1.13. Gewichtheben

Charakteristik

Bis in die jüngste Vergangenheit typische Gewichtsklassensportart für Athleten männlichen Geschlechts. - Im Wettkampf müssen in den Teildisziplinen REISSEN und STOSSEN (Reihenfolge wie genannt) mit einer Scheibenhantel möglichst große Massen (= hohe Lasten) vom Boden zur Hochstrecke der Arme über den Kopf bewegt und dort im sicheren Stand fixiert werden.

Verbreitung und historische Fakten

Gewichtheben wird auf allen Kontinenten als Wettkampfsportart betrieben. Der IWF1) gehören mehr als 130 nationale Sportverbände an. Ihre Gründung erfolgte im Jahre 1920, der Sitz befindet sich in Wien.

Im Sagen- und Märchenschatz vieler Völker wird von Menschen (meist Königen, Fürsten, Rittern usw.) mit übernatürlichen körperlichen Kräften berichtet. Aus dem Mittelalter ist bekannt, daß verschiedene Städte regelmäßig die Stärksten ihres Berufes ermittelten (vgl. Fässerheben der Brauer). Diese „Bestenermittlungen“ trugen Volksfestcharakter.

Das sportliche Gewichtheben hat seinen Ursprung in Frankreich, Deutschland und Österreich. In der 2. Hälfte des vorigen Jahrhunderts erlebte der Kraftsport in Deutschland erheblichen Aufschwung. Seit 1880 entstanden Vereine für Schwerathletik in Hamburg, Köln, Duisburg, Frankfurt/M. und Leipzig. Im Jahr 1891 wurde der Deutsche Athletik-Sportverband gegründet.

Zur Kraftentwicklung der Anfangsjahre zählten Körperübungen aus verschiedenen Sportarten (Gewichtheben, Ringen, Boxen, Hammer- und Gewichtwerfen, Kugelschocken, Rundgewichtstemmen).

Seit 1896 ist die Sportart Gewichtheben - wenn auch zeitweilig ausgesetzt - Bestandteil des Olympischen Programms. Interessant ist, daß 1896 und 1904 die Medaillen im ein- und beidarmigen Stoßen ohne Gewichtsklasseneinteilung vergeben wurden. Bei den Spielen 1920 war ein Dreikampf (einarmiges Reißen und Stoßen, beidarmiges Stoßen) für 5 Gewichtsklassen ausgeschrieben. Dieser wurde 1924 von einem Fünfkampf (beidarmiges Drücken, Reißen, Stoßen, einarmiges Reißen und Stoßen) abgelöst. Von 1928 bis 1972 stand der Dreikampf (beidarmiges Drücken, Reißen und Stoßen) im Programm.

In der Folgezeit wurde u. a. aufgrund oftmals umstrittener Kampfrichterentscheidungen das Drücken gestrichen, ein Zweikampf aus beidarmigem Reißen und Stoßen festgeschrieben und die Anzahl der Gewichtsklassen auf 10 erhöht.

Wettkampfgestaltung, Regeln, sportliche Technik

Bei Olympischen Spielen werden Medaillengewinner und Plazierte nur im Zweikampf (Addition der Ergebnisse im Reißen und Stoßen) ermittelt, während bei Europa- und Weltmeisterschaften die Besten in beiden Disziplinen zusätzlich geehrt werden. Wird von 2 Gewichthebern exakt die gleiche Masse zur Hochstrecke gebracht, ist derjenige mit dem geringeren Körpergewicht der Besserplazierte.

Jeder Athlet kann im Reißen und im Stoßen je 3 Versuche absolvieren. Die Steigerung von der 1. zur 2. Hebung muß mindestens 5 kg, vom 2. zum 3. Versuch 2,5 kg betragen. Drei Fehlversuche im Reißen oder Stoßen ergeben keine Zweikampfwertung.

Bewegungsablauf Reißen

Die Scheibenhantel muß mit einer schnellkräftigen Bewegung (Ausfall- oder Hockstellung der Beine) vom Boden in die Hochstrecke gebracht werden. Bodenberührung mit Knie oder Gesäß, Unterbrechung des Bewegungsablaufes, Nachstrecken der Arme und ausbleibendes Fixieren der Hantel zählen als ungültiger Versuch.

Bewegungsablauf Stoßen

@ = Die Hantel wird in der 1. Phase mit Ausfall- oder Hockstellung auf der Brust „umgesetzt“. In einer 2. Phase wird sie durch schnellkräftige Streckbewegung der Arme und Ausfallschritt zur Hochstrecke gebracht. Endstellung des Athleten: Füße etwa schulterbreit nebeneinander.

Ungültiger Versuch: vgl. Reißen. Zusätzlich: Berührung der Beine mit den Ellbogen in der Hockposition.

In beiden Teildisziplinen wird die Übungsausführung durch 3 Kampfrichter bewertet.

Gewichtsklasseneinteilung

52 kg Fliegengewicht

56 kg Bantamgewicht

60 kg Federgewicht

67,5 kg Leichtgewicht

75 kg Mittelgewicht

82,5 kg Leichtschwergewicht

90 kg Mittelschwergewicht

100 kg 1. Schwergewicht

110 kg 2. Schwergewicht

110 kg Superschwergewicht

Literatur:

(siehe auch neue Literaturhinweise im IAT-Literaturservice)

Ajan, T./Baroga, L.: Weightlifting: Fitness for all sports. Budapest 1988 (Medicina Publ. House).

Doerrzapf/Pietka, E./Spitz, L./Umbach: Jugendtraining Gewichtheben, Bd. 1. Leimen 1986 (BVDG).


Copyright © 1996 by Peter Casper, VWM Verlag GmbH. Alle Rechte vorbehalten.

Die Texte und Grafiken aus dem Kompendium sind urheberrechtlich geschützt und werden für einen begrenzten Zeitraum nur zur Ansicht zur Verfügung gestellt. Speichern, Ausdrucken, Kopieren oder Verbreiten der Texte ist ausdrücklich untersagt.