1.19. Moderner Fünfkampf

Bedeutung/Geschichte

Der Moderne Fünfkampf wurde dem Pentathlon der antiken Olympischen Spiele nachempfunden. Die Disziplinen gehen zurück auf eine Fabel in der ein Kurier eine Nachricht zu Pferde durch die gegnerischen Linien bringt, sein Pferd verliert, sich mit Degen und Pistole den Weg freikämpft, durch einen Fluß schwimmt und nach einem Lauf durchs Gelände sein Ziel erreicht.

1900 - Moderner Fünfkampf wird in Schweden als Wettkampf betrieben

1912 - Moderner Fünfkampfist erstmals Olympische Disziplin - Wertung nach Platzziffer

1948 - Gründung des Weltdachverbandes (UIPMB)

1954 - erstmalige Anwendung der 1000 Punkte-Wertung bei der WM in Budapest

1969 - Übergang vom 5-km-Geländeritt über 14 Hindernisse zum Springreiten auf 600 m Parcours

1974 - erstmals Europapokal für Verbandsmannschaften

1981 - erstmals Damen Weltmeisterschaften, Änderung der Wettkampfreihenfolge in Reiten-Fechten-Schwimmen-Schießen-Laufen

Organisationen

Union Internationale du Pentathlon Moderneet Biathlon (UIPMB) mit Sitz in Stockholm.

Regeln und Modus

Der Moderne Fünfkampf ist ein Mehrkampf, der sich aus den Disziplinen Springreiten (1. Tag), Degenfechten (2. Tag), 300-m-Freistilschwimmen (3. Tag), Pistolenschießen (4. Tag) und 4000-m-Geländelauf (ebenfalls 4. Tag) zusammensetzt. Er wird von Herren und Damen ausgetragen.

Die Plazierung erfolgt entsprechend der erreichten Gesamtpunktzahl (seit 1954; vorher entschied die Platzziffer). Dabei kann man in jeder Disziplin für eine bestimmte Grundnorm 1000 Punkte erhalten. (Die Ausnahme bildet lediglich die Disziplin „Reiten“, bei der man für das Erreichen der Grundnorm 1100 Punkte erhält. Dies ist aber in Anbetracht des hierbei als zusätzliches Erschwernis hinzukommenden Losverfahrens kein zu großzügig bemessener Lohn!). Wird dieser Wert übertroffen, erhält der Sportler entspechend festgelegte Punktzuschläge (außer beim Reiten). Wird der Normwert nicht erreicht, werden Punkte abgezogen.

Reiten:

- Nullfehlerritt in einer Sollzeit von 103 sec, wobei der Parcours 600 m lang und mit 15 Hindernissen versehen ist (1100 Punkte).

Degenfechten:

- 70 % der möglichen Siege, wobei jeder gegen jeden über 3 min auf einen Treffer ficht.

300-m-Schwimmen (Damen 200 m):

- In beliebiger Stilart, die auch auf der Strecke gewechselt werden kann in 3:54,0 min.

Pistolenschießen:

- 194 von 200 möglichen Ringen bei 20 Schuß (4 mal 5)(25 m Entfernung auf bewegliche Silhouettenscheiben mit einer Höhe von 1,60 m). Maximale Punktzahl: 1332 Punkte.

4000-m-Geländelauf (Damen 2000 m):

- Die Richtzeit beträgt 14:15,0 min.

Im Modernen Fünfkampf werden keine Rekorde und Bestleistungen geführt.

Weiterführende Literatur

(siehe auch neue Literaturhinweise im IAT-Literaturservice)

Drjukov, V.A.: Trenirovka v sovremennom pjatiborje (Modernes Fünfkampftraining). Kiew 1988 (Zdorovija), 127 S.

Frohberger, U. u.a.: Leistungssport Moderner Fünfkampf. München 3(1987)1 (Prakt. Sport-Traumatol. und Sportmed.), S. 4-11.

Koeris, S.: Moderner Fünfkampf. Ahrensburg 1984 (Czwalina).

Krapf,S.: Der Moderne Fünfkampf. Neuhausen 1987 (Weber/Soehne), 144 S.

Minder, P.: Moderner Fünfkampf - Faszination der Vielseitigkeit. Bern 1987 (Sportinformation)10, S. 14-16.

1.20. Radsport

Idee und Werte

Unter dem Begriff Radsport sind folgende wettkampfmäßig auf Fahrrädern ausgetragene Sportarten zusammengefaßt: Straßenradsport, Bahnradsport und Hallenradsport mit dem Kunstradfahren und Ballspielen auf dem Fahrrad.

Radsport gewinnt seine Bedeutumg als sehr publikumswirksamer Wettkampfsport, „rekrutiert“ seine Anhängerschaft aber auch aus Kreisen des Freizeit- und Massensports. Er hat einen hohen Gesundheitswert für Menschen aller Altersbereiche und ist leicht erlernbar. Das Fahrrad ist zudem für viele Menschen ein unentbehrliches Verkehrs- und Beförderungsmittel. Als Standfahrrad mit einstellbarem Widerstand findet das Fahrradergometer im Sport, im Fitneßbereich und in der Medizin breite Anwendung.

Geschichte und Verbreitung

Die Geschichte des Radsports begann mit der Erfindung eines lenkbaren Laufrades - Draisine genannt - durch Ludwig Drais 1817. Es schlossen sich Erfindungen von Tretkurbel (1862), Kette (1885), Luftbereifung (1888) und Freilaufnabe (1900) an.

1860 - erste Straßenrennen, 1868 erste Bahnrennen

1884 - Gründung des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR)

1893 - erste WM im Bahnradsport, 1921 erstmals auf der Straße

1896 - Radsport im Programm der I. Olympischen Spiele

1900 - Gründung der Internationalen Radsport-Union (UCI)

1903 - erste Tour de France (weltgrößtes Etappenrennen)

1969 - Gründung des Deutschen Berufsradrennfahrer-Verbandes

Radsport ist über alle Erdteile verbreitet. 138 nationale Verbände sind Mitglied der UCI (Union Cycliste Internationale - Sitz in Genf). Eine Unterorganisation der UCI ist die Internationale Amateur-Radsport-Föderation (FIAC).

Äußere Bedingungen/ Sportgerät

Training und Wettkämpfe im Straßenradsport werden überwiegend auf normalen Verkehrsstraßen durchgeführt. Für den Wettkampf sind spezielle Fahrbahnmarkierungen, Start- und Zielanlagen sowie umfassende Sicherheitsvorkehrungen üblich.

Der Bahnradsport wird auf Freiluft- und Hallenbahnen mit unterschiedlicher Länge, Breite, Kurvenerhöhung und auf unterschiedlichen Fahrbelägen ausgeübt. Technische Bestimmungen der UCI fordern eine genaue Kontrolle der Bahnabmessung, Sicherheits- und Betriebseinrichtungen.

Das Sportgerät im Straßen- und Bahnradsport ist das Rennrad, das eine spezielle Ausführung als Straßen-Rennrad, Bahn-Rennrad und Steher-Rennrad erfährt. Die Kleidung der Radrennfahrer besteht aus Trikot, Rennhose, Rennschuhen, fingerlosen Handschuhen und Sturzkappe oder Rennmütze.

Olympische Disziplinen des Radsports

Bahnradsport:

- Sprint (Fliegerrennen über 1000 m, Damen, Herren)

- 1000 m Zeitfahren (Herren)

- 4000 m-Einzel-Verfolgungsrennen (Herren)

- 4000 m-Mannschafts-Verfolgungsrennen (Herren)

- Punktefahren (50 km Herren)

Zusätzliche Weltmeisterschaftsdisziplinen (Amateure)

Straßenradsport:

- Querfeldeinfahren (Herren), 70 km Mannschaftsfahren (Damen)

- Bahnradsport: Tandemfahren (Herren)

- Steherrennen (Herren)

- 3000 m-Einzel-Verfolgungsrennen (Damen)

Im Juniorenbereich werden analog zum Erwachsenenbereich jährlich Weltmeisterschaften durchgeführt.

Die Profiradsportler absolvieren ihre eigene WM im Straßenradsport (Einzelrennen), im Bahnradsport (Sprint, Keirin, Einzelverfolgung, Steher) und im Cross.

Im Mountain-Bike und BMX finden ebenfalls Weltmeisterschaften für alle Bereiche (Junioren, Juniorinnen, Frauen, Männer) statt.

1.20.1. Straßenradsport

Wettbewerbe

- Straßeneinzelfahren (offene Straße, 120-160 km)

- Etappenrennen (mehrtätig, Etappen-und Gesamtwertung)

- Straßenmannschaftsfahren (Vierermannschaft, meist 100 km)

- Kriterium (Rundkurs mit Punktwertung je Runde)

- Zeitfahren (Einzelstart gegen die Uhr)

- Querfeldeinrennen (Rundkurs im Gelände)

- Bergrennen (Zeitfahren auf bergigen Straßen)

- BMX (Hindernis-und Geländekurs auf Spezialrädern)

Sportgerät

Das Straßenrennrad, dessen Grundmaße das technische Reglement der UCI (Union Cycliste Internationale) festlegt, ist etwa 8 kg schwer, hat eine Gangschaltung mit 10-18 Übersetzungen und Felgenbremsen. Folgende Teile werden hinsichtlich der individuellen Körpermaße angepaßt:

- Rahmen (Höhe 50-63 cm, Länge 52-60 cm, Rahmengeometrie)

- Lenker (Breite 35-44 cm, Vorbau 6-13 cm, höhenverstellbar)

- Sattel (verstellbar in Höhe, Neigung, nach vorn/hinten)

- Tretkurbel (Länge 165-175 cm)

- Pedalhaken (Tiefe 7,5-9,5 cm).

Zeitfahrmaschinen können einen Speziallenker, kleineres Vorderrad, Scheibenräder und kürzeren Hinterbau haben. Die Reifen wiegen 175 bis 360 g. Man unterscheidet Drahtreifen (z. T. aus Aramidfasern), mit Mantel, Schlauch und Schlauchreifen, bei denen der Schlauch in eine Karkasse eingenäht ist. Die Laufräder bestehen aus Felge, 36 Speichen in gekreuzter Anordnung, Nabe und Reifen. Ständige Weiterentwicklungen des Materials sollen das Gewicht des Rennrades und den Luftwiderstand verringern, dabei jedoch eine hohe Festigkeit und Steifigkeit sichern. So werden u. a. Chrom-Molybdän-Legierungen, Titan, Aluminium und Carbon-Kohlenstoff eingesetzt.

Technik

Zur sportlichen Technik des Radsportlers gehören drei miteinander verbundene Komplexe:

- Fahrtechnik (Windschatten-, Kurven-, Hinterrad-, Staffel-, Bergab-, und Bergauffahren, Ablösetechnik)

- Sitzposition (Minimierung des Luftwiderstandes, Voraussetzung für effektiven Bewegungsablauf-Wechsel von Krafteinsatz und Entspannung-schaffen)

- Trettechnik (Kraftübertragung über Pedalen, Kurbeln, Kette auf Zahnkranz, auch als „Kunst des Pedalierens“ oder runder Tritt bezeichnet).

Taktik

Zum richtigen taktischen Verhalten gehört die flexible Beherrschung folgender Situationen unter wechselnden äußeren Bedingungen:

- Fahren an unterschiedlichen Positionen im Fahrerfeld

- Ausreißversuche (Abfahren, Nachfahren)

- Endspurt (auf der Straße, im Stadion)

- Einhalten der individuellen und Mannschaftstaktik

- Wahl der Übersetzung (optimale Tretfrequenz)

- Einhalten einer geplanten Geschwindigkeitsvorgabe.

Die Ausrichtung der Straßenradsportler nach einer individuellen Intensitätsvorgabe wird für das Training und den Wettkampf durch einen am Lenker angebrachten Fahrradcomputer erleichtert. Er hat z. B. eine Anzeige für Geschwindigkeit, zurückgelegte Strecke, Uhrzeit, Gesamtkilometerzahl und Durchschnittsgeschwindigkeit. Im Training wird er noch mit einem Herzfrequenz-Computer (z. B. Sporttester) zur Belastungsdosierung gekoppelt.

Olympische Disziplinen des Straßenradsportes

Straßenradsport: Straßen-Einzelrennen (Herren, Damen)

Straßen-Mannschaftsrennen (Zeitfahren Vierer-Mannschaft 100 km, Herren)

Literatur

(siehe auch neue Literaturhinweise im IAT-Literaturservice)

Konopka, P.: Radsport. München 1988 (BLV-Verlagsgesellschaft mbH).

1.20.2. Bahnradsport

Wettbewerbe

- Sprint Männer und Frauen

- 1000 m Zeitfahren Männer

- Einzelverfolgung (4000 m Männer / 3000 m Frauen)

- Mannschaftsverfolgung (4000 m Männer)

- Punktefahren (50 km Männer / 30 km Frauen)

- Tandem Männer

- Steherrennen Männer

- Keirin (Wettbewerbe japanischen Ursprungs als eine Art Kampfsprint hinter einem Derny, der ähnlich wie ein Schrittmacher das gesamte Feld bis zur vorletzten Runde anführt)

- Zweiermannschaftsrennen

Bei Bahnradveranstaltungen finden außerdem viele kleinere Wettbewerbe, wie z.B. Temporunden, Italienischer Kilometer oder Unbekannte Distanz statt.

Sportgerät

Das Bahnrad wird wie die Straßenmaschine durch einige festgeschriebene Maße des internationalen Reglements bestimmt. Außerdem gestatten die Anbauteile (Lenker, Sattel usw.) die Anpassung einer individuellen Position (siehe Straßenradsport). Es besitzt im Gegensatz zum Straßenrad keine Gangschaltung und keine Bremsen, d.h. die jeweilig günstigste Übersetzung wird vor jedem Rennen fest montiert (bestimmt durch die Wahl von Kettenblatt und Ritzel). In den Zeitfahrdisziplinen haben sich Scheibenräder fast völlig durchgesetzt, ebenso die Benutzung der Speziallenker aus dem Triathlon. Die aufgeklebten Reifen sind entsprechend der jeweiligen Bahnbeschaffenheit sehr schmal und glatt in der Oberflächengestaltung.

Technik

Der Komplex der sportlichen Technik stellt ähnliche Anforderungen wie im Straßenradsport. Ablösetechniken in der Mannschaftsverfolgung oder in Zweiermannschaftsrennen erfordern jedoch noch ein spezielles Training. Eine sichere und aufmerksame Fahrweise ist vor allem in Disziplinen mit größeren Starterfeldern notwendig.

Taktik

Die Taktik ist in den einzelnen Disziplinen von sehr unterschiedlicher Bedeutung. Insbesondere im Sprint, im Punktefahren oder in Zweiermannschaftsrennen werden sehr hohe Anforderungen an das taktische Verhalten gestellt. In den Zeitfahrdisziplinen steht die Einhaltung einer individuell abgestimmten Zeittabelle im Vordergrund. Die Trainingssteuerung erfolgt unter den gleichen Gesichtspunkten wie im Straßenradsport.

Olympische Disziplinen des Bahnradsports:

Sprint (Männer und Frauen)

Zeitfahren (1000 m Männer)

Einzelverfolgung (3000 m Frauen / 4000 m Männer)

Mannschaftsverfolgung (4000 m Männer)

Punktefahren (50 km Männer)

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