1.18.1. Kurzstrecken- und Hürdenläufe

Charakteristik

Diese Disziplingruppe umfaßt Läufe über Strecken bis zu 400 m. Läufe über 100-200 m werden als Kurzsprintwettbewerbe, Läufe bis 400 m als Langsprintkonkurrenzen bezeichnet. Das sportliche Resultat wird hochgradig vom Entwicklungsstand der Schnelligkeitsfähigkeiten bestimmt (Reaktions-, Beschleunigungs-, lokomotorische Schnelligkeitsfähigkeit).

Mit zunehmender Streckenlänge (Läufe über 200-400 m) wird die Schnelligkeitsausdauer zu einem leistungsbestimmenden Faktor. Niveau und Ausprägungsgrad der koordinativen Fähigkeiten (motorische Steuerungs-, Anpassungs-, Umstellungs-, Gleichgewichtsfähigkeit) wirken besonders im Hürdenlauf leistungslimitierend. Das Bewertungskriterium der Leistung ist die elektronische und bei bescheidenen Voraussetzungen die Zeitmessung per Hand mit der Stoppuhr.

Verbreitung und historische Fakten

Ein „Stadionlauf“ über rund 192,8 m als Vorläufer des heutigen Kurzsprints war bereits Bestandteil der Olympischen Spiele in der Antike.

Bei den Spielen der Neuzeit stehen Kurzstreckenwettbewerbe für Männer seit 1896 (100 m, 400 m, 110 m-Hürdenlauf) und ab 1928 auch für Frauen (100 m, 4 x 100 m-Staffel) im Programm.

In Großbritannien, USA, Australien und anderen Ländern werden bei Leichtathletik-Veranstaltungen - in Abweichung vom metrischen System - Läufe über Yardstrecken ausgeschrieben (z. B. 100, 220, 440 yd).

In allen Ländern, in denen die Leichtathletik wettkampfmäßig betrieben wird, erfordern Läufe über die kurzen Sprintdistanzen die geringsten Aufwendungen. Zugleich wirken sie als „Zuschauermagneten“.

Schnelligkeitsfähigkeiten sind hochgradig anlagebedingt und nur begrenzt trainierbar.

Wettkampfgestaltung, Regeln, sportliche Technik

Der Ablauf in Kurzstrecken- und Hürdenläufen wird bei Einzelkonkurrenzen generell aus dem Tiefstart vollzogen (bei Staffelwettbewerben trifft das nur für den ersten Läufer jeder Staffel (=Startläufer) zu.

Es wird in Einzelbahnen gelaufen. Ein Verlassen der Bahn vor dem Passieren der Ziellinie zieht Disqualifikation nach sich (Ausnahme: 4 x 400 m-Staffel - der 2. Läufer jeder Staffel darf nach 500m, d.h. nachdem er selbst 100 m gelaufen ist, auf die Innenbahn wechseln).

Je nach Anzahl der Starter erfolgt die Ermittlung des Siegers über Vor-, Zwischen-, Semifinal- und Endlauf. Die jeweilige Plazierung wird anhand des Zieleinlaufes ermittelt. Bei der gegenwärtigen Leistungsstärke der Sportlerinnen und Sportler ist selbst bei mittelklassigen Veranstaltungen zur exakten Ermittlung der Einlaufreihenfolge die Stationierung einer Zielkamera erforderlich.

Im 4 x 100 m-Staffellauf muß die Stabübergabe in einem markierten Wechselraum von 20 m Länge erfolgen.

In den olympischen Hürdenkonkurrenzen der Männer und Frauen sind je 10 Hindernisse zu überwinden. Die Höhe der Hürden ist unterschiedlich (vgl. Übersicht).

Zur sportlichen Technik

Kurzstreckenläufe gehören zur Kategorie der „zyklischen Sportarten“, d. h. gleichartige Elemente einer Bewegung werden fortlaufend wiederholt. Die Intensität der Bewegungsausführung im 100 m- und 200 m-Lauf ist maximal, im 400 m-Lauf submaximal.

Für Hürdenläufe ist ein ständiges „Umschalten“ von zyklischen (Lauf) und azyklischen Bewegungen („Hürdenschritt“ zur Überwindung der Hindernisse) erforderlich. Schwung- und Nachziehbein dürfen beim „Hürdenschritt“ nicht an der Hürde seitlich vorbeigeführt werden.

Die Bewegungsabläufe (=sportliche Technik) in markanten Phasen bzw. den einzelnen Streckenabschnitten sind differenziert zu bewerten:

Im Kurzsprint werden unterschieden der Start, die Beschleunigungsphase, der Abschnitt der Maximalgeschwindigkeit, der Abschnitt mit fallender Geschwindigkeit, der Zieleinlauf.

Der Hürdenlauf wird unterteilt in Start, Anlauf bis zur 1. Hürde, Hürdenschritt, Lauf zwischen den Hürden und Auslauf bis ins Ziel.


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