1.16. Judo
Bedeutung und Geschichte
Judo gehört zu den modernen Kampfsportarten. Seine Entwicklung vollzog sich in sehr starkem Maße in seinem Mutterland Japan. Es wurde 1882 von Jigoro Kano (Japan) aus unterschiedlichen Systemen des Jiu-Jitsu (Selbstverteidigung) entwickelt. Dazu übernahm er die für den sportlichen Zweikampf geeigneten gefahrlosen Angriffs- und Verteidigungselemente. Bis zum 2. Weltkrieg war es in japanischen Schulen obligatorisches Unterrichtsfach für Jungen und Mädchen. Heute ist Judo als eine der Budo-Künste (Aikido, Judo, Karate, Kendo und Kyudo) wieder Pflichtfach für alle japanischen Studenten. Judo wird gegenwärtig auf 5 Kontinenten und in mehr als 150 Ländern ausgeübt. 1950 wurde in London die Internationale Judo Federation (IJF) gegründet. 1964 wurden erstmalig olympische Wettkämpfe im Judo ausgetragen. Europameisterschaften kommen seit 1951 jährlich zur Austragung. Weltmeisterschaften werden seit 1956 alle zwei Jahre veranstaltet.
Grundlegende Prinzipien und Werte Das Grundprinzip des Judo beruht auf der Einheit von körperlicher und geistiger Erziehung. Charakteristisch für die Sportart Judo sind die Vielfalt der taktischen Lösungsmöglichkeiten und der hohe Umfang erforderlicher motorischer Handlungsprogramme, die unter Berücksichtigung des aktiv und konträr agierenden Gegners situationsadäquant anzuwenden sind. Svicev (1977, 1981) ermittelte 32040 verschiedene Kampfsituationen, die mit gleicher Wahrscheinlichkeit auftreten können. Die Vielfalt der Kampfsituationen im Judo ergibt sich durch den aktiv handelnden Gegner, die verschiedenen Bewertungs- und Entscheidungsmöglichkeiten vom Stand- zum Bodenkampf und umgekehrt.
Wettbewerb, Regeln, Technik
Die Judokas tragen eine traditionelle Kampfkleidung (Judogi), die von farbigen Gürteln zusammengehalten wird. Diese Gürtel (Obi) kennzeichnen als sogen. Schüler (Kyu)- und Meister (Dan)-Grade zugleich den technischen Ausbildungsstand und das Wettkampfleistungsniveau ihres Trägers.
Die Wettkämpfe, als Landes-, Kontinental- und Weltmeisterschaften bzw. olympische Wettbewerbe durchgeführt, werden auf Judomatten (Tatami) ausgetragen. Drei Kampfrichter bewerten die Leistungen nach der Wirksamkeit angewendeter Techniken bzw. auf der Grundlage der Aktivität der Kampfesführung und des Angriffsdruckes, der auf den Gegner ausgeübt wird. Verstöße gegen die Regeln und Passivität/ Inaktivität werden bestraft und in technische Wertungen für den anderen Kämpfer umgerechnet. Der Kampf kann vor dem Ende der effektiven Kampfzeit von 5 Minuten (Männer) bzw. 4 Minuten (Frauen) durch einen Ippon (10 Punkte), Hansoku-Make (Disqualifikation) oder einen Sogo-Gachi (zusammengesetzter Sieg aus Wertung und/oder Bestrafung) entschieden werden. Nach Ablauf der Kampfzeit beurteilen die Kampfrichter als Mehrheitsentscheidung (Hantei) das Wettkampfergebnis (Sieg/Niederlage).
Den Sieg versucht der Judoka durch Anwendung von Wurftechniken (Nage-Waza) oder Grifftechniken (Katame-Waza) bzw. durch ihre Kombination zu erreichen. Die Wettkämpfer werden nach Alters- und Gewichtsklassen unterschieden.
Weiterführende Literatur
(siehe auch neue Literaturhinweise im IAT-Literaturservice)
Barth, P./Kaiser, U.: Judo für Jugendliche. München 1980 (Humboldt-Taschenbuchverlag).
Kobayashi, K./Sharp, H.E.: The sport of judo as in Japan practiced. Tokyo 1982 (Tuttle).
Velte, H.: Judo-Fachwort-Lexikon: Rund 1400 Fachausdrücke. Bad Homburg 1985 (Sportbuch-Verlag Velte).
Weinmann, W.: Kombinationen und Kontertechnik im Judo-Kampf. Berlin 1987 (Verlag Weinmann).
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