1.18.2. Mittel- und Langstreckenläufe
Idee und Werte
Die Mittel- und Langstreckenläufe sind die Ausdauerdisziplinen der Leichtathletik. Der 3 000m-Hindernislauf erhält zusätzlich eine technisch-koordinative Komponente.
Neben den nach dem Reglement des Internationalen Leichtathletikverbandes (IAAF) durchgeführten Wettkämpfen zwischen 800 m und 42,195 km (Marathonlauf) entwickelte sich weltweit der Ausdauerlauf im Sinne einer Massenbewegung. Typisch für diese Entwicklung sind Wettkampfangebote für alle Leistungskategorien:
- Wettkämpfe im Rahmen von Leichtathletikveranstaltungen, einschließlich internationale Meisterschaften im Straßenlauf und Crosslauf
- Marathonläufe, besonders Städtemarathons mit langer Tradition (Boston- Marathon seit 1897, New York-Marathon seit 1908)
- Volks- und Massenläufe mit unterschiedlicher Distanz auf traditionellen Laufstrecken.
Mittel- und Langstreckenwettkämpfe sind aufgrund ihres oft dramatischen Verlaufs und der Überschaubarkeit bei der Ermittlung des Rennergebnisses zuschauer- und medienwirksam.
Das Ausdauertraining im Lauf hat hohe gesundheitliche und persönlichkeitsbildende Werte im Fitness-Sport sowie in der Prävention und Rehabilitation von Herz- Kreislauf- Erkrankungen.
Geschichte
- Im Programm der Olympischen Spiele der Antike waren Laufwettbewerbe von Beginn an enthalten, d.h. Läufe über 8, später 10, 12 und 24 Stadien( 1 Stadienlänge entsprach 192,27 m). Fester Bestandteil war der Lauf auch im Training vor den Spielen in Olympia.
- Zu welchen beachtlichen Leistungen die Griechen durch systematisches Training fähig waren, beweisen Überlieferungen: der Athener Philippides legte 490 v.u.Z. eine Strecke von über 200 km (von Athen nach Sparta) in 2 Tagen zurück; in Anerkennung der Leistung des Atheners, der die Strecke von Marathon bis nach Athen (ca. 40 km) zurücklegte, um die Nachricht vom Sieg über die Perser zu überbringen, wird seit den I. Olympischen Spielen 1896 der Marathonlauf ausgetragen. vgl.: Schöbel, H.: Olympia und seine Spiele. - Leipzig. - Urania- Verlag. 1976. - S. 61
- Auch im Programm der I. Olympischen Spiele der Neuzeit erhielten die Mittel- und Langstreckenläufe einen gebührenden Platz.
Hindernislauf
Abmessung der Hindernisse:
- Höhe: 91,1 - 91,7 cm
- Länge: 3,96 cm
- Breite: 12,7 cm
Abmessung des Wassergrabens:
Länge: 3,66 m einschließlich Hindernis
Tiefe: 76 cm (nimmt kontinuierlich bis zum hinteren Rand ab);
Der Wassergraben ist mit einer 2,5 cm dicken Matte auszulegen.
Abstand zwischen den Hindernissen:
76 m je nach Lage des Wassergrabens am inneren oder äußeren Rand der Laufbahn)
Training
Ziel des Lauftrainings ist es, den Organismus so anzupassen, daß bei einer disziplinspezifisch hohen Belastungsdauer und Laufgeschwindigkeit Ermüdungsvorgänge kompensiert werden können (Langstreckenlauf), bzw. über einen langen Zeitraum stabile Stoffwechselverhältnisse sowie Herz-Kreislauf- und Atmungsregulationen aufrechterhalten oder in rennentscheidenden Situation maximal mobilisiert werden können (Mittelstreckenlauf).
In Abhängigkeit von der Belastungsdauer sind typische Stoffwechselvorgänge in der Arbeitsmuskulatur anzutreffen und im Lauftraining gezielt zu trainieren:
Zur Steuerung des Trainings im Lauf hat der aerob-anaerobe Übergang grundsätzliche Bedeutung für die Ausdauerentwicklung (aerobe Schwelle: 3 mmol/l Laktat; anaerobe Schwelle: 4 mmol/l Laktat). Hohe Anteile anaeroben Trainings hemmen Ausdaueranpassungen.
In den verschiedenen Disziplinen sind folgende Anteile des Stoffwechsels zu verallgemeinern und bestimmen die Trainingsstruktur:
Haupttrainingsmethoden der Läufer sind:
- Dauermethode (Haupttrainingsmittel: Dauerlauf mit hohen Anteilen im aeroben Stoffwechselbereich)
- intensive und extensive Intervallmethode (Haupttrainingsmittel: Tempolauf mit disziplinspezifisch langen Teilstrecken und Geschwindigkeiten im aerob-anaeroben und anaeroben Stoffwechselbereich).
- Zur Sicherung der Belastbarkeit insbesondere des Binde- und Stützsystems wird Athletiktraining, Techniktraining sowie Ausdauertraining mit Mitteln anderer Sportarten eingesetzt. Aus taktischen Erwägungen heraus erhält im Spitzentraining die Variabilität der Schrittfrequenz unter Ermüdungsbedingungen zunehmende Bedeutung.
Literatur
(siehe auch neue Literaturhinweise im IAT-Literaturservice)
Fixx, J.: Das komplette Buch vom Laufen. Frankfurt am Main 1989 (Rowohlt Taschenbuch-Verlag).
Föhrenbach, R.: Leistungsdiagnostik, Trainingsanalyse und -steuerung bei Läuferinnen und Läufern verschiedener Laufdisziplinen. Konstanz 1986 (Hartung-Gorre).
Lydiard, A. L.: Das systematische Mittel- und Langstreckentraining. München 1987 (Bartels & Wernitz).
Reichel, H.-S.: Spezialprogramm für Läufer - Gymnastik, Stretching, Krafttraining. Oberhaching 1988 (Sportinform-Verlag).
Wülbeck, W.: Lauftraining mit Willi Wülbeck. Oberhaching 1988 (Sportinform Verlag).
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