1.18.5. Wurf- und Stoßdisziplinen
Charakteristik
Dieser Disziplingruppe werden Kugelstoßen, Diskus-, Speer- und Hammerwerfen zugeordnet, wobei die letztgenannte Konkurrenz im Wettkampf nur männlichen Athleten vorbehalten ist.
Bei Einhaltung äußerer Zwangsbedingungen (vgl. Kugelstoßen, Diskus- und Hammerwerfen aus einem Stoß- bzw. Wurfring mit vorgegebenen Durchmessern) kommt es darauf an, das entsprechende Gerät beim Ausstoß/Abwurf auf eine möglichst hohe Abfluggeschwindigkeit (= Vo) zu beschleunigen.
Hinsichtlich der Abflughöhe ist der durch die Körpergröße vorgegebene Spielraum maximal auszuschöpfen, für den Abflugwinkel sind disziplinspezifische Optima einzuhalten.
Verbreitung und historische Fakten
Genau wie Laufen und Springen zählt das Werfen zu den ältesten und natürlichsten Bewegungsformen des Menschen. Besonders bei der Jagd und in kriegerischen Auseinandersetzungen waren ein hohes Maß an Fertigkeiten und Treffsicherheit erforderlich.
Speerwerfen war bereits Bestandteil des Pentathlon (= Fünfkampf) der Griechen bei den Olympischen Spielen der Antike.
Zu den Inhalten des Vaterländischen Turnens von Friedrich Ludwig Jahn zählte das Werfen mit dem Ger (= speerähnliches Wurfgerät) aus dem Stand oder mit Anlauf nach einem Zielpfahl.
Schwedische Sportler demonstrierten 1906 bei den Olympischen Zwischenspielen in Athen erstmalig das Speerwerfen in der heute bekannten Form.
Kugelstoßen und Diskuswerfen der Männer sind seit 1896 olympische Disziplin, Hammerwerfen folgte 4 Jahre später.
Bei den Spielen 1912 in Stockholm stand die Beidseitigkeit in hoher Gunst. Im Kugelstoßen, Diskus- und Speerwerfen wurden zweimal Sieger und Plazierte ermittelt:
a) Ergebnisse mit dem rechten Arm und
b) Ergebnisse mit dem rechten und linken Arm (Addition).
Interessant sind folgende Resultate zur Kategorie b:
Rose - USA - siegte im Kugelstoßen mit 27,70 m,
Taipale - FIN - im Diskuswerfen mit 82,86 m und
Saaristo - FIN - im Speerwerfen mit 109,42 m!
Die Frauenkonkurrenzen fanden wie folgt Aufnahme in das Olympische Programm: 1928: Diskuswerfen 1932: Speerwerfen 1948: Kugelstoßen
Der erste deutsche Meister im Speerwerfen wurde 1911 in Dresden ermittelt, im Kugelstoßen werden seit 1902 deutsche Rekorde geführt.
Wettkampfgestaltung, Regeln, sportliche Technik
Je nach Anzahl der Starter werden bei bedeutsamen Wettkämpfen (WM, OS u. a.) die Finalisten über Qualifikationswettbewerbe und Vorkampf ermittelt. Jedem Wettkämpfer stehen im Qualifikations- und Vorkampf nach ausgeloster Reihenfolge jeweils 3 Versuche zu. Bei Erreichen eines vorgegebenen Limits im Qualifikationswettkampf ist der betreffende Starter bzw. die Starterin automatisch für die Teilnahme am Vorkampf, der von den 12 Besten bestritten wird, berechtigt. Die 8 Besten des Vorkampfes erhalten zur Ermittlung des Siegers 3 weitere Versuche. Sieger ist der Sportler bzw. die Sportlerin mit der größten Weite, wobei alle im Vor- und Endkampf erzielten Resultate in die Wertung einbezogen werden. Bei gleicher Weite von zwei oder mehr Startern entscheiden die individuell zweitbesten Ergebnisse über die Plazierung.1)
Tutewitsch verweist auf folgende Abflugwinkel bei unterschiedlichen Luftwiderstandskräften:
Die sporttechnischen Besonderheiten der einzelnen Disziplinen lassen sich wie folgt skizzieren:
Kugelstoßen:
Angleittechnik: Der Sportler steht in der Ausgangsstellung mit dem Rücken in Stoßrichtung. Beim Ausstoßen der Kugel zeigt die Vorderseite in Stoßrichtung (= Schwenkbewegung um 180<198>).
Drehstoßtechnik: Ausstoß erfolgt nach eineinhalbfacher Umdrehung.
Diskuswerfen:
In der Ausgangsstellung zeigt der Rücken in Wurfrichtung, Abwurf nach eineinhalbfacher Umdrehung.
Speerwerfen:
Nach geradlinigem Anlauf gelangt der Athlet durch differenzierte Gestaltung der letzten 5 Schritte in eine günstige Abwurfposition (= Bogenspannung des gesamten Körpers; peitschenartige Bewegung des Wurfarmes beim Abwurf).
Hammerwerfen:
Abwurf des Gerätes erfolgt nach 3 oder 4 Umdrehungen des Sportlers.
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