1.11. Fußball

Bedeutung/Geschichte

Fußball gehört weltweit zu den beliebtesten und publikumswirksamsten Spielen. Vom Straßenfußball bis zum modernen Profifußball bewegt sich diese am meisten diskutierte und gespielte Sportart zwischen Sport, Freizeit, Politik, Show und Kommerz. Für Alfredo di Stefano, dem spanischen Meistertrainer, ist Fußball das „bedeutendste Spiel in der gesamten Weltgeschichte“.

Durch seine weltweite Verbreitung und seinen Massencharakter, sowohl hinsichtlich der Zahl der Aktiven als auch der Zuschauer, wird die Vorrangstellung des Fußballspieles unter den Sportarten unterstrichen. Unterstützend wirken dabei, neben der den Sportspielen eigenen Spannung, die leichte Verständlichkeit von Spielgedanke und Regeln. Als Freizeitsport betrieben sind - besonders wenn es in vereinfachter Form geschieht - relativ geringe Voraussetzungen notwendig.

Einst eine Domäne der Männer, wird Fußball seit 1970 auch zwischen Frauenmannschaften wettkampfmäßig betrieben.

Vorformen des Fußballspieles gibt es in der Zeit der Antike im Mittelmeerraum. In China (etwa 2700 v. Chr.) wurde es gezielt zum Training der Soldaten durchgeführt. Vom 11. Jh. bis 249 v. Chr. breitete sich das Spiel auch im Volke aus. Man begann, strengere Regeln auszuarbeiten. Bis 618 n. Chr. gelangte das Spiel zu höchster Beliebtheit. Fußball wurde zum Unterhaltungssport für Frauen und Männer. Es gab feste Regeln, Tore, Torhüter, Spielführer und sogar Trainingsprogramme, wobei eine Mannschaft aus mindestens 10, meist jedoch aus mehr Spielern bestand.

Um 900 geriet das Spiel dann in Vergessenheit. Im europäischen Mittelalter sind treibballähnliche Volksspiele bekannt (vor allem in Italien und Frankreich). Bei ihnen wurde ein Ball durch Straßen und Stadttore od. ä. geschlagen, gestoßen und getragen. Aus diesen volkstümlichen Kampfspielen entwickelten sich die modernen Anfänge des Fußballspieles. Sie wurden besonders durch Schulen und Colleges in Großbritannien gefördert. In dem Bemühen, ein festes Regelwerk aufzustellen, trennten sich die Anhänger in 2 Lager. So entstanden

1863 - die English Football-Association (Gegner der Handspielmöglichkeit). England wird als Erfinder und Mutterland des Fußball angesehen.

1871 - Rugby Football Union (Befürworter der Handspielmöglichkeit)

1878 - Gründung des ersten deutschen Fußballvereins in Hannover

1900 - Fußball erstmals olympisch. Aber erst seit 1908 kann man von einem olympischen Fußballturnier sprechen. Es traten 6 Mannschaften an. 1900 und 1904 nahmen jeweils nur 3 Mannschaften teil; 1904 nur 3 Clubmannschaften.

1900 - Gründung des Deutschen Fußballbundes (DFB)

seit 1903 - Deutsche Meisterschaften (1. deutscher Meister VFB Leipzig)

1904 - Gründung des Fußballweltverbandes (FIFA)

seit 1930 - Weltmeisterschaften

1954 - Gründung der Europäischen Fußballvereinigung (UEFA)

seit 1955 - Europapokal der Landesmeister (jährlich)

seit 1960 - Europapokal der Pokalsieger (jährlich)

seit 1967 - Europameisterschaften (alle 4 Jahre)

seit 1971 - UEFA-Pokal (jährlich für Spitzenvereinsmannschaften, die sich nicht zur Teilnahme am Europapokal qualifizieren konnten)

seit 1973 - Deutsche Meisterschaften im Damenfußball

seit 1984 - Europameisterschaften der Damen

1987 - 1. Weltmeisterschaft der Damen

Spielgedanke

Die Spielidee besteht darin, einen Ball so oft wie möglich regelgerecht ins gegnerische Tor zu bringen, bzw. Torerfolge des Gegner zu verhindern. Sieger ist die Mannschaft, die mindestens ein Tor mehr als der Gegner erzielt. Der Ball darf dabei mit allen Körperteilen gespielt werden, außer mit der Hand (dazu gehört der gesamte Arm). Jeder Spieler - auch der Torwart - kann Tore erzielen. Eine Mannschaft besteht aus 11 Spielern (1 Torhüter und 10 Feldspielern, die entsprechend der taktischen Konzeption aus einer unterschiedlichen Zahl von Abwehr-, Mittel-und Angriffsspielern bestehen) und mehreren Auswechselspielern, von denen in Meisterschafts- und Pokalspielen nur einmal je Spiel 2 Spieler ein- und ausgewechselt werden können. Die Spielzeit beträgt 2 x 45 Minuten. In Spielen, bei denen ein Sieger ermittelt werden muß, wird bei Toregleichstand am Spielende, nach einer kurzen Pause, die Spielzeit um 2 x 15 Minuten verlängert (mit Seitenwechsel ohne Pause nach den ersten 15 Minuten). Steht das Spiel auch dann noch unentschieden, wird der Sieger durch Elfmeterschießen ermittelt. Durch Spielunterbrechnung verlorene Spielzeit läßt der Schiedsrichter nach jeder Halbzeit entsprechend nachspielen.

Fußball wird mit verkürzter Spielzeit und modifizierten Regeln auch in der Halle gespielt. Kürzere Spielzeiten gelten auch für Jugend- und Schülerspiele.

Spielvoraussetzungen

Ball:

Lederhohlball

Gewicht: 396-453 g

Umfang: 68-71 cm

Spielfeld:

meist ein Rasenplatz oder Hartplatz; an jeder Schmalseite befindet sich ein 7,32 m breites und 2,44 m hohes Tor, das durch ein Netz so geschlossen ist, daß dieses den Ball nicht durchläßt (s.Abb.).

Schiedsgericht:

Das Spiel wird von einem Schiedsrichter und 2 Linienrichtern, die hauptsächlich Abseitsstellungen und Ausbälle anzeigen, geleitet.

Spielerkleidung:

Einheitlich bei jeder Mannschaft, Trikot mit Nummern, kurze Hose, Stutzen. Schuhe mit Stollen. Torhüterkleidung muß sich in der Farbe von der der Spieler und des Schiedsrichters deutlich unterscheiden. Der Torhüter darf Trainingshosen tragen.

Regeln:

@2 3,2CM = Von den insgesamt 17 Regeln sind die über verbotenes Spiel (Halten, Treten, Stoßen, Schlagen, Unterlaufen, Beinstellen und absichtliches Handspiel) sowie über Abseits besonders wichtig.

1. Ein Spieler befindet sich in Abseitsstellung, wenn er näher der gegnerischen Torlinie ist als der Ball, außer:

a) er befindet sich in seiner eigenen Spielfeldhälfte oder

b) mindestens 2 Spieler (im Normalfall ein Torwart und ein Feldspieler) der gegnerischen Mannschaft sind ihrer eigenen Torlinie näher als er selbst oder

c) der Ball wurde zuletzt vom Gegener selbst gespielt/berührt oder

d) der Spieler erhält den Ball direkt durch Abstoß, Einwurf, Eckstoß oder Schiedsrichterball.

2. Eine Abseitsstellung liegt definitiv dann vor, wenn ein Spieler in der gegnerischen Hälfte von einem eigenen Mitspieler den Ball zugespielt bekommt, während des Momentes der Ballabgabe jedoch dem Tor des Gegners näher ist als mindestens zwei Gegenspieler.

Technik/Taktik

Wesentliche Voraussetzungen für den Erfolg einer Fußballmannschaft sind die individuellen technisch-taktischen Fähigkeiten der Spieler, eine wirksame Mannschaftstaktik sowie das konditionelle und psychische Leistungsvermögen. In jeder Spielsituation ist es das Ziel, möglichst wirkungsvoll zu handeln. Dafür ist es erforderlich, die Situation zu analysieren, sich für eine bestimmte Handlung zu entscheiden und diese dann zu realisieren. Dafür sind folgende Informationen zu erfassen und zu verarbeiten: Stellung und Bewegung der Mitspieler und Gegner, Ballweg und Ballgeschwindigkeit usw.

Für die Handlungsentscheidung ist gleichzeitig das technisch-taktische Leistungsvermögen zu berücksichtigen. Die Technik des Fußballspieles umfaßt die Schuß- und Stoßarten wie Außenseitstoß, Innenseitstoß, Spannstoß, Spitzenstoß und das Kopfballspiel, die sowohl zum Torschuß als auch zum Abspielen eingesetzt werden. Hinzu kommen noch die speziellen Torwarttechniken, die individuellen Täuschungshandlungen sowie die Technik ohne Ball (das Spielen ohne Ball ist ein wichtiges taktisches Mittel, das durch Freilaufen, Positionswechsel, „Anbieten“ u. ä. gekennzeichnet ist). Es kann dem Mitspieler das Zuspiel erleichtern und die gegnerische Abwehr beeinträchtigen. Das Spiel ohne Ball verlangt ebenfalls ein ständiges geistiges Mit- und Vorausdenken der Spieler.

Eine ausgefeilte zweckmäßige Technik befähigt die Spieler, sich auf engstem Raum, bei höchstem Tempo und unter harter gegnerischer Bedrängung erfolgreich durchzusetzen.

Im Bereich der individuellen und kollektiven Taktik erlauben Spielfeld- und Mannschaftsgröße sowie bestimmte Regelfestlegungen umfangreiche Möglichkeiten der Situationslösungen und taktisch erfolgreiche Spielgestaltung. In der Taktik unterscheidet man in Angriffs- und Abwehrverfahren (Systeme) mit jeweils zahlreichen und sich ständig ändernden Varianten. Im modernen Fußball haben diese Systeme nicht mehr die Bedeutung, die sie in der Vergangenheit besaßen. Die Dynamik der Systeme und die Improvisationsfähigkeit der Spieler sind hervorstechende Merkmale des modernen Fußballspieles.

Verwendete und weiterführende Literatur

(siehe auch neue Literaturhinweise im IAT-Literaturservice)

Autorenkollektiv (Leitung: Döbler, H./Schnabel, G./Thieß, G.): Grundbegriffe der Sportspiele. Berlin 1989.

Bisanz, G./Gerisch, G.: Fußball, Training, Technik, Taktik. Hamburg 1982.

Obermann, H.: Fit mit Fußball. Niedernhausen 1988.

Regelbuch Fußball für Großfeld, Kleinfeld und Hallenspiele. Berlin 1983.

Rono, B./Simon, G.: Lexikon Fußball. Leipzig 1988.

Stiehler, G./Konzag, I./Döbler, H.: Sportspiele. Berlin 1988.


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