fanden die ersten Holmenkollen-Skispiele statt, bei denen der Sieger in der Nordischen Kombination den Königspokal aus der Hand des Königs erhielt.

1912 belegte ein Deutscher, Böhm-Hennes, am Holmenkollen den 4. Platz in der Nordischen Kombination.

Zu einem der ganz Großen in der Nordischen Kombination zu Beginn des nordischen Skisports zählt Lauritz Bergendahl (NOR), der 1910, 1912, 1913, 1914 und 1915 die Nordische Kombiantion und den 50 km Skimarathon am Holmenkollen gewann. Eine ähnliche Vielseitigkeit (Siege in der Nordischen Kombination und Siege im Langlauf oder Sprung) zeigten später auch Thorleif Haug (NOR), Johan Grötumsbraaten (NOR).

Bei den 1. Olympischen Winterspielen in Chamonix gewinnt Thorleif Haug die erste Goldmedaille in der Nordischen Kombination.

Den ersten großen Erfolg eines Deutschen in der Nordischen Kombination erringt Gustl Berauer 1939 bei den Skiweltmeisterschaften in Zakopane.

Von Anbeginn der Wettkämpfe in der Nordischen Kombination wurde der Lauf bis 1952 vor dem Skispringen durchgeführt. Seit den Olympischen Spielen 1952 in Oslo wird das Springen vor dem Laufen ausgetragen.

1956 (Olympische Spiele in Cortina de Ampezzo) wurde die Langlaufstrecke in der Nordischen Kombination auf 15 km neu festgelegt.

Bei den Olympischen Spielen 1960 in Squaw Valley gewann mit den Deutschen Georg Thoma erstmals ein Mitteleuropäer die Olympische Goldmedaille. Auch in den Folgejahren spietlen die Deutschen eine überaus große Rolle. Sie gewannen nach Thoma auch 1968 (Keller/BRD) 1972/76/80 (Wehling/DDR1)) die Olympischen Goldmedaillen und waren auch bei den Skiweltmeisterschaften 1966 (Thoma/BRD) 1974 (Wehling/DDR) 1978 (Winkler/ DDR) und 1985 (Weinbuch/BRD) erfolgreich.

Bis 1984 wurde der Nordische Kombinationslanglauf im Einzelwettkampf in der Reihenfolge der ausgelosten Startnummern in Zeitabständen von einer halben Minute gestartet. Der Zeitschnellste erhielt 240 Punkte. Die Zeitrückstände der nachfolgenden Läufer wurde in Punktabzüge umgerechnet.

Bereits ab 1982 erfolgte der Start im Kombinationslanglauf des Mannschaftsstaffellaufes nach der sogenannten Gundersen-Methode, ab 1985 (SWM in Seefeld/AUT) auch im Einzelwettkampf.

Seit 1982 steht auch ein Mannschaftswettkampf auf dem Programm der Nordischen Skiweltmeisterschaften und der Olympischen Winterspiele.

Während der Kombinationslanglauf bis 1984 in der sogenannten Klassischen Technik (Diagonalschritt) gelaufen wurde, wird seit 1985 der Lauf in der „Freien Technik“ durchgeführt.

Neuerdings gehört ein weiterer Mannschaftswettkampf, der sogenannte NK-Sprintwettkampf, zum Programm von WC-Wettkämpfen, der allerdings nicht Bestandteil des Olympia- und Weltmeisterschaftsprogramms ist.

Regeln und Bestimmungen für die Durchführung der Wettkämpfe

Einzelwettkampf

Für den Kombinationssprunglauf und -langlauf gelten im wesentlichen dieselben Regeln der IWO wie bei Skisprung und Langlauf (siehe Skispringen/Langlauf). Allerdings sind einige Ergänzungen zu beachten, die im folgenden bestehen:

Das Kombinationsspringen

Das Kombinationsspringen wird auf einer Schanze mit einem Normpunkt (P) zwischen 60 und 70 m ausgetragen (bei Olympischen Spielen und Skiweltmeisterschaften ist P=70 m).

Beim Kombinationsspringen werden 3 Wertungssprünge absolviert, wovon die jeweils 2 besten Gesamtnoten addiert werden (schlechteste Gesamtnote eines Springers wird gestrichen).

Für die Berechnung der Weitennoten erhält der weiteste Sprung (auch wenn gestürzt) jedes Durchganges eine Weitennote von 60 Punkte (das ist abweichend vom Spezialsprunglauf).

Für kürzere Sprünge erfolgen (entsprechend der Weitendiffenz zur Durchgangsbestweite) Punktabzüge.

Die Punktabzüge für 1 m Weitendifferenz sind auf Schanzen mit unterschiedlichen Normpunkten unterschiedlich (vgl. Tab.) und weichen insgesamt von denen im Spezialsprunglauf ab.

Bei Sprungschanzen mit Normpunkt = P

mehr als 86.0 m : 1 m = 1,2 Punkte

72.0 m bis 85.5 m : 1 m = 1,4 Punkte

60.5 m bis 71.5 m : 1 m = 1,6 Punkte

40.5 m bis 60.0 m : 1 m = 1,8 Punkte

25.5 m bis 40.0 m : 1 m = 2,4 Punkte

15.5 m bis 25.0 m : 1 m = 3,0 Punkte

bis zu 15.0 m : 1 m = 3,6 Punkte

Der Kombinationslanglauf

Der Langlauf wird nach der Gundersen-Methode in der „Freien Technik“ durchgeführt. Das bedeutet, daß der Sieger des Kombinationsspringens als erster startet. Die nachfolgend Plazierten starten entsprechend ihrer Punktrückstände aus dem Sprungwettkampf, die in Zeitrückstände umgerechnet werden. Wieviel Punkte eine Zeitdifferenz von 1 Minute ausmachen, ist von der Länge der Laufstrecke abhängig (vgl. Tab.).

Streckenlänge Punktezahl für 1 Minute:

15 km Strecke <+>9 Punkte

10 km Strecke 12 Punkte

9 km Strecke 13,2 Punkte

8 km Strecke 14,4 Punkte

7 km Strecke 15,6 Punkte

6 km Strecke 16,8 Punkte

5 km Strecke 18 Punkte

Die Umrechnung der Punktdifferenzen erfolgt in volle Sekunden.

Entsprechend der möglichen kurzen Startzeitunterschiede zwischen den einzelnen Wettkämpfern sind mehrere Startplätze nebeneinander vorhanden.

Die Laufzeiten werden in vollen Zehntelsekunden gemessen und in die Ergebnisliste eingetragen.

Der Sieger und die Plazierten werden nach der Reihenfolge der Überquerung der Ziellinie bestimmt.

Der Nordische Staffelwettkampf

Der Staffelwettkampf besteht aus einer Mannschaft mit Sportlern, die ein Mannschaftsspringen und einen 3 x 10 km Staffellauf absolvieren.

Jeder der 3 am Mannschaftsspringen teilnehmenden Sportler muß auch den 3 x 10 km Staffellauf bestreiten.

Die Gesamtnoten der 2 besten Sprünge (von 3 Durchgängen) jedes Sportlers werden zur Gesamtpunktzahl der Mannschaft addiert. Die Startzeitdifferenzen zwischen den einzelnen Mannschaften werden, wie beim Einzelwettkampf beschrieben (Gundersen-Methode), entsprechend der vorhandenen Punktdifferenzen der Mannschaften (nach dem Mannschaftsspringen) errechnet.

Der Start der ersten Läufer der einzelnen Mannschaften im 3 x 10 km Staffellauf erfolgt nach der Gundersen-Methode. Die nachfolgenden zweiten und dritten Läufer jeder Mannschaft starten nach Handschlag des ankommenden Wettkämpfers auf irgendeinem Körperteil des startenden Wettkämpfers.

Sieger ist die Mannschaft, deren Schlußläufer als erster die Ziellinie überschreitet.

Der NK-Sprintwettkampf

Der Sprintwettkampf besteht aus einer Mannschaft mit 2 Kombinierern, die ein Mannschaftsspringen und einen Langlauf über 15 km bestreiten.

Diese 15 km Strecke wird in kleinere Teilstrecken (Runden) zerlegt (zwischen 400 m und maximal 1750 m). Die beiden Mannschaftsmitglieder laufen abwechselnd jeweils eine Runde, bis 15 km absolviert sind.

Das Mannschaftsspringen wird wie beim NK-Staffelwettkampf (allerdings mit nur zwei Wettkämpfern) ausgetragen.

Der Start im Sprintwettkampf erfolgt (wie beim Staffelwettkampf) nach der Gundersen-Methode.

Sieger ist die Mannschaft, die als erste die Ziellinie nach 15 km überläuft.

Training

Im Training der Nordischen Kombination muß ein Kompromiß zwischen der spezifischen Schnellkraftleistung, die das Spezialspringen erfordert und der Ausdauer des Spezialisten im Langlauf gefunden werden. Diese beiden Fähigkeiten sind gleichzeitig nicht maximal zu entwickeln. Um das optimale Leistungspotential bei wichtigen Wettbewerben ausschöpfen zu können, ist es für den Sportler unerläßlich, sich im Training beiden Teildisziplinen eingehend zu widmen, damit sich keine gravierenden Unterschiede (Einseitigkeit) ergeben.

Besonders kompliziert ist die konditionelle Ausbildung des Nordisch Kombinierten. Ausdauertraining bewirkt in der Muskelzelle spezifische Anpassungen, die für Schnellkraftleistungen hemmend wirken können, (z.B. verstärkte Kapillarisierung, enzymatische Veränderungen in der Muskelzelle, Strukturveränderungen in den Muskelfasern, besondere Wirkungsweise des Nerven-Muskel-Systems).

Der Aufwand für das Training der Einzeldisziplin ist abhängig von anlagebedingten Voraussetzungen im Organismus, von Besonderheiten im psychischen Bereich sowie von trainingsbedingten Stärken und Schwächen des Sportlers im konditionellen und technisch-koordinativen Ausbildungsstand.

Literatur:

(siehe auch neue Literaturhinweise im IAT-Literaturservice)

Autorenkollektiv unter der Leitung von F. Reichert: Skisport, Sportverlag Berlin 1978 287 S.

Benecken, S.: Die Stellung und Entwicklung der Ausdauerfähigkeit im Aufbautraining der Nordischen Kombination. - Leipzig. - DHfK, Diplomarbeit 1988

Bergant, E.: Planica 1934 - 1972. - Ljubljana: tiskarna Slovenija, 1972. - 80 S.

Doerry, K./Dörr, W.; Das Olympia-Buch, Olympia-Verlag G.M.B.H., München, 1927

Einsiedel, J.: Zur Gestaltung des akzentuierten Sprungtrainings der Nordischen Kombination im Aufbautraining der Altersklassen 15/16 unter Beachtung der Transformationszeiten nach verstärkten Ausdauer- und Kraftausdauerbelastungen bzw. Maximalkraftbelastung. - Leipzig.-DHfK, Diplomarbeit 1989

Internationale Skiwettkampfordnung (IWO), Band III: Skisprung/Skifliegen/Nordische Kombination, Ausgabe 1992

Luther, C.: „Vom Hop zum aerodynamischen Flug“ in „Fortschritte der Uhrentechnik durch Forschung - vom Skisprung zum Skiflug“ (Festschrift für Dr. Ing. Straumann), Steinkopf-Verlag, Stuttgart, 1972

offizielles Bulletin des Internationalen Skiverbandes, Nr. 114/1a - 3/1992

Winkler, K.: Die Herausbildung der sportlichen Form in der Nordischen Kombination im Jahresverlauf, dargestellt am Beispiel des Trainings von Konrad Winkler in den Jahren 1975-1982.-Leipzig.-DHfK, Diplomarbeit 1984


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