1.17. Kanusport/Kanurennsport
Idee und Werte
Unter dem Begriff Kanusport sind die Wassersportarten Kanurennsport, Kanuslalom, Kanusegeln, Kanupolo als Wettkampfsport und Kanuwandern als Freizeitsport zusammengefaßt. Ihnen ist der Vortrieb eines Kanu durch frei bewegliche Paddelbewegung mit Doppel- oder Stechpaddel gemeinsam. Der hohe Freizeit- und Gesundheitswert ergibt sich aus der gleichmäßigen, gut dosierbaren Beanspruchung an frischer Luft und positiven Effekten für Kreislauf, Stoffwechsel, Atmung und Muskulatur für jung und alt.
Geschichte und Verbreitung
Als Urform der Kanus gilt der Einbaum, ihm folgen das Rindenkanu und das Fellboot. Urvölker benutzten es zur Jagd, zum Fischfang und als Verkehrsmittel.
1860 - erster deutscher Kanuverein (Breslau)
1862 - erste Kanuregatta in Europa (Budapest)
1914 - Gründung des Deutschen Kanuverbandes (DKV)
1919 - 1. Deutsche Meisterschaft (Leipzig)
1936 - Kanusport erstmals im olympischen Programm
1946 - Gründung der Internationalen Kanu-Föderation (ICF)
Der Kanusport ist über alle Erdteile verbreitet. Mehr als 40 Länder sind Mitglied der ICF (International Canoe Federation - Sitz Belgrad).
Äußere Bedingungen/ Sportgerät
Training und Wettkämpfe im Kanurennsport werden auf stehenden Gewässern, Seen, Talsperren oder speziellen Regattastrecken durchgeführt. Zur Regattastrecke gehören 9-10 durch Bojen gekennzeichnete, 9 m breite Bahnen mit einer Länge von 1000 m, einer Wassertiefe von 3 m (bei gleichmäßigem Grund 2 m) sowie Start- und Zielanlagen.
Kanuslalom wird auf bis zu 800 m langen Slalomstrecken mit natürlichen oder künstlichen Hindernissen - 25-30 Tore mit einer Breite von 1,20-3,50 m - ausgetragen. Wildwasserrennen gehen über eine Strecke von 4-10 km, wofür insbesondere Talsperrenabflüsse geeignet sind.
Im Unterschied zum Rudern sind durch die Internationalen Wettkampfbestimmungen der ICF im Kanusport Vorschriften für den Bau und Längen-, Breiten- und Gewichtsmaße der Boote festgelegt. Es werden 2 Bootsgattungen unterschieden: Kajak(K) und Canadier(C). Der Kajak ist bis auf die Sitzluke zugebaut und wird sitzend mit Doppelpaddel gefahren. Der Canadier ist offen und wird kniend mit Stechpaddel gefahren. In beiden Bootsgattungen gibt es Einer und Mannschaftsboote.
Das Leistungsniveau eines Wettkampfes kann durch äußere Bedingungen an der Regattastrecke erheblich beeinflußt werden. Dazu gehören z. B. die Beschaffenheit der Regattastrecke (Uferbebauung), meteorologische Verhältnisse (Windstärke und -richtung), Wasserverhältnisse (Wellen). Um Fahrzeiten bei unterschiedlichen äußeren Bedingungen vergleichen zu können, werden sie anhand von speziellen Tabellen auf Nullbedingungen umgerechnet, d. h. auf Windstille und eine Wassertemperatur von 22,5 Grad Celsius.
Die Regeln der ICF legen u. a. folgende Bauvorschriften für die Rennboote in den olympischen Bootsklassen fest:
Maße Kajak Canadier
KI KII KIV CI CII
Höchstlänge (m) 5,20 6,50 11,00 5,20 6,50
Mindestbreite (cm) 51 55 60 75 75
Mindestmasse (kg) 12 18 30 16 20
Die Stechpaddel (Canadier) sind mit Griff, Schaft und Blatt 1,50-1,70 m lang und werden individuell den Körpermaßen des Sportlers angepaßt. Die Doppelpaddel (Kajak) sind mit den Paddelflächen gegeneinander um 90 Grad verdreht, haben ein gerades oder schaufelförmiges Blatt und sind ca. 2,20 m lang. Eine Neuentwicklung stellt das sogenannte Löffelpaddel dar.
Olympische Disziplinen des Kanusports
Kanurennsport:
500 m KI, KII, CI, CII (Herren)
KI, KII, KIV (Damen)
1000 m KI, KII, KIV, CI, CII, (Herren)
Kanuslalom: KI, CI (Herren)
KI (Damen)
Zusätzliche Weltmeisterschaftdisziplinen
Kanurennsport:
500 m, 1000 m CIV (Herren)
5000 m KI, KII (Damen)
10000 m KI, KII, KIV, CI, CII (Herren)
Kanuslalom: CII (Herren)
Wettkampf/Taktik
Bei der Analyse der Wettkampfleistung werden vier Abschnitte unterschieden: Startabschnitt (bis ca. 50 m), Nachstartabschnitt (bis zum Erreichen des Streckenschlages), Mittelstreckenabschnitt und Endspurtabschnitt (ca. 100-150 m vor dem Ziel).
Zur detaillierten Beurteilung des Leistungsvollzugs im Wettkampf wird eine Rennstruktur mittels der Parameter Fahrzeit (min), Schlagzahl (n), Schlagfrequenz (Schläge pro Minute), Schlagvortrieb (zurückgelegte Meter pro Bewegungszyklus) und Bootsgeschwindigkeit (m/s) über festgelegte Teilstrecken (100 oder 250 m) angegeben.
Die taktische Ausbildung der Kanuten ist auf die Beherrschung einer offensiven Renngestaltung unter Ausnutzung der individuellen Stärken und Anwendung einer variablen Bewegungs- und Schlagstruktur gerichtet.
Technik
Die Fahrtechnik dient sowohl dem Bootsvortrieb als auch der Steuerung (Kursstabilität). Ein hohes Niveau koordinativer Fähigkeiten (Bootsgefühl) und der Kondition (Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit, Beweglichkeit) soll zu einem effektiven Bootsvortrieb führen. Der sporttechnische Ausbildungsstand wird anhand eines Leitbildes für die Kajak-und Canadiertechnik eingeschätzt. Gegenüber dem Einer steigen im Mannschaftsboot die Anforderungen an das Kurshalten, die Synchronität und die Schnelligkeit der Paddelführung in allen Bewegungsphasen (Eintauchen, Durchzug, Aushub, Umsetzen). Da im Canadier der kniende Sportler nur auf einer Seite das Stechpaddel einsetzt, müssen im Zweierboot Rechtsfahrer und Linksfahrer kombiniert werden.
Literatur
(siehe auch neue Literaturhinweise im IAT-Literaturservice)
Bauer, A./Schinkel, J.: Das Training im Kanurennsport: Anregungen zur Leistungsentwicklung. Duisburg 1984.
Obstoj, H./Knap, K./Suchotzki, H.-G.: Kajak und Canadier: Training-Technik-Taktik.
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