1.18.4. Sprungdisziplinen

Charakteristik

Zur Gruppe der leichtathletischen Sprungdisziplinen zählen Hoch-, Weit-, Drei- und Stabhochsprung. Zur Zeit ist nur der Stabhochsprung noch eine Domäne männlicher Athleten.

Aus einem individuell optimal langen und schnellen Anlauf versucht der Sportler, durch einbeinigen Absprung ein maximales Ergebnis zu erzielen (= Höhe oder Weite). Neben der Sprungkraft bestimmen die Beschleunigungs- und Schnelligkeitsfähigkeiten sowie die Qualität der Koordination der Gesamtkörperbewegungen die Leistungsfähigkeit eines Springers.

Weit- und Dreisprung bilden die Kategorie der horizontalen, Hoch- und Stabhochsprung die der vertikalen Sprünge.

Verbreitung und historische Fakten

Alle 4 Sprungdisziplinen der Männer sind Bestandteil des Olympischen Programmes seit 1896, wobei von 1900 bis 1912 zusätzlich die Besten im Weit- und Hochsprung aus dem Stand ermittelt wurden. Gleiches trifft auf den Dreisprung für 1900 und 1904 zu.

Der Weitsprung zählt zu den ältesten Wettkampfübungen. Er war Bestandteil des griechischen Pentathlon (= Fünfkampf) bei den Olympischen Spielen des klassischen Altertums. Abgesprungen wurde damals von einer Schwelle. In allen Phasen des Sprunges hielten die Athleten kleine Gewichte aus Metall oder Stein (= sogenannte Halteren) in den Händen.

Die Germanen maßen ihre Kräfte im Hochweit- und Weitsprung (vgl. Nibelungenlied). Im Mittelalter gehörte der Weitsprung zur ritterlichen Körperertüchtigung. Ende des 18. Jahrhunderts hatten ihn Vieth, Gutsmuths und Jahn ebenfalls in ihren Programmen zur Körpererziehung. Seine Ausführung einschließlich der Anlagen werden erstmalig beschrieben.

Der Dreisprung ist eine weiterentwickelte Variante des Mehrfachsprunges (= Aneinanderreihung beliebiger Sprungformen). Überliefert ist, daß im Jahre 1465 auf einem Schützenfest in Zürich für den Dreisprungsieger ein Gulden als Preis ausgesetzt war. Im 18. Jahrhundert fanden in Irland Vergleiche Verbreitung, bei denen alle Sprünge mit demselben Bein ausgeführt werden mußten. Der erste deutsche Meister in dieser Disziplin wurde 1931 ermittelt.

Vorformen des Hochsprunges sind Sprünge über mehrere Pferde bei den Germanen (König Teutobod soll 6 Pferde übersprungen haben, daher der Name „Königssprung“!) sowie das Wand- oder Mauerlaufen im Mittelalter. Dabei mußte mit einem oder mehreren Sprüngen ein Mal erreicht werden. Ursprungsland des sportlichen Hochsprunges ist England. Schon 1866 wurde der erste Wettkampf zur Ermittlung des Meisters ausgetragen. In Deutschland wurde der Hochsprung seit Gutsmuths und Jahn gepflegt.

Der Stabhochsprung hat sich aus einer Brauchübung (= Überwinden von Gräben, Hecken u. a. mit Hilfe eines Stabes) entwickelt. Aus der Antike sind Sprünge mit der Lanze zum Aufspringen auf ein Pferd bekannt. Quellen belegen, daß zum Programm der jährlichen Taliteanspiele in Irland (1829 v. Chr. bis 554 n. Chr!) der Stabhochsprung gehörte. Gutsmuths lehrte diese Disziplin am Philanthropinum in Schnepfenthal bei Gotha. Seine besten Schüler sollen Höhen um 2,70 m übersprungen haben. In England wurde 1866 die erste Meisterschaft ausgetragen. Als erster deutscher Rekordhalter wird Reiser (Frankfurt/M.) 30 Jahre später mit 2,70 m geführt.

Wettkampfgestaltung, Regeln, sportliche Technik

Bei großen Leichtathletik-Veranstaltungen wie OS, WM oder EM müssen sich die Endkampfteilnehmer über Qualifikations- und Vorrunde qualifizieren. In den horizontalen Sprüngen (Weit- und Dreisprung) hat dabei jeder Starter jeweils 3 Versuche, wogegen den Hoch- und Stabhochspringern bei jeder Lattenhöhe dieses Recht eingeräumt wird.

Die 12 Besten der Qualifikationsrunden ermitteln im Vor- und Endkampf den Sieger. Im Weit- und Dreisprung absolvieren die jeweils 8 Vorkampfbesten weitere 3 Sprünge. Sieger ist der Sportler bzw. die Sportlerin mit der größten Weite aus Vor- und Endkampf. Bei gleichem Ergebnis entscheidet das individuell zweitbeste Resultat über die Rangfolge.

Die Sprungphasen im Dreisprung werden mit den englischen Termini Hop, Step und Jump bezeichnet. Vorgeschrieben ist, daß die Absprünge zum Hop und Step mit dem gleichen Bein auszuführen sind, erst beim Absprung zum Jump erfolgt ein Beinwechsel. Die Sprungfolge ist somit links-links-rechts bzw. rechts-rechts-links.

Aus Gründen der Anlaufsicherheit und -genauigkeit werden in allen Sprungkonkurrenzen individuelle Markierungen in Form kleiner farbiger Pflöcke benutzt.

Der Absprung im Weit- und Dreisprung erfolgt von einem in die Anlaufbahn eingelassenen Balken von 20 cm Breite. Im Hochsprung variiert die Absprungstelle je nach Anlaufgeschwindigkeit und Lattenhöhe. Im Stabhochsprung stellt der Einstichkasten für den Stab beim Absprung einen Fixpunkt dar. Übergetretene Sprünge (Weit- und Dreisprung) bzw. das Reißen der Latte im Hoch- und Stabhochsprung werden als ungültige Versuche gewertet.

Hinsichtlich der Sprungtechniken sind besonders im Weit- und Hochsprung unterschiedliche Lösungsverfahren auch von Laien auszumachen: Im Weitsprung werden die Unterschiede in der Gestaltung der Flugphase sichtbar (Hock-, Schwebehang-, Laufsprung). Im Hochsprung dominiert eindeutig der Flop (Rücken zeigt bei der Lattenüberquerung zur Latte), während der Straddle nur noch vereinzelt angewandt wird (Vorderseite zeigt bei der Lattenüberquerung zur Latte).

Literatur

(siehe auch neue Literaturhinweise im IAT-Literaturservice)

Bauersfeld, K.-H./Schröter, G.: Grundlagen der Leichtathletik. Hochschullehrbuch. Berlin 1979 (Sportverlag).

Harre u. a.: Trainingslehre. Berlin 1979 (Sportverlag).

Kleine Enzyklopädie Körperkultur und Sport. Leipzig 1960 (Verlag Enzyklopädie).

Kleines olympisches Lexikon. Leipzig 1980 (VEB Bibliographisches Institut).

Leichtathletik: Ein Handbuch für Trainer, Übungsleiter und Sportlehrer. Berlin 1964 (Sportverlag).

Training von A bis Z. Berlin 1980 (Sportverlag).


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