1.21. Rhythmische Sportgymnastik

Grundidee, Bedeutung, soziale Werte

Die Rhythmische Sportgymnastik gehört zum sportlich-künstlerisch orientierten Teilgebiet der Gymnastik. Die nach instrumentaler Musik kreativ und ästhetisch gestalteten Wettkampfübungen sind durch sportlich-tänzerische sowie akrobatische Beherrschung des Körpers und der Handgeräte gekennzeichnet. Von Mädchen und Frauen als internationaler Wettkampfsport betrieben, häufen sich die Bestrebungen, die gesundheitlichen und sozialen Werte weiter für den Breitensport und auch für Männer zu erschließen. Rhythmische Sportgymnastik trägt in hohem Maße zur Verbesserung der Bewegungskoordination, des Rhythmusgefühls und der tänzerischen Befähigung bei und entwickelt Bewegungsphantasie, Improvisationsvermögen und ästhetisch-elegantes Auftreten.

Ursprung, Geschichte, Verbreitung

Zu den Vorläufern der Rhythmischen Sportgymnastik gehören die Ausdrucksgymnastik des 19. Jh., die seit Anfang des 20. Jh. in Westeuropa verbreitete Rhythmische Gymnastik sowie die Künstlerische Gymnastik, die sich seit den 40er Jahren vor allem in der UdSSR etablierte. Die erste WM fand 1963 statt. Umfassende Regeländerungen bewirkten 1967 die Synthese von Rhythmischer und Künstlerischer Gymnastik. Die Popularität der erneuerten Sportart stieg international dank Einführung der neuen Handgeräte Band (1971) und Keulen (1973) in das Wettkampfprogramm weiter an. Seit 1984 wird bei OS ein Kür-Vierkampf ausgetragen. Rhythmische Sportgymnastik ist keine Massensportart, während Formen der allgemeinen Gymnastik zunehmend populär werden. Die deutschen Gymnastinnen gehören dem Deutschen Turnerbund an (DTB). Die Internationale Turnföderation (FIG = Fédération Internationale de Gymnastique) zählt weltweit 65 nationale Verbände für Rhythmische Sportgymnastik (Stand 1990).

Wettbewerb, Regeln, Technik

Wettbewerb

WM und kontinentale Meisterschaften finden im Wechsel alle 2 Jahre statt. Neben dem olympischen Kür-Vierkampf werden zusätzlich ein Mannschaftswettkampf, ein Gruppenwettbewerb und Finalwettkämpfe in den Handgerätdisziplinen ausgerichtet. Der DTB organisiert nationale Gymnastikwettbewerbe für alle Altersklassen und auch für Herren 1).

Regeln

Im Breitensport gelten vereinfachte Wettkampfregeln, während international die Wertungsvorschriften der FIG verbindlich sind:

4 der 5 Handgeräte (Seil, Reifen, Ball, Keulen und Band) werden für jeweils 2 Jahre als Wettkampfdisziplin ausgeschrieben. Die Übungen dauern in den Einzeldisziplinen ein bis anderthalb, bei Gruppenübungen zwei bis zweieinhalb Minuten und bestehen aus je 4 Elementen höherer und mittlerer Schwierigkeit, die musikinterpretierend mit gymnastischen Bewegungen verbunden werden. Zur Bewertung steht den 6 Kampfrichterinnen eine Notenskala von 0 bis 10 Punkten zur Verfügung. Bei Gruppenwettkämpfen bewertet ein Kampfgericht die kompositorische Leistung und ein zweites die Ausführung. Beide gemittelten Noten werden zu einer Wertung addiert.

Technik

Die Bewegungsmöglichkeiten mit Handgeräten sind nahezu unerschöpflich. Man unterscheidet Körper- und Gerättechniken. Körpertechniken sind: Wellen, Schwünge, Gleichgewichtselemente, Drehungen, Sprünge, einfache Formen des Gehens und Laufens sowie subakrobatische Elemente. Zu den Gerättechniken gehören: Prellen, Werfen, Fangen, Rollen, Kreisen, Schwingen, (Durch-)Schlagen, Zwirbeln, Schlangen und Spiralen.

Weiterführende Literatur:

(siehe auch neue Literaturhinweise im IAT-Literaturservice)

Gienger, S.: Rhythmische Sportgymnastik. Reinbeck 1988.

Internationaler Turnerbund: Wertungsvorschriften Rhythmische Sportgymnastik.

Lissizkaja, T. S.: Rhythmische Sportgymnastik. Berlin 1985.

Wendt, H./Heß, R.: Künstlerische Gymnastik mit Handgeräten. Berlin 1979.


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