1.18.6. Mehrkämpfe

Charakteristik

Der Zehnkampf der Männer und der Siebenkampf der Frauen bilden die Krone der Leichtathletik.

Hinsichtlich der konditionellen und koordinativen Leistungsvoraussetzungen werden höchste Anforderungen an die Sportlerinnen und Sportler gestellt. Ausschlaggebend für das Gesamtresultat sind außerdem psychisch determinierte Eigenschaften wie Durchhaltevermögen, Risikobereitschaft, Steigerungsfähigkeit und Willenseinsatz.

Verbreitung und historische Fakten

Der Pentathlon (= Fünfkampf) der Griechen ist der älteste Mehrkampf. Für die 18. Olympischen Spiele 708 v. Chr. ist er erstmalig belegt. Bis zum Verbot der Spiele 394 v. Chr. gehörte er zum Wettkampfprogramm. Der Wettbewerb bestand aus dem Stadionlauf (192,8 m), Weitsprung, Diskus-und Speerwurf sowie einem Ringkampf. Die Reihenfolge des Ablaufes und der Modus der Siegerermittlung sind noch nicht eindeutig geklärt. Sicher ist jedoch, daß der Ringkampf als letzte Disziplin absolviert wurde.

Erneuerungsversuche des Pentathlon nach dem Zerfall der griechischen Stadtstaaten sind nicht bekannt. Römern und Germanen waren Vergleiche im Laufen, Springen und Werfen geläufig. Der im Feudalismus von jedem Ritter abgeforderte Nachweis im Beherrschen der „Sieben Behendigkeiten“ (Laufen, Springen, Steinstoßen, Speerwerfen, Reiten, Voltigieren, Jagen) setzte eine äußerst vielseitige körperliche Ausbildung voraus, hatte aber keineswegs Mehrkampfcharakter.

Basedow führte 1774 am Philantropinum in Dessau den Dessauer Pentathlon (Laufen, Springen, Klettern, Balancieren, Tragen) ein. Er wurde aber nicht als Wettkampfsportart betrieben.

Auf dem V. Turnfest der Deutschen Turnerschaft 1880 in Frankfurt/M. wurde ein Dreikampf im Rahmen eines gemischten Sechskampfes ausgetragen. Für die jeweils besten Leistungen konnten in Anlehnung an die Bewertung im Turnen 20 Punkte erreicht werden.

Erst nach der Verbreitung der Leichtathletik als selbständige Sportart entwickelten sich aus den sehr unterschiedlich zusammengesetzten „volkstümlichen Mehrkämpfen“ spezifische Leichtathletik-Mehrkämpfe.

Im Programm der Olympischen Spiele der Neuzeit ist bereits 1904 ein Zehnkampf enthalten. Seine Zusammensetzung: Sprint über 100 yd, Kugelstoß, Hochsprung, 880 yd Gehen, Hammerwurf; Stabhochsprung, 120 yd Hürden, Gewichtwurf, Weitsprung, Meilenlauf (1609 m). Vier Jahre später wird kein Sieger ermittelt. Ab 1912 ist der Zehnkampf wieder fest im Programm integriert. Die Zusammensetzung ist bis heute unverändert geblieben. Ab 1924 erfolgte lediglich ein Austausch in der Reihenfolge der ersten beiden Disziplinen des 2. Tages (110 m Hürden, Diskuswurf).

Der Zehnkampf wurde schon 1911 als Deutsche Meisterschaft ausgetragen.

Die Olympische Premiere im Fünfkampf der Frauen fand 1964 in Tokio statt (80 m Hürden, Kugelstoß, Hochsprung, Weitsprung, 200 m). Acht Jahre später wurde der 80 m-Hürdenlauf durch den 100 m-Hürdenlauf ersetzt. Der Siebenkampf in der heute üblichen Form löste 1981 den Fünfkampf ab. Eine Deutsche Meisterin im Fünfkampf wurde erstmalig 1930 ermittelt (Kugelstoß, Weitsprung, 100 m, Hochsprung, Speerwurf).

Wettkampfgestaltung, Regeln, sportliche Technik

Die Wettbewerbe im Zehn- und Siebenkampf werden an zwei aufeinanderfolgenden Tagen ausgetragen. Die Übersicht des Wettkampfablaufes veranschaulicht die Reihenfolge.

Zehnkampf

1. Tag 2. Tag

100 m-Lauf 110 m-Hürdenlauf

Weitsprung Diskuswurf

Kugelstoß Stabhochsprung

Hochsprung Speerwurf

400 m-Lauf 1500 m-Lauf

Siebenkampf

1. Tag 2. Tag

100 m-Hürdenlauf Weitsprung

Hochsprung Speerwurf

Kugelstoß 800 m-Lauf

200 m-Lauf

- Die in den einzelnen Disziplinen objektiv gemessenen Ergebnisse in Metern, Sekunden bzw. Minuten werden auf der Grundlage spezieller Tabellen in Punkte umgerechnet und addiert. Sieger eines Wettkampfes ist der Sportler bzw. die Sportlerin mit der größten Punktsumme.

- Bei Höhepunktwettkämpfen werden aufgrund der größeren Teilnehmerzahlen zwecks Einhaltung des Zeitplanes die Starter in mindestens zwei Gruppen ausgelost. Lediglich bei den abschließenden Mittelstreckenläufen werden Leistungsgruppen entsprechend der Rangfolge im Gesamtklassement nach der vorletzten Disziplin gebildet.

- Den Startern stehen zu:

* je ein Versuch in allen Läufen;

* je drei Versuche im Weitsprung, Kugelstoßen, Diskus- und Speerwerfen;

* je drei Versuche bei jeder Lattenhöhe im Hoch- und Stabhochsprung.

- Hinsichtlich der Bewegungsabläufe in den einzelnen Disziplinen orientieren sich die Mehrkämpfer und Mehrkämpferinnen an den sportlichen Techniken der Spezialisten (z. B. Schwebehang- oder Laufsprung im Weitsprung, Flop im Hochsprung).


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